Berger für "diktatorische" F1

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"Die Formel 1 muss diktatorisch geführt werden"

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Ex-Pilot Gerhard Berger hat angesichts leicht rückläufigen Zuschauerinteresses die langen Entscheidungswege in der Formel 1 kritisiert.

"Die Formel 1 muss von einem Profi diktatorisch geführt werden", meinte der Tiroler am Rande des Grand Prix von Spanien im Gespräch mit der APA. Bernie Ecclestone sei dafür trotz seiner 84 Jahre nach wie vor der kompetenteste Mann.

Derzeit herrscht in der Königsklasse eine Gewaltentrennung zwischen dem Automobil-Weltverband (FIA), dem F1-Management von Ecclestone (FOM) und den Teams.

Zweifel an Strategie-Meetings

Dadurch werden laut Berger dringend notwendige Reformen verhindert. "Die sind sich nie einig, weil jeder nur seine eigenen Interessen im Sinn hat", erklärte der frühere Teambesitzer. "Dabei schreien der Sport und der Fan nach Verbesserungen."

Für Donnerstag ist in London ein Meeting der F1-Strategiegruppe angesetzt, in dem die Weichen für die Zukunft gestellt werden sollen.

In dem Gremium sind alle drei Interessengruppen vertreten, große Erwartungen hat Berger dennoch nicht. "Es ist schon lange her, dass in einem Strategie-Meeting eine ordentliche Entscheidung herausgekommen ist", erinnerte der 55-Jährige.

"Bernie hat das sehr gut gemacht"

Dabei mangle es nicht an Ideen, sondern am Entscheidungsprozess. "Es gibt starken Verbesserungsbedarf. Aber einer muss die Entscheidungen treffen. Bernie hat das in der Vergangenheit sehr gut gemacht. Er muss versuchen, das Heft zurück in seine Hand zu bekommen", meinte Berger.

Eine Nachfolge-Debatte für den seit den 70er-Jahren amtierenden Geschäftsführer stelle sich nicht. Berger betonte einmal mehr, kein Interesse an einem F1-Job zu haben.

Die Königsklasse kämpft in einigen wichtigen Märkten mit rückläufigen TV-Quoten. Dazu musste der Grand Prix von Deutschland dieses Jahr abgesagt werden, weil er nicht mehr finanzierbar war.

Auch andere Traditionsrennen wie etwa Monza könnten in den kommenden Jahren gestrichen werden, hatte Ecclestone zuletzt angedeutet. Selbst der Österreich-GP in Spielberg (21. Juni) klagt über einen deutlich schwächeren Ticketverkauf als im Vorjahr.

Berger glaubt nicht an Red-Bull-Umschwung

Größere Probleme hat Veranstalter Red Bull aber auf der Rennstrecke. Motorenpartner Renault hinkt bei den komplizierten Hybrid-Antrieben dem neuen Branchenführer Mercedes hinterher.

"Renault könnte nur mit einem Rieseninvestment eine Aufholjagd starten. Ich bezweifle aber, dass sie das tun", sagte Berger. Die Lage sei für die Bullen daher besonders schwierig. "Denn sie haben es nicht in der eigenen Hand."

Dabei wäre das Team, von 2010 bis 2013 viermal in Serie Weltmeister, an sich gut aufgestellt. Berger: "Die Tragik ist, dass es auf der Motorenseite keine wirklichen Alternativen gibt."

Bei Mercedes oder Honda wäre Red Bull als Kundenteam wohl jeweils nur die Nummer zwei. Auch in diesem Zusammenhang sieht Berger Ecclestone und FIA-Präsident Jean Todt in der Pflicht.

"Sie müssen dafür sorgen, dass solche Teams mit konkurrenzfähigen Motoren ausgestattet werden können. Sonst macht es für sie keinen Sinn."

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