McLaren-Honda auf der Suche nach Erfolg

Aufmacherbild
 

"Man muss erst alles richtig formen, um sicherzustellen, dass alles reibungslos verläuft", hat Ron Dennis unlängst gesagt.

Schön langsam sollte man die Vase McLaren-Honda aber so weit haben, dass man auch aufblühende Fahrer hineinstecken kann.

In etwa sechs Monaten steht das erste Rennen einer neuen Ära an. Dann werden 23 Jahre seit dem letzten Antreten unter diesem Namen vergangen sein.

Zwischen 1988 und 1992 holten Ayrton Senna, Alain Prost und Gerhard Berger vier Fahrer- und vier Konstrukteurstitel. Allein 1988 siegte man in 15 von 16 Rennen.

Es gilt also große Erwartungen zu erfüllen. Aber von wem? Angefangen vom Teamchef, über die Fahrer bis hin zu einem Großsponsor ist nichts bekannt.

Das sind die Baustellen des einstigen Erfolgsprojekts:

 

THEMA TEAM-FÜHRUNG: Wer ist hier der Boss?

Die Machtverhältnisse sprechen nicht unbedingt für Harmonie im Hause McLaren. Alles begann mit einem Ende. Und zwar jenem von Martin Whitmarsh. 24 Jahre lang war er Teil von McLaren und von 2009 bis 2013 Teamchef. Nach der schlechtesten Saison in der Geschichte des Rennstalls war seine Zeit vorbei. Ihm folgte mit Ron Dennis ein alter Bekannter und der Vorgänger von Whitmarsh. Der 67-Jährige führte McLaren insgesamt zu zehn Fahrer-WM-Titeln und sieben Konstrukteurs-Meisterschaften. Spätestens nach der verhängnisvollen Spionage-Affäre 2007 hatte sein Image erhebliche Kratzer erlitten. Nun will der erfolgshungrige Brite an die guten, alten Zeiten anschließen. Aber darf er das überhaupt? Wie nach dem Aus von Whitmarsh bekannt wurde, durfte Dennis nur ans Ruder zurück, da er versprochen hatte, Investoren nach Woking zu bringen. Diese kommen angeblich aus China. Aber die Zeit läuft gegen Dennis. Bis Ende Oktober habe er noch Zeit. Konkret geht es um die Anteile der Königsfamilie aus Bahrain, die mit 50 Prozent Mehrheitseigentümer von McLaren ist. Kann Dennis sein Versprechen nicht halten, muss er seinen Sessel wieder räumen, heißt es. Hier kommt Gerhard Berger ins Spiel. Laut "Auto Bild Motorsport" gilt der Österreicher und Ex-McLaren-Pilot als Nachfolge-Kandidat. "Absoluter Blödsinn!", sagt ein McLaren-Sprecher, was noch nichts heißen muss. Berger selbst könne es sich durchaus vorstellen, als starker Mann auf der Kommandobrücke zurück zu kehren. Nur eines ist sicher: Geklärt ist in der Macht-Frage bei McLaren nichts.

THEMA FAHRER: Kommt der Ex?

Er wird doch nicht! Oder doch? Fernando Alonso steht schon seit Beginn der diesjährigen "Silly Season" im Zentrum der Aufmerksamkeit. Gerücht folgte auf Dementi folgte auf Gerücht folgte auf Dementi. Nun wird es wieder unruhig um den Asturier. Denn: Nicht nur das Gesagte überrascht, sondern auch die Art und Weise. Zum ersten Mal bekennt sich Alonso nicht mehr zu Ferrari. Im Rahmen seines ersten Pressetermins in Suzuka lässt er seine Abwanderungsgelüste immer mehr durchklingen. Zwar gibt er die Entscheidung an das Team ab, wenn er sagt: "Wenn es etwas Besseres für Ferrari gibt, dann werde ich mich danach richten." Gleichzeitig schiebt er den Gerüchten, wonach von Red Bull über McLaren bis Lotus alle Teams an ihm interessiert seien, nicht im Geringsten einen Riegel vor. Auch nicht, wenn er von einem Journalisten darauf hingewiesen wird, dass er den Spekulationen mit einer klaren Ansage ein Ende bereiten könnte. "Unterm Strich hat man immer eine Idee, was man tun will. Das ist bei mir der Fall. Ich bin froh, dass ich es mir in der Formel 1 aussuchen kann. Das kann nicht jeder Fahrer von sich behaupten", gibt er - gewohnt selbstbewusst - von sich. Auch mit seinem Ex-Arbeitgeber McLaren habe er keine Probleme mehr - trotz eines unrühmlichen Endes vor Vertragsende und einer Flucht zu Renault. "Ich hatte dort mit niemandem einen Krieg." Na dann.

THEMA MOTOR: Dunkle Schatten

Honda hat zwar ausreichend Erfahrung in der Formel 1, die Hybrid-Antriebe sind aber auch für sie neu. Im Gegensatz zu den anderen Teams steigen die Japaner ohne einem Jahr Erfahrung ein. Aber nicht nur das. Laut "Autosprint" habe man große Probleme bei der Entwicklung der V6-Turbo-Antriebseinheit. So soll der Verbrennungsmotor bis heute nicht auf dem Prüfstand laufen - was bedutet, das man der Entwicklung etwa drei Monate hinterher hinkt. Bisher verbrauche der Motor zu viel Treibstoff und bringe gleichzeitig zu wenig Leistung. Eine unvorteilhafte Kombination. Um das Projekt zu retten, soll man nun das Budget und das Personal deutlich erhöht haben. Da man in Japan in Verzug ist, hat man offenbar auch im Hause McLaren schwer zu kämpfen. Dort wird nämlich der Energierückgewinnungs-Motor entwickelt. Ohne den Verbrennungsmotor von Honda muss man aber das Zusammenspiel der beiden Einheiten mit einem Prototypen testen. Und der soll wenig mit dem Original, das nächstes Jahr zum Einsatz kommen soll, zu tun haben. Abgesehen davon gebe es auch noch grobe Haltbarkeitsprobleme. Von offizieller Seite will man davon nicht viel wissen. Im Juni betonte Teamchef Eric Boullier: "Im Moment denke ich, das alles passt und bis zum ersten Rennen nächstes Jahr funktioniert." Sollte Alonso also wirklich in Woking anheuern wollen, um seinen dritten WM-Titel zu holen, hat er sich vorher hoffentlich genau darüber informiert, worauf er sich einlässt.

THEMA SPONSOREN: Dauersuche

Man sollte meinen, dass sich ein ehemaliges Erfolgsprodukt wie McLaren-Honda gut verkaufen ließe. Es scheint aber nicht so. Lange vor der aktuellen Saison war klar, dass sich der langjährige Titelsponsor "Vodafone" verabschiedet. Lange wurden Fans und die Öffentlichkeit damit vertröstet, dass bald ein neues Logo auf dem Seitenkasten des Boliden auftauchen wird. Letztlich war es in der Testphase die Typenbezeichnung "MP4-29" und später sich ständig wechselnde, kleinere Geldgeber. Gleichzeitig springen weitere Partner ab. Bei "Hugo Boss" ist dies bereits passiert und auch die Whiskey-Marke "Johnnie Walker" soll sich laut "Mirror" verabschieden, da dessen Mutterkonzern Diageo künftig die Formel 1 als Serie sponsern wird. Das Team dementiert diesen Bericht allerdings und behauptet, dass das Engagement der Marke bei der Formel 1 jenes bei McLaren nicht beeinflussen würde. So bleibt derzeit nur darauf zu hoffen, dass Honda genügend Geld mitbringt. Kolportiert werden 127 Millionen Euro, welche die Japaner ins Team pumpen. In punkto Sponsoren befindet man sich wohl in einem Teufelskreis. Denn erst müssen einmal sportliche Erfolge her.

 

Andreas Terler

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen