Die drei Fahrer-Fragezeichen

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Der Countdown läuft.

Bis zum großen Finale der Formel-1-Saison 2014 in Abu Dhabi dauert es nicht mehr lange. Die Ouvertüre in Brasilien verspricht zwar traditionell Spannung, wird aber definitiv für keine endgültige Entscheidung sorgen – den doppelten Punkten sei "Dank".

Nicht auszudenken, was passiert, wenn Nico Rosberg trotz Lewis Hamiltons Siegesserie am Ende mit einem Punkt Vorsprung den Titel holt. Siegt der Brite in Interlagos bei einem gleichzeitigen Ausfall Rosbergs mit einem umgekehrten Ausgang in den Emiraten wäre die wohl skurrilste Titelentscheidung perfekt.

Bevor es soweit kommen kann, sind weiterhin mehrere Fahrer-Fragen zu klären. Wie ein Strudelteig ziehen sich manche Entscheidungen, sodass der geneigte Motorsport-Fan verständnislos den Kopf schütteln muss.

Was ist mit Alonso und McLaren? War es das für Button? Hat Vergne noch einen Platz und wann unterschreibt Grosjean endlich?

DAS RIESIGE FRAGEZEICHEN: Was macht Fernando?

Der "König" im Fahrer-Poker macht seinem Namen alle Ehre, steht er doch weiterhin im Mittelpunkt verschiedenster Spekulationen. Aber nicht nur die Öffentlichkeit, auch er selbst hat mittlerweile die Nase voll vom Theater um seine Person. "Diese Woche spricht McLaren, in der vergangenen Woche war es Gerad Lopez (Besitzer von Lotus, Anm.), der behauptet, er wäre in Gesprächen bezüglich der Zukunft mit mir. Das stimmt sogar, aber dabei geht es nicht um die Formel 1", stellt der Spanier klar. Sicher ist aber auch: Solange nichts offiziell ist, wird weiter spekuliert. "Jeden Tag gibt es neue Gerüchte. Diese Woche hat es geheißen, ich hätte Marussia für einen Dollar gekauft", kann es Alonso nicht mehr hören. Warum macht er dann nicht Nägel mit Köpfen? Es liege nicht an ihm. "Ich habe vor zwei oder drei Monaten eine Entscheidung getroffen und folge nun diesem Weg. Es dauert etwas Zeit, aber es wird hoffentlich bald eine Verkündung geben", sagt Alonso nicht zum ersten Mal in den letzten Wochen. Da er noch für 2015 Vertrag bei Ferrari hat, geht es wohl darum, mit einer möglichst fürstlichen Abfindung davonzukommen, so sieht es zumindest Sky-Experte Marc Surer. Eine angebliche Deadline für einen Wechsel zu McLaren-Honda gebe es jedenfalls nicht: "Ich wüsste nicht, dass es irgendeine Deadline für irgendetwas gibt", sagt der Asturier. Typisch Alonso eben.

DAS GENERVTE FRAGEZEICHEN: Button ist böse

Neben Alonso und Vettel hängt mit Jenson Button ein dritter Weltmeister aktuell in der Luft. So kurios ist die Formel 1 anno 2014. Schon vor mehreren Wochen reagierte der Brite gereizt darauf, wenn man ihn nach seiner Zukunft befragte. Vor dem Grand Prix von Brasilien ist das nicht anders. Das Bittere für den 34-Jährigen: Seine Zukunft hängt wohl einzig und allein von Alonso ab. Ist sein Wechsel zu McLaren-Honda durch, ist das Ende Buttons besiegelt. Die Rolle als zweite Wahl will sich der Champion von 2009 nicht gefallen lassen. Mittlerweile spielt er selbst mit dem Gedanken, von sich aus den Hut zu nehmen. Auf die Frage, ob er denn bei McLaren bleibe, wenn man ihn darum bitte, sagt Button: "Gute Frage. Das kann ich im Moment nicht beantworten." Echte Liebe zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sieht anders aus. Wenn er in der Königsklasse bleibt, dann nur bei einem Topteam. "Ich bin Weltmeister und will Rennen gewinnen. Es gibt in diesem Sport viele Dinge, die mich enttäuschen. Mich enttäuscht am meisten, wenn ich nicht gewinnen kann." Wenn Alonso sagt, er habe sich längst entschieden, könnte Button schon längst verloren haben. Glaubt man der "Sportsmail", will McLaren-Teamchef Eric Boullier keine zwei Nummer-eins-Piloten in einem Team. Somit wäre das Kapitel Formel 1 für Button nach 15 Jahren zu Ende.

DAS SICHERE FRAGEZEICHEN: Vergne ist überzeugt

Erst war Ricciardo, dann war Kvyat. Es waren Rückschläge, die Jean-Eric Vergne erst einmal verkraften musste. Zwei Mal wurde er von Red Bull Racing übergangen, nun kämpft er um einen Verbleib beim Junior-Team Toro Rosso. Fix ist bislang nur das Engagement von Talent Max Verstappen. Um das zweite Cockpit muss sich Vergne unter anderem mit Carlos Sainz Jr. streiten, der immerhin den Titel in der Renault World Series für sich entscheiden konnte. Der Franzose gibt sich ungewöhnlich selbstbewusst, wenn es um seine Zukunft geht. "Es ist noch nichts entschieden, aber ich mache mir keine allzu großen Sorgen. Ich werde 2015 in der Formel 1 sein", sagte er gegenüber "Le Figaro". Vielleicht ist er sich so sicher, weil er Rückendeckung von Teamchef Franz Tost bekommen hat. "Ich würde gerne mit ihm weiterarbeiten, aber wir müssen abwarten, wie sich Red Bull entscheidet", meint der Österreicher bei "Formula1.com".

Team Fahrer 1 Fahrer 2
Mercedes Lewis Hamilton Nico Rosberg
Red Bull Daniel Ricciardo Daniil Kvyat
Ferrari Sebastian Vettel (?) Kimi Räikkönen
Williams Valtteri Bottas Felipe Massa
McLaren ? ?
Force India Nico Hülkenberg Sergio Perez (?)
Toro Rosso Max Verstappen ?
Lotus Pastor Maldonado Romain Grosjean (?)
Sauber Marcus Ericsson Felipe Nasr
Marussia ? ?
Caterham ? ?

DIE KLEINEN FRAGEZEICHEN: Unterschriftsreifes und völlig Unsicheres

Manche Teams scheinen weitaus weniger Probleme beim Verlängern beziehungsweise engagieren ihrer Fahrer zu haben. Force India zum Beispiel. Nachdem Nico Hülkenberg dem Rennstall erhalten bleibt, rechnet auch Sergio Perez mit einem Vertrag. "Alles, worum ich bitte, sind ein paar Änderungen und ich hoffe, dass ich sie bekomme", sagt der Mexikaner unaufgeregt. Ähnlich schnell kann und soll es bei Lotus gehen. "Wir sind ganz nahe dran. Ich bin im Team in einer guten Position. Die Dinge entwickeln sich gut", ist Romain Grosjean zuversichtlich. Schon an diesem Wochenende soll alles unter Dach und Fach sein. Kurzfristiger denkt man bei Caterham. Beim Saisonfinale in Abu Dhabi will man zumindest wieder am Start stehen. Das gilt auch für Marussia. Beide Teams (Marussia unter altem Namen "Manor GP") stehen auch auf der provisorischen Rennstall-Liste für 2015, die kürzlich veröffentlicht wurde. Nur muss das noch nichts heißen. Denn eine fällige Gebühr in Höhe von einer halben Million Euro hat Caterham noch nicht bezahlt.

 

Andreas Terler

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