15 Jahre nach dem letzten Österreicher-Sieg

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Am kommenden Freitag ist es 15 Jahre her, dass Gerhard Berger für den bisher letzten Sieg eines Österreichers in der Formel 1 gesorgt hat.

Am 27. Juli 1997 fuhr der Tiroler unter ganz besonderen Umständen auf dem Hockenheimring zu seinem zehnten und letzten GP-Sieg in der Motorsport-Königsklasse. Drei Monate später beendete der Tiroler mit einem weiteren fulminanten Rennen in Jerez nach 210 GP-Rennen seine Karriere.

Besonderer Sieg

Bergers zweiter Hockenheim-Sieg, damals im Benetton, war deshalb so besonders, weil Berger bereits 37 Jahre alt war, in diesem Jahr krankheitsbedingt mehrere Rennen hatte auslassen müssen und unmittelbar vor Hockenheim sein Vater bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen war.

Für viele fuhr der Tiroler damals dennoch - Pole und schnellste Rennrunde inklusive - sein vielleicht bestes Rennen überhaupt.

"Auch für mich sind die Erinnerungen an dieses Rennen immer noch frisch, weil es unter so besonderen Umständen stattfand", kommt es auch Berger so vor, als ob Hockenheim erst gestern gewesen wäre. "Wohl auch deshalb, weil mich die Menschen immer wieder darauf ansprechen."

Kein Nachfolger in Sicht

Der 52-jährige sieht deshalb aber keinen Grund, sein kleines "Jubiläum" zu zelebrieren. Vielmehr verbringt er die Woche zwischen Hockenheim und Budapest beim weltgrößten Harley-Treffen in Sturgis in den USA.

Einen rot-weiß-roten Nachfolger sieht Berger in unmittelbarer Bälde nicht. Er selbst wurde 1997 durch Alexander Wurz ersetzt, der im folgenden Jahrzehnt für drei weitere Podestplätze sorgte, aber keinen Sieg mehr schaffte.

2005 fuhren mit Wurz, Christian Klien und Patrick Friesacher noch gleich drei Österreicher in der Formel 1, seit Kliens HRT-Start am 14. November 2010 in Abu Dhabi geht die WM aber ohne rot-weiß-rote Fahrer in Szene. Berger: "In Österreich sehe ich derzeit auch keinen wie etwa Sebastian Vettel, von dem man mit Sicherheit sagen kann, dass es was wird."

Kaum Förderung in Österreich

Warum Österreicher mittlerweile zwar mehr denn je Führungsrollen in der Formel 1 innehaben, auf dem Fahrersektor aber derzeit gar nicht aufscheinen, hat für Berger auch etwas mit der Motorsport-Förderung zu tun.

"Es ist auch ein Kreislauf. Gibt es einen Formel-1-Star, kommt Euphorie auf. Die Eltern gehen mit ihren Kindern auf die Kart-Strecken. Umgekehrt schläft alles ein."

Dass Red Bull mit seinem Junior-Team, dem auch Vettel entstammt, die erste Förderadresse ist, weiß man. "Dort ist man aber eher international aufgestellt", sieht Berger keine guten Karten für seine aktuellen Landsleute.

Umgekehrt ist der einstige Toro-Rosso-Teamchef überzeugt: "Wenn ein Österreicher eine wirklich professionelle Visitenkarte abgibt, wird er ganz schnell bei Red Bull unterkommen."

Dass sein 18-jähriger Neffe Lucas Auer - wie Rene Binder derzeit im deutschen Formel-3-Cup - durchaus erfolgreich am Weg zu sein scheint, sei mit Vorsicht zu genießen. "Die Jungen müssen sich erst Mal in der Höhle des Löwen beweisen, in der EM oder bei Rennen wie Macao gewinnen", betonte Berger. "Bis dahin sollte man den Ball besser flach halten."

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