Das macht der Mai neu

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Updateflut in Barcelona: Bei wem geht der Plan auf?

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Bis jetzt war die Formel-1-Saison eine eindeutige Angelegenheit.

Mercedes dominiert nach Belieben, dahinter kämpfen Red Bull Racing, Ferrari und Co. um den Anschluss.

Wie üblich warten die Teams zum Europa-Auftakt in Spanien mit einigen Neuerungen an ihren Boliden auf. Aber halten sie auch, was sie versprechen?

Traditionell ändert sich am Kräfteverhältnis einer Saison nach dem Grand Prix von Spanien kaum mehr etwas. Hat also noch jemand eine Wunderwaffe gefunden?

Ein Überblick:

  • MERCEDES AMG

    WUNSCH:
    Die überlegenen Silberpfeile setzen auf Feintuning – und das nicht nur auf der Strecke. Wie der „Telegraph“ berichtet, hat das Team den Psychologen Dr. Ceri Evans engagiert. Der 50-Jährige beobachtete beim Rennen in Shanghai Ingenieure und Mechaniker und soll dem Rennstall fortan zur Seite stehen, um auch mögliche Konflikte zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton zu vermeiden. Während die Performance des Autos bislang überragend war, bemüht man sich indes auch um die stark vermisste Lautstärke. In Barcelona werden erste Lösungen getestet, um dem Ruf vieler Fans Folge zu leisten. Die Palette reicht von sehr komplexen Varianten innerhalb des Auspuffsystems bis hin zu einem parallel, sich öffnenden Auspuff, der den Effekt eines Megaphons haben soll. Gleichzeitig soll natürlich der Vorsprung im Vergleich zum Rest nicht kleiner werden. „Unser Ziel ist es nicht nur, die Entwicklungsgeschwindigkeit unserer Rivalen mitzugehen, sondern sie zu übertreffen, um so unsere Führung auszubauen“, meint Technikdirektor Paddy Lowe.

REALITÄT: Ob der Psychologe schon Wirkung zeigt, ist zwar nicht bekannt, Auto und Fahrer beweisen weiterhin ihre Klasse. Zwei Mal war Hamilton am Freitag ganz vorne, Rosberg war am Nachmittag erster Verfolger des Briten. Dahinter? Lange nichts.

  • RED BULL RACING

    WUNSCH:
    Das Weltmeister-Team verspricht sich besonders viel vom Rennen am Circuit de Barcelona-Catalunya. Neben einem umfassenden Upgrade-Paket bekommt Sebastian Vettel auch ein neues Chassis spendiert. "Das war schon zu Beginn der Saison so eingeplant. Das nächste wird dann für Daniel sein und irgendwann um Silverstone kommen", erklärt Chefdesigner Rob Marshall. Vettel selbst widerspricht dieser Aussage allerdings und meint, man habe sich erst nach dem schwachen Ergebnis in China dazu entschlossen. "Wir glauben nicht, dass am alten Chassis etwas kaputt war. Wir wollen alles auf null stellen und neu starten", so der Heppenheimer. Ganz neu ist das Monocoque nicht, Vettel hat es nämlich schon bei den Testfahrten verwendet. Viel wichtiger ist ein Motor-Update aus dem Hause Renault. Man spricht von einer weiteren Leistungs-Ausbaustufe. "Während es nicht so viele sichtbare Hardware-Updates gibt, sind signifikante Verbesserungen bei der Software vorgesehen", kündigt Motorenchef Remi Taffin an. Besonders die Fahrbarkeit soll dadurch verbessert werden. Zudem soll der Antriebsstrang fortan effizienter sein. 

REALITÄT: Schlimmer hätte es für Vettel nicht laufen können. Nach 30 Minuten im ersten Training musste er den RB10 abstellen, die zweite Session verpasste er ganz, weil das Team damit beschäftigt war, das Elektronik-Problem zu lösen. Daniel Ricciardo zeigte währenddessen, dass er erster Mercedes-Jäger sein kann und wurde in beiden Trainings Dritter.

  • FERRARI

WUNSCH: Bei der Scuderia steht alles im Zeichen des neuen Teamchefs. Marco Mattiacci hat das Ruder übernommen, von Veränderung sei aber noch nicht viel zu merken, findet Fernando Alonso. "Es gibt keine großen Veränderungen und man kann nichts feststellen, das irgendwie anders wäre. Es benötigt aber Zeit, um sich einzugewöhnen", hat der Spanier Geduld mit seinem neuen Boss. Während Mercedes-Sportchef Toto Wolff Ferrari sogar noch vor Red Bull als schärfsten Konkurrenten bezeichnet, rechnet Alonso nicht damit, auf das Podium fahren zu können. Im Training bestach die Rote Göttin vor allem durch ein komplett neues Heck. Nun weist das Auto nur noch eine zentrale Strebe als Stütze des Flügels auf, dazu wurde über dem Auspuff ein kleiner Zusatzflügel angebracht, der für extra Abtrieb sorgen soll. Optisch erinnert die Lösung an jene von McLaren. Auch die Frontpartie wurde neu gestaltet und getestet.

REALITÄT: Von der Platzierung her fehlt zwar nicht viel auf die Spitze, von der Zeit her allerdings schon. Also hat sich bisher nicht viel geändert. Auch die Rangordnung im Team ist weiter klar. Alonso kommt wesentlich besser mit dem Boliden zurecht als Räikkönen.

  • FORCE INDIA
    WUNSCH:
    Der VJM07 hat für den Europa-Auftakt ein Aerodynamik-Update bekommen. "Wir hatten ein Update in China, was auch am Auto war, aber da gibt es noch Luft nach oben und das werden wir weiter verbessern", sagt Nico Hülkenberg. Ein Motoren-Update war nicht vorgesehen.
    REALITÄT:  Vor lauter Konzentration auf die Aerodynamik hat man am Auto von Perez gleich einmal den linken Rückspiegel nicht richtig befestigt, weshalb der Mexikaner im 1. Training den Wagen einhändig zurück an die Box lenken musste. Die Platzierungen lassen noch zu wünschen übrig.
  • MCLAREN
    WUNSCH: Teamchef Eric Boullier glaubt, wieder vorne mitmischen zu können. "Was wir in den vergangenen Wochen gefunden haben ist gut, sehr gut sogar." Vor allem am fehlenden Abtrieb, der sich auch auf den Reifenverschleiß ausgewirkt hat, hat man angesetzt und gearbeitet.
    REALITÄT: Jenson Button ließ am Vormittag mit Platz zwei aufhorchen. "Nur" acht Zehntel lag der Brite hinter seinem Landsmann Hamilton. Am Nachmittag war man mit den Rängen sechs und sieben ähnlich solide unterwegs.
  • WILLIAMS
    WUNSCH: Auch Williams hat ein paar neue Teile mit dabei. Das Auto werde sich dadurch aber nicht komplett verändern. "Bisher haben alle unsere Updates funktioniert. Die Ausnahme war der Heckflügel. Abgesehen davon ist immer alles am Auto geblieben", meint Felipe Massa.
    REALITÄT: Der Testcharakter stand im Vordergrund. Bottas musste Testpilot Nasr am Vormittag den Vortritt lassen. Massa war als Achter und Zehnter zwei Mal ganz gut dabei.
  • TORO ROSSO
    WUNSCH: Fehlanzeige. Das nächste große Update-Paket soll erst in ein paar Wochen folgen. "Ich bin zuversichtlich, dass es das Richtige ist, was sie tun", akzeptiert Jean-Eric Vergne die Situation.
    REALITÄT: Keine Erwartungen, keine Sprünge nach vorne. Aber erneut drehte Kvyat die schnelleren Runden als der erfahrenere Vergne. Der Franzose verlor noch dazu ein Hinterrad.
  • LOTUS
    WUNSCH:
    Nach einem kompletten Fehlstart arbeitet man sich in Enstone langsam zurück Richtung Punkteränge. In Barcelona bekommen Romain Grosjean und Pastor Maldonado neue Front- und Heckflügel sowie einen neuen Unterboden spendiert, der für mehr Abtrieb sorgen soll. Dazu soll man auch vom Renault-Update profitieren.
    REALITÄT: Hallo Pastor! Mit den Plätzen acht und neun macht der Venezolaner durchaus positiv von sich reden. Grosjean kämpfte indes mit Motoren- und Bremsproblemen.
  • SAUBER
    WUNSCH:
    "Unsere Saison startet hier eigentlich erst richtig", kündigt Esteban Gutierrez an. Der Schweizer Bolide hat vor allem abgespeckt, dazu gibt es Aero-Updates. Ferrari soll auch beim Antrieb nachgebessert haben. Adrian Sutil erwartet sich eine klare Verbesserung.
    REALITÄT: Von Euphorie fehlt bislang jede Spur - zumindest wenn man auf die Ergebnislisten sieht. Die Punkteränge scheinen meilenweit entfernt zu sein.
  • MARUSSIA
    WUNSCH: Mit einer frischen Nase und mechanischen Veränderungen will Marussia den Anschluss ans Mittelfeld schaffen. Besonders Sauber hat man schon ins Visier genommen. "Sie lagen nicht weit vor uns. Wir können es zu Beginn des Rennens immer mit ihnen aufnehmen", sagt Max Chilton.
    REALITÄT: Der Ferrari-Motor von Chilton zickte am Nachmittag ausgiebig, am Ende der Session stand der Marussia im Kiesbett. Caterham hat man trotzdem weiterhin im Griff.
  • CATERHAM
    WUNSCH: Das Schlusslicht gönnt sich ebenfalls eine Runderneuerung. Front- und Heckflügel und ein überarbeiteter Unterboden kommen in Barcelona zum Einsatz.
    REALITÄT: Ein Softwareproblem an der Power-Unit machte Probleme, mit 61 (Ericsson) bzw. 60 (Kobayashi) Runden hat man jedenfalls die dritt- bzw. viertmeisten am Freitag absolviert.

 

Andreas Terler

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