Das Warten auf das Ende der Spekulationen

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Nach Luscious Liz, Kinky Kylie und Abbey soll nun "Hungry Heidi" Sebastian Vettel zum vierten Mal in Folge zum Formel-1-Weltmeister machen.

Der deutsche Red-Bull-Pilot (25) geht am Sonntag (7.00 MEZ) in Melbourne alleine deshalb erneut als Favorit in das achtmonatige WM-Rennen, weil es vor dem Saisonstart 2013 keinen klaren Favoriten gibt.

Fernando Alonso hat in den drei Vettel-Jahren zwei Mal den Titel erst im letzten Rennen an den Deutschen verspielt, damit ist Ferrari auch diesmal erster Herausforderer der austro-englischen Mannschaft.

Bernie hat "nicht die blasseste Ahnung"

Es waren die kalten und wenig aussagekräftigen Wintertests in Europa, die dafür sorgen, dass man bei praktisch gleich gebliebenem Reglement notgedrungen auch die Rollenverteilung und die Hackordnung aus dem Vorjahr übernehmen musste.

Kein klarer Favorit hat sich vor dem Saisonstart in "down under" herauskristallisiert. "Ich habe wie alle anderen nicht die blasseste Ahnung, wer es schaffen wird", hielt sich selbst Vettel-Fan und Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone (82) mit Voraussagen zurück.

Melbourne feiert 60 Grand-Prix-Jahre, nachdem 1953 erstmals auf dem Straßenkurs im malerischen Albert Park rund um Golfplätze und den Albert Lake im Kreis gerast wurde.

70.000 Fans beim Jubiläum

Seit 1985 und damit 29 Jahren zählt das bei Fahrern und Fans - 70.000 stürmten diesmal schon am Donnerstag das Gelände - enorm beliebte Rennen auf der Südhalbkugel auch zur WM.

Nach Adelaide ist seit 1996 und damit zum bereits 18. Mal die Millionen-Metropole am Yarra River Grand-Prix-Schauplatz. "Der Flug hierher war weit. Ich kann es kaum erwarten, dass es endlich los geht", fieberte Vettel der "Rasen-Party" entgegen.

Das dickste Lob für den jüngsten Dreifach-Champion aller Zeiten kam von Teamchef Christian Horner. "Würde Sebastian morgen aufhören und nichts anderes mehr in seiner Karriere machen, müsste er dennoch als einer der Besten gesehen werden", sagte der Engländer zu englischen Zeitungen.

Vettel: "Wir fangen bei Null an"

Die 64. WM-Saison ist die letzte vor einem gravierenden Umbruch, denn ab 2014 folgt die Rückkehr zum V6-Turbo. Zum letzten Mal in der seit 1989 bestehenden Saugmotoren-Ära wird auf seit 2006 mit V8-Motoren angetriebenen Autos um den Titel gekämpft.

Red Bull hatte in den vergangenen Jahren dank Stardesigner Adrian Newey stets den besten Boliden. 2011 war der RB7 so überlegen, das er im Vorjahr wieder vom Regelwerk eingebremst wurde.

Doch Champion Vettel weiß, dass ihm kein wie auch immer errungener Titel automatisch Vorteile verschafft.

"Der Druck ist zwar weniger, wenn man es einmal geschafft hat, wir denken aber nicht an die Vergangenheit", gab sich der 26-fache GP-Sieger abgeklärt."Auch diesmal fangen alle wieder bei Null an. Es ist das erste von vielen Wochenenden, und wie üblich wissen wir nicht, was passieren wird."

Alonso rechnet mit fünf Top-Teams

Damit stimmte der in der Schweiz ansässige Deutsche in den Chor jener ein, die eine noch ausgeglichenere WM erwarten als jene im Vorjahr, als die ersten sieben Rennen sieben verschiedene Sieger brachten.

Alonso ist allerdings nicht ganz überzeugt, dass es wieder so bunt zugehen wird. "Ich rechne mit fünf Top-Teams. Wer im Rennen die entscheidenden Zehntel schneller sein wird, ist nicht abzusehen", gab der Spanier zu Protokoll.

Der Weltmeister von 2005 und 2006 ist überzeugt, im neuen und "200 Mal besseren" Ferrari schneller in Schwung zu kommen als 2012. "Es war aber auch nicht schwer, besser zu sein als im Vorjahr. Da waren wir viel zu weit hinten", blickte der Asturier grimmig zurück.

Dass er zwei Mal hauchdünn an Vettel gescheitert ist, habe keine Spuren hinterlassen, versicherte der im Vorjahr sogar mit Samurai-Schwüren agierende Spanier. "Ich fühle mich privilegiert, dass ich in drei Jahren zwei Mal um den Titel kämpfen konnte. Wir wollen diese Chance wieder, nur hoffen wir diesmal auf einen anderen Ausgang."

Button hat schon drei Melbourne-Siege

Obwohl Red Bull als einziges Topteam keine einzige Test-Bestzeit erzielt hat, sind die "Österreicher" zumindest vorläufig wieder die Favoriten.

Neben Ferrari zählen auch Lotus mit Kimi Räikkönen sowie im siebenten und letzten Jahr mit Titelsponsor Vodafone auch McLaren mit dem dreifachen Melbourne-Sieger Jenson Button zu den Sieganwärtern.

Mercedes wird nach einer personellen Umkrempelung und der Verpflichtung von Lewis Hamilton, der sich nach sechs Jahren bei McLaren über die "neue Freiheit" beim Stern-Team freut, 2013 deutlich mehr zugetraut als zuletzt.

Reifen als Kardinalfrage

"Aber am Ende zählen nur reine Fakten. Alles andere ist Spekulation", relativierte allerdings der neue Motorsportdirektor Toto Wolff die Testbestzeiten der "Silberpfeile".

Zum hauptentscheidenden Faktor werden damit wohl auch 2013 wieder die Reifen. Pirelli hat auf Wunsch neue und noch weichere Gummis gemischt, bei den kalten Tests wurde kein Team so richtig schlau daraus.

"Wir haben alle unter dem gleichen Problem gelitten, die Reifen haben nicht gehalten", hoffte Vettel trotz Wetterumschwungs auf höhere Temperaturen in Australien. "Sonst wird es hier richtig lustig."

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