Ricciardo und Red Bull zu Risiko gezwungen

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Der Vorjahresgewinner wird am Sonntag (20.00 Uhr MESZ) in Montreal nicht um den Sieg mitfahren. Daniel Ricciardo hatte 2014 in Kanada seinen ersten Formel-1-Grand-Prix gewonnen.

Die Formkurve seines Teams Red Bull Racing zeigt mit den Rängen vier und fünf zuletzt in Monaco zwar nach oben. Montreal gilt aber als Power-Strecke, auf der der Motorennachteil wieder stärker zum Tragen kommen dürfte.

Ricciardo will dem mit dem nötigen Risiko begegnen. Der Fahrer kann auf dem Circuit Gilles Villeneuve mit seinen nahen Betonmauern einen Unterschied ausmachen.

"Einige werden auf Nummer sicher gehen und eine halbe Zehntelsekunde opfern, um sauber durchzukommen", erklärte der Australier. "Andere werden riskieren und Vollgas geben. Je näher du bist, desto schneller bist du."

Tanz auf der Rasierklinge

Ein leichter Kuss an der Mauer fühle sich gut an. "Küsst man sie aber zu hart, dann war es das", schilderte Ricciardo den Tanz auf der Rasierklinge, den er im Vorjahr knapp vor Mercedes-Pilot Nico Rosberg für sich entschieden hatte.

Der 25-Jährige liebt Montreal aber nicht erst seit seinem Premierentriumph. "Es macht einfach unglaublich viel Spaß. Man kann über die Randsteine hüpfen, das Auto hin und herbewegen. Es ist wie früher im Go-Kart, wo du das Gefühl hast, alles in der Hand zu haben - das liebe ich."

Dazu kommt die einzigartige Atmosphäre in der Metropole am Sankt-Lorenz-Strom, in der die Formel 1 seit 1978 begeistert empfangen wird.

Mehr als 100.000 Zuschauer hatten Ricciardo im Vorjahr auf der Ile Notre Dame bejubelt. Für den Sonnyboy aus Perth war es der endgültige Durchbruch, der erste von drei Saisonsiegen. Selbst Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel, mittlerweile zu Ferrari abgewandert, stellte er im vergangenen Jahr in den Schatten.

Updates bei Renault

2015 läuft es aber auch für Ricciardo noch nicht wirklich rund. Der Australier landete zwar in allen sechs bisherigen Saisonrennen in den Punkterängen, war aber noch nie besser als Fünfter.

Ob der Schwierigkeiten bei Motorenpartner Renault ist selbst dem sonst so gut aufgelegten "Honigdachs" bereits das eine oder andere Mal das Lachen vergangen.

Renault hat für Kanada ein signifikantes Update angekündigt, mit dem zumindest die Standfestigkeitsprobleme behoben sein sollen. Ein Leistungssprung wird aber nicht vor August erwartet.

Dazu entspricht auch das Chassis nicht den hohen Erwartungen der vergangenen Jahre, als Red Bull mit Vettel die WM dominiert hatte. "Es ist ein gutes Auto, aber nicht das, das wir uns erhofft haben", sagte Ricciardo zuletzt in Monaco.

Absichtlicher Motorenwechsel?

Und dann wäre da noch das Damoklesschwert des nächsten Motorenwechsels. Ricciardo hat wie Teamkollege Daniil Kwjat bereits den vierten Verbrennungsmotor im Auto. Jeder weitere Komponentenwechsel hätte laut Reglement eine Rückversetzung um zehn Startplätze zur Folge.

Die Strafe scheint unausweichlich, ist doch erst ein Drittel der Saison absolviert. Red Bull denkt daher laut Teamchef Christian Horner sogar darüber nach, sie in Montreal absichtlich hinzunehmen, weil das Überholen auf der Vollgas-Strecke mit ihren harten Bremspunkten einfacher ist.

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