Alles für die Show

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Der Höhepunkt im Spielberger Jahreskreis nähert sich in Riesenschritten.

Von 19. Bis 21. Juni liegt der Nabel der Motorsport-Welt in der gut 5.000 Einwohner zählenden Gemeinde im Murtal. Die Formel 1 ist zu Gast.

Ein Sport, der sich seit geraumer Zeit auf einem mühevollen Selbstfindungs-Trip befindet, aber nach wie vor die Massen erreicht.

95.000 Besucher zählte der Red Bull Ring im Jahr 2014 am Rennsonntag. Eine Zahl, die in diesem Jahr nicht zu schaffen sein wird. Mit etwa 60.000 Fans wird, so hört man, gerechnet.

Der Zirkus bleibt heuer länger

Zu sehen gibt es in diesem Jahr aber mehr. Unmittelbar nach dem Rennwochenende finden die zweiten Testfahrten unter der Saison statt, zu denen man mit einem Wochenend-Ticket freien Eintritt hat. Mit einer Karte für die Tage vor dem Rennen (18./19. 6.) kann man noch dazu einen Freund oder eine Freundin umsonst an den Ring mitnehmen.

An Ideen und Konzepten scheitert es nicht. Das beweist auch das Rahmenprogramm. Von Konzerten (Tagträumer, The Baseballs, Folkshilfe, Andreas Gabalier) über MotoX-Shows bis hin zur heuer erweiterten Legenden-Parade ist wieder jede Menge los.

Doch all das Spektakel und die Angebote - also die Show rundherum - hängt noch immer von großen Show namens Formel 1 ab. Und die löst derzeit keine Jubelstürme aus.

Die kritischen Meldungen über Regulativ, Finanzen und dergleichen haben eindeutig die Überhand. Es wird viel geredet, aber wenig beschlossen.

Dem Sport fehlt das Spektakel

Erst ab 2017, so kündigte es die sogenannten Strategie-Gruppe an, wird eine Regel-Revolution erwartet. Neue Aerodynamik, breitere Reifen, weniger Gewicht und auch Tank-Stopps sollen wieder eingeführt werden.

Auf welch wackligen Beinen diese Maßnahmen aber stehen, zeigen die Bedenken, die gerade beim letztgenannten Punkt sofort geäußert wurden. Kurzum: Fix ix nix. Entscheidungsgewalt hat die Strategie-Gruppe als unterstes F1-Gremium nämlich keine. Beim wesentlichen Faktor Budget-Obergrenze gibt es weiterhin keine konkrete Lösung.

Die Forderungen der Verantwortlichen bleiben indes die Gleichen. "Man muss das Ganze wieder spektakulärer machen. Natürlich gehören da auch eine entsprechende PS-Zahl und eine entsprechende Dezibelzahl dazu", meint Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko.

Fahrer Herkunft Auto Jahr
Gerhard Berger Österreich Ferrari F1-87/88c 1988
Niki Lauda Österreich McLaren 1984
Jean Alesi Frankreich Sauber C14 1995
Alain Prost Frankreich McLaren MP4/2b 1985
Pierluigi Maritni Italien Minardi M186-01 1986
Christian Danner Deutschland Zakspeed 871/03 1987
Ricardo Patrese Italien Renault RE50-03 1984
Nelson Piquet Brasilien Brabham BT52 1983

Deutliche Worte findet auch Sebastian Vettel, der im Vorjahr - noch im Dienste von Red Bull Racing - ein Horror-Wochenende in der Obersteiermark erlebte.

Er streicht einmal mehr die Komplexität des Regulativs als großen Minuspunkt hervor: "Wie soll jemand noch richtig durchblicken, der sich nicht sieben Tage die Woche mit der Formel 1 beschäftigt, wie ich das tue?", fragt sich der viermaliger Weltmeister in der "SportBild". 

Was sagt der Fan?

Die Mitglieder der GPDA (Grand Prix Drivers Association) rund um Boss Alexander Wurz haben aus diesem Grund eine Online-Umfrage unter Fans durchgeführt. Noch lassen die Ergebnisse auf sich warten.

"Es muss sehr interessant sein für die Strippenzieher der Formel 1 zu erfahren, was nicht passt. Und zu verstehen: Wie tickt der Fan?", glaubt Vettel.

"Wo schläft der Fan?" - diese Frage stellt sich auch heuer wieder am Red Bull Ring. Obwohl man die geringeren Kartenverkäufe registriert hat, kann sich die Tourismus-Region nicht beschweren.

Infrastruktur-Maßnahmen im Camping-Areal

"Das macht für uns fast keinen Unterschied", sagt Manuela Machner, Geschäftsführerin vom "Tourismus am Spielberg" im Gespräch mit LAOLA1. Die Hotels sind ausgebucht, dafür gibt es im Camping-Bereich noch jede Menge Platz. Hierfür wurde auch noch einmal in Infrastruktur (Toiletten, Waschmöglichkeiten, etc.) investiert.

Ziel sei es, die Gäste aber länger in der Region zu halten. Dafür gebe es verschiedene Aktionen, um darauf hinzuweisen, was die Gegend rund um den Red Bull Ring abgesehen vom Motorsport-Spektakel zu bieten hat.

Die über das "Projekt Werkberg" im Vorjahr durchgeführte Aktion, über die Bewohner der Region um finanzielle Unterstützung für Verschönerungsarbeiten an ihren eigenen vier Wänden ansuchen konnten, gibt es heuer nicht mehr.

Wie viele Fans auch immer an die Rennstrecke pilgern werden, sie alle werden auf etwas mehr Dramatik als zuletzt hoffen. Der Grand Prix von Kanada in Montreal war nicht unbedingt ein "Anheizer" für Spielberg. "Wir haben eine unglaubliche Dominanz von Mercedes. Das nimmt die Spannung heraus", sagt Marko.

Mercedes soll den Sport voranbringen? "Machen wir doch!"

Mercedes-Aufsichtrsatsvorsitzender Niki Lauda hält dagegen: "Ich bin nicht für die Politik verantwortlich. Gemeinsam mit Toto (Wolff, Anm.) bin ich hier, um das Team professionell und erfolgreich zu führen. Darum bin ich da, und für nichts anderes."

Anregungen, wonach auch die Silberpfeile dafür verantwortlich wären, Führungsarbeit in puncto Entwicklung der Formel 1 zu übernehmen, schmettert Lauda ab: "Das machen wir doch. Wir gewinnen Rennen für euch."

Das mangelnde Zuschauer-Interesse will er ebenso nicht wahr haben: "Schaut euch die Kanadier an - zwölf Prozent mehr Leute sind zu diesem sogenannten faden Sport gekommen. Diese Leute sind verrückt!"

Eine Einstellung, die er auch seinen Landsleuten nahe legt: "Ich habe schon im österreichischen Fernsehen gesagt: Ihr verrückten Österrericher, denkt wie die Kanadier und kommt alle nach Spielberg!"

"Niki Nationale" hat gesprochen. Wer sich jetzt angesprochen fühlt: Alle Informationen gibt es HIER.

 

Andreas Terler

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