Mythos mit Startschwierigkeiten

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"Die Zukunft wird großartig, wir werden viel erreichen"

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Eigentlich sollte es eine große Sache werden. Die Rückkehr einer legendären Partnerschaft, einst Inbegriff der Dominanz.

Doch McLaren-Honda steht vor dem Formel-1-Saisonstart als großes Sorgenkind da.

Statt mit Aufbruchsstimmung ob der Chance, den Abwärtstrend der letzten Jahre zu stoppen, geht das britische Team mit Bauchschmerzen in die ersten Grand Prix 2015 in Australien.

Kein Start nach Wunsch

Besonders an der Standfestigkeit hapert es. Die ersten Ausfahrten endeten nach wenigen Runden, ernsthafte Longruns oder konkurrenzfähige Zeiten waren die Ausnahme.

Besonders schlimm daran: Die Probleme traten an allen Ecken und Enden auf. Sprach man anfangs noch von Kinderkrankheiten, konnte man die Probleme bald nicht mehr zählen.

"Wir haben gar nicht erwartet, jedes Mal 100 Runden zu drehen. Aber wir sind nicht so viel gefahren, wie wir wollten, und das schadet der Entwicklung natürlich", räumte auch Renndirektor Eric Boullier zum Abschluss der Tests ein, nicht ohne auf die gute Miene zu verzichten: "Es ist weder negativ noch enttäuschend… Alle Systeme am Motor arbeiten. Das Paket ist besser, als es scheint. Es läuft alles nach Plan."

Dass dem so ist, darf angezweifelt werden.

Frühe Beschwichtigung

Denn war der Tenor vor den Probegalopps noch ein optimistischer, ist man kleinlaut geworden. "Beim ersten Rennen wollen wir ins Ziel kommen. Das wäre ein großer Schritt für diese Technologie", so Boullier.

Ähnlich vorsichtig formulierte es Honda-Motorsportchef Yasuhisa Arai: "Die Wintertests haben sich sehr kurz angefühlt. Wir hatten nicht genug Zeit zu testen, wie unsere Power Unit auf der Strecke funktioniert".

Im Nachsatz erklärte er den Saisonstart zur Probierphase: "Wir brauchen einfach nur etwas mehr Übung und Zeit für Checks." Ähnliche Wünsche, wie man sie aus sämtlichen Lagern vor genau einem Jahr vernahm.

Einziger Werksteam-Sieg Budapest 2006

Honda gerät nämlich durch den "verspäteten" Einstieg unfreiwillig zum Versuchskaninchen für das aktuelle Motorenkonzept als Ganzes. Dessen Ziel war auch, die Serie durch Kostensenkungen und kommerziell relevante Technologie für neue Hersteller attraktiver zu machen.

So kann ein allzu steiniger Weg in die Konkurrenzfähigkeit Einstiegsüberlegungen anderer Firmen im Keim ersticken. Die Königsklasse ist schließlich Image-Sache. Und wo sich Sport und Business treffen, steht viel Geld auf dem Spiel.

Zu viel Vorsicht macht stutzig

Ausdruck dieser Überforderung ist die Posse rund um den Unfall von Fernando Alonso. Als der Verdacht laut wurde, man wolle eine mögliche technische Ursache vertuschen, machte man in der Kommunikation schwere Fehler.

"Ich verstehe, warum mich die Presse wegen der Ungenauigkeiten angegriffen hat. Ich wollte ehrlich sein und habe versagt. Aber ich will in Zukunft so ehrlich wie möglich sein", sagte ein reumütiger Teamchef Ron Dennis gegenüber "pitpass.com".

Apropos Alonso: Wenigstens dessen Ausfall sollte in der schwierigen Anfangsphase nicht weiter ins Gewicht fallen. Und nach der Rückkehr des Doppelweltmeisters hat McLaren das erfahrenste Fahrerduo – kein unwesentlicher Faktor bei der Weiterentwicklung.

Aber dass man mit dem Rest des Autos total danebengegriffen hat, erscheint ohnehin unwahrscheinlich. "Ich habe das Gefühl, dass das Chassis eigentlich recht gut ist. Sie konnten es bisher nur nicht zeigen", ist "Sky"-Experte Martin Brundle überzeugt.

Jenson Button schwärmt vom Fahrgefühl und hat den Optimismus nicht fallen lassen: "Das Auto ist eine solide Basis und macht mich zuversichtlich. Es wird in der Zukunft großartig, wir werden viel erreichen. Davor ist Arbeit nötig. Aber die Entschlossenheit von Honda beeindruckt mich."

Geduld als Schlüsselwort

Die Wahrheit liegt wohl, wie immer, in der Mitte. Man wird Silber 2015 an beiden Enden des Feldes finden. Der Entwicklungsrückstand ist in dieser Saison schon von Reglementseite nicht zu schließen, zumal das Team auf sich allein gestellt ist.

"Etwa dann, wenn die Rennen in Europa losgehen, sollten wir schon konkurrenzfähiger sein", will sich Eric Boullier damit nicht abfinden.

Ziel muss jedoch sein, eine gute Basis zu legen. McLaren kann weltmeisterliche Autos, Honda weltmeisterliche Motoren bauen. Das Problem ist nur ein temporäres, die zentrale Frage jene nach dem Zeitrahmen, den die japanischen Konzernbosse einräumen.

Denn während der Selbstfindungsphase präsentiert man sich nach außen nicht von der gewünschten Seite. Ein negatives Bild, das sich weder Honda im Werben um Kunden, noch der Sport in Zeiten der latenten Krise leisten kann.

So ist die selbstbezogene Einschätzung von Jenson Button als Mut zusprechender Appell an alle zu verstehen: "Wir brauchen nur Geduld."

 

Johannes Bauer

Dejá-vù auf Mikro-Ebene

Man fühlt sich im kleinen Rahmen wirklich an die damalige Situation erinnert, als nach den Jungfernfahrten der V6-Turboaggregate kollektive Ratlosigkeit herrschte. Eigentlich eine gute Nachricht, sollten anschließend klare Hackordnungen, aber keine Ausfallsorgien folgen.

Tatsächlich dürfte an dieser Einschätzung etwas dran sein. Man beginnt dort, wo alle anderen 2014 standen. Auch die 1.751 Kilometer, auf die man während der Testeinsätze kam, entsprechen den Vergleichswerten.

Das Problem: Man hätte die Zwischenzeit nutzen und aus Fehlern der Mitbewerber lernen müssen. Die kluge Voraussicht, nicht zum Teil der Vorhut zu werden, die der Technikrevolution ins offene Messer läuft, geht nach hinten los. Jetzt ziehen die eigenen Probleme noch mehr Aufmerksamkeit auf sich.

Und in der Zwischenzeit drehen alle anderen munter ihre Runden. Bei den Tests etwa dreimal so viele.

Honda als abschreckendes Beispiel?

Die realistische Einschätzung wird sein, im ersten Halbjahr nackte Zielankünfte als Erfolge verbuchen zu müssen. Das war nicht der Plan, als man das Revival der namhaften Ehe anno 2013 ausrief.

Im Hause Honda nahm man den erneuten Anlauf in der Hoffnung, durch das junge Reglement schnell und günstig an die Spitze zu gelangen. Das einstige, mäßig erfolgreiche Werksteam verabschiedete sich Ende 2008 schließlich aus Kostengründen.

So herrschen entsprechend hohe Erwartungen, die Zeitdruck mit sich bringen. Man will schnelle Ergebnisse, Lehrjahre sind Gift für das Markenimage. Das könnte negative Auswirkungen auf die ganze Formel 1 haben.

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