Zwischen Sticheleien und Brauchtumspflege

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Freitag, 10 Uhr.

Die Ampel schaltet auf grün.

Felipe Massa ist der erste Fahrer, der sich auf den Red Bull Ring wagt. Das Renngeschehen in der Steiermark ist damit offiziell eröffnet und das Geplänkel ist vorübergehend Nebensache.

Wie zu erwarten war, sind in der Heimat von Red Bull Racing einmal mehr die Silberpfeile die Gejagten. Der klare WM-Leader gefällt sich in der Rolle des Favoriten. 

Rosberg spricht vom "A1 Ring"

Gerade im Red-Bull-Land darf auch die ein oder andere Stichelei nicht fehlen. Nach dem ominösen "Hotelstreit" erwarb man sämtliche Werbeflächen in und um Spielberg und plakatiert provokant mit dem Slogan "Heimspielberg". 

Die Piloten machen da brav mit. "Wenn man auf dem 'A1-Ring' gewinnen kann, ist das nochmal ein Extraplus, klar", verwendet Nico Rosberg wohlwissend um den aktuellen Namen der Strecke ihren ehemaligen.

Auch Lewis Hamilton sieht nicht ein, warum er plötzlich Werbung für den Getränkehersteller machen soll.


"Sie haben ihren Namen davorgesetzt, aber ich bin mit einem anderen aufgewachsen. Für mich bleibt er. Ich habe meiner Schwester gesagt, wo ich hinfahre und den alten Namen gebraucht", so der Brite. Formel 1 ohne Show, ohne ein bisschen böses Blut - das geht einfach nicht. 

Yodeling Austria

Zur Show gehört in Österreich nun einmal auch jede Menge Brauchtum - zumindest glaubt man das am Red Bull Ring. Der Veranstalter lässt jedenfalls keine Gelgenheit aus, um das Bild vom "Yodeling Austria" zu propagieren.

Das stößt nicht immer Gegenliebe, auch wenn die Herzlichkeit in Spielberg zu großen Teilen von den Rennställen geschätzt wird.

 

Auch die Fortbewegungsmittel im Paddock sind klassisch österreichisch gewählt.

Damit es auf der Strecke genauso zünftig zugeht wie abseits davon, hat man sich bei der FIA ausgerechnet vor dem Spielberg-Comeback eine Lockerung des Strafenreglements vereinbart.

Ab diesem Wochenende überlässt FIA-Renndirektor Charlie Whiting einzig und allein den Rennstewards, ob ein Unfall eine Strafe nach sich ziehen soll. Bisher forderte das Reglement von Whiting, jeden Zwischenfall an die Stewards weiterzuleiten.

Damit können sich die Fans wieder auf härtere Duelle gefasst machen, die nicht umgehend sanktioniert werden. Whiting selbst nimmt aber die Teams in die Pflicht und fordert, nicht nach jeder Kleinigkeit Strafen für andere Teams zu fordern. Gerüchten zufolge hat sich Pastor Maldonado besonders über diese Änderung gefreut.

Perez wird nicht begnadigt

Ein kürzliches Unfallopfer schien indes vor einer Begnadigung zu stehen.

Eigentlich hätte Sergio Perez in Österreich nach seinem Crash mit Felipe Massa in Montreal um fünf Startplätze nach hinten versetzt werden sollen. Am Freitag sah es zunächst so aus, als ob sich das ändern könne, da die FIA den Fall erneut berurteilte. 

"Es sind außergewöhnliche Umstände, bei denen der Fahrer ins Krankenhaus gebracht wurde und nicht in der Lage war, mit seinem Team zu sprechen oder der Anhörung beizuwohnen", hieß es in einem offiziellen Communiqué.  

Der Mexikaner war sich sicher, dass seine Argumente bei der Rennleitunga auf fruchtbaren Boden treffen werden.

"Er hat seine Meinung, ich habe meine Ansicht. Wir werden den Fall noch einmal mit der FIA besprechen. Wir sind sicher, dass wir ausreichend Beweise haben, um meine Unschuld darzulegen", so der 24-Jährige. 

Um 18:14 Uhr konnte er seine Hoffnungen begraben. Nach einem Hearing entschied die FIA darauf, auf ihrem Urteil zu beharren. Es wäre klar ersichtlich gewesen, dass Perez seine Position in einer Bremszone verteidigt habe. Per Regulativ ist das verboten. Der Mexikaner muss damit auf ein starkes Qualifying am Samstag hoffen.

 

Aus Spielberg berichtet Andreas Terler

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