Sergio Perez: Ein Youngster auf der Überholspur

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Nirgendwo wurde am Sonntag in Sepang so emotional gefeiert wie beim kleinen F1-Team von Peter Sauber.

Sergio Perez holte mit Rang zwei das zweitbeste Resultat in der Geschichte des Schweizer Rennstalls (Kubicas Sieg in Kanada 2008 wurde für das unter deutscher Flagge gestartete Werks-Team BMW-Sauber erzielt, zählt in der offiziellen Statistik aber für Sauber).

"Das ist für die Mannschaft ein gigantischer Erfolg. Aber ich muss gestehen: So etwas strapaziert die Nerven", sagte Teamchef Peter Sauber nach dem Rennen.

Schneller als alle Anderen

Sergio Perez - ein Name, den seit Sonntag die breite Weltöffentlichkeit kennt. Der Mexikaner überzeugte mit tollen 56 Runden in Sepang.

In der zweiten Rennhälfte war der 22-Jährige der schnellste Pilot im mit sechs Weltmeistern gespickten Feld. Die schnellsten Rennrunden purzelten nur so.

"Rundenlang war er Schnellster insgesamt. Sergio fuhr absolut grossartig und wuchs förmlich über sich hinaus", schwärmte Sauber.

Den Sieg vor Augen

Dennoch war die Leistung des jungen Mexikaners nicht makellos. Mit einem Ausritt in der 50. Runde machte er sich die Chancen auf den Sensationssieg selbst zunichte.

"Es war nicht einfach, ich bin von der Strecke abgekommen und habe einen Randstein getroffen. Ich hatte Glück, nicht abzufliegen", gab Perez nach dem Rennen zu Protokoll.

"Zwei Mal im Rennen habe ich zu Fernando (Alonso) aufgeschlossen! Es war heute unheimlich schwierig, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen." Bei Perez überwog dennoch die Freude: "Das ist ein grossartiger Tag für mich."

Rascher Aufstieg

Dabei hatte seine Formel-1-Karriere mit einem leicht bitteren Beigeschmack begonnen. Durch den Einstieg von Carlos Slims Telmex-Konzern hatte der Aufstieg des GP2-Zweiten von 2010 einen Hauch von Pay-Driver.

Doch schon beim Debüt in Melbourne überzeugte er Kritiker mit einer furiosen Fahrt zu Rang sieben. Aufgrund eines Aerodynamik-Verstoßes bei seinem Sauber wurde ihm dieser aber nachträglich aberkannt.

Fünf Rennen später sorgte er durch seinen Abflug in Monte Carlo für den Schocker des GP-Wochenendes.

Horror-Abflug in Monaco

Ein Aufenthalt im Krankenhaus und eine Zwangspause für den Monaco- und den Kanada-GP waren die Folge. Aus der Bahn werfen, ließ sich der damals 21-Jährige vom schlimmsten Crash des Jahres aber keinesfalls.

Beim Comeback in Valencia schon Elfter, holte er ein Rennen später in Silverstone mit Rang sieben sein bis Sonntag bestes Ergebnis.

Rang zwei gibt Auftrieb für die kommenden Aufgaben. "Es war erst das zweite Rennen 2012, und ich denke, vor uns liegt eine grandiose Saison", gab sich Perez optimistisch.

"Unser Auto ist nicht allzu weit weg von der Spitze, und unter solchen Bedingungen wie heute können eine gute Crew und der Fahrer auch einen Unterschied machen."

Gerüchte über Ferrari-Wechsel

Ob er diese Saison im Schweizer Rennstall beenden wird, ist nicht klar. Gerüchten zufolge hat Ferrari bereits seine Fühler ausgestreckt um Felipe Massa vor die Tür setzen zu können.

"Monisha Kaltenborn (Geschäftsführerin bei Sauber; Anm.) hat mir gesagt, dass einige Ferrari-Mitarbeiter auf sie zugekommen sind, um über Sergio zu sprechen", verrät Perez' Vater Antonio.

"Sergio kennt die Aussagen von Ferrari nicht. Ich denke schon, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist. Aber wir sollten geduldig sein und abwarten was passiert anstatt Sergio von dem abzulenken, was er im Moment tut", so der Mexikaner weiter.

Ein Sprungbrett namens Sauber

Perez zählt seit 2010 zur "Ferrari Young Driver Academy", wodurch er beste Kontakte nach Maranello unterhält.

Über den kleinen Sauber-Rennstall zu einer großen Karriere? Das gelang bereits einigen Top-Piloten.

Mit Kimi Räikkönen, Felipe Massa und Heinz-Harald Frentzen fuhren drei spätere GP-Sieger ihr erstes Formel-1-Rennen für das Schweizer Team.

Michael Höller

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