Geht der Reifen-Poker bei Red Bull gut aus?

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Auf den ersten Blick scheint es, als habe Sebastian Vettels neuer, roter Helm noch kein Glück gebracht.

Der Weltmeister wird den großen Preis von China am Sonntag nur von Platz neun aus beginnen, da er im dritten Abschnitt des Qualifyings keine gezeitete Runde fuhr.

Aufgrund eines Fahrfehlers in der Haarnadelkurve vergab der Red-Bull-Pilot eine bessere Startposition.

Nachteil könnte Vorteil sein

Doch diese Ausgangslage ist gar nicht einmal so schlecht, wie sie zu sein scheint: Der Deutsche darf sich dadurch nämlich seine Pneus zu Rennbeginn aussuchen, was einen klaren Reifenvorteil darstellt.

"Wir spürten, dass es für die vorderen Plätze nicht reicht, aber wir versprechen uns dafür morgen ein besseres Rennen", erklärte Vettel, der seinen Vorteil vor allem darin sieht, "nicht in den ersten fünf Runden an die Box fahren zu müssen."

Die Top Sieben werden hingegen mit den gebrauchten Soft-Reifen wesentlich früher ihren ersten Boxenstopp absolvieren, so dass Vettel nach vorne "gespült" werden sollte.

Plan ging auf

"Das war von Anfang an unser Plan", führte der Weltmeister, der vermutlich mit den Medium-Pneus starten und eine Drei-Stopp-Strategie fahren wird, weiter aus.

“Es ist alles möglich, augenscheinlich halten die weichen Reifen nicht so lang, sie sind gut für eine Runde, aber danach nicht mehr, deshalb scheinen die mittleren die besseren Rennreifen zu sein."

Starke Konkurrenz

Vettel ruhte sich jedoch nicht nur auf der Taktik-"Ausrede" aus, sondern zollte auch seinen Konkurrenten Respekt. „Ich glaube, wir haben heute gesehen, dass einige Fahrer sehr schnell waren, vor allem Mercedes und Ferrari”, stellte der Heppenheimer gegenüber „Sky” fest.

"Q2 war nicht so schlecht, wir konnten die Ferraris trennen – sie sahen sehr schnell aus auf den soften Reifen, jedoch nicht so gut auf den harten. Deshalb haben wir entschieden, eine andere Taktik zu fahren. Ob sie aufgeht oder nicht, das werden wir morgen sehen“, ist Vettel nach dem Qualifying weiterhin guter Dinge.

"Man will weiter vorne starten, aber dann passiert so etwas", erklärte Webber, der beim Start ebenso wie Vettel freie Reifenwahl hat.

"Nun brauchen wir ein wenig Glück, es ist keine optimale Ausgangsposition, aber wir müssen trotzdem versuchen, etwas daraus zu machen."

Nicht zum ersten Mal

Im letzten Jahr gab es schon einmal einen ähnlichen Fall im Red-Bull-Team: In Abu Dhabi betraf es 2012 Vettel, der nach dem Qualifying disqualifiziert wurde und ebenfalls vom letzten Platz starten musste. Der Deutsche schaffte es dennoch, im Rennen auf Rang drei vorzufahren.

“Es ist sehr ärgerlich, aber wir müssen damit klarkommen. Im Rennen muss ich jetzt trotzdem nach vorn schauen”, so Webber, der sich noch gut an den China-GP vor zwei Jahren erinnern wird.

Damals startete er vom 18. Rang und fuhr ebenfalls noch auf die dritte Position vor. "Man kann auf dieser Strecke hier noch einiges gutmachen, aber die Autos da draußen sind schnell."

 

Henriette Werner

Große Enttäuschung bei Webber

Für Teamkollege Mark Webber ging dieser Plan hingegen nicht auf: Er qualifizierte sich erst gar nicht für den dritten Quali-Abschnitt, da ihm in Q2 das Benzin ausging.

Zunächst wurde er auf Rang 14 gewertet, da jedoch laut Reglement immer eine Mindestmenge von einem Liter Sprit im Tank sein muss und dies nicht der Fall war, reihte die FIA den Australier ans Ende.

"Es war sehr enttäuschend. Q1 war ok, ich habe mich im Auto wohl gefühlt und wir hatten einen guten Plan für den Rest der Session. In Q2 haben wir Benzindruck verloren, also musste ich das Auto abstellen und habe es nicht zurück in die Box geschafft", so der Australier, der somit am Sonntag von der letzten Position aus starten muss.

Unglückliches Timing

Nach den Vorkommnissen in Malaysia ist es für den 36-Jährigen umso enttäuschender, da er zeigen wollte, dass er auch ohne Stallorder der schnellere Red-Bull-Pilot sein kann.

Webber war zwischenzeitlich der Fünftschnellste im zweiten Quali-Abschnitt, doch dann teilte man ihm mit, seinen Boliden sofort abzustellen, da ein plötzlicher Abfall des Benzindrucks festgestellt wurde.

Teamchef Christian Horner erklärte: „Unglücklicherweise wurde die geforderte Spritmenge in Q2 vom Tankschlauch nicht korrekt und vollständig ins Auto weitergeleitet."

"Brauchen Glück"

Durch einen Defekt an der Tankanlage seien drei Kilo Benzin zu wenig in den RB9 gelangt. "Effektiv ist Marks Tank somit leergelaufen - das ist natürlich frustrierend", bedauerte Horner.

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