"Peugeot-Ausstieg ein Schock"

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Klien: "Peugeot-Ausstieg ein Schock"

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Formel 1 ade! Christian Klien musste sich im Vorjahr schweren Herzens von seinem Lebenstraum verabschieden und backt nun kleinere Brötchen.

In wenigen Tagen (7. Februar) feiert der Vorarlberger seinen 29. Geburtstag, seine motorsportliche Zukunft ist aber noch ungewiss. Le Mans, Tourenwagen oder doch ein Abenteuer in Australien?

Im Rahmen der "RacingShow" in Vösendorf stand Christian Klien LAOLA1 Rede und Antwort:

LAOLA1: Christian, du startest Ende Februar bei den 12 Stunden von Bathurst in die neue Saison. Wo werden wir dich heuer noch Rennen fahren sehen?

Klien: Wir konnten leider noch nichts fixieren. Wir sind gerade in Gesprächen mit Teams aus verschiedenen Rennserien. Mit Peugeot (Werks-Einsatz in der Langstrecken-WM; Anm.) waren wir leider schon recht weit, bevor sie die Reißleine gezogen haben.

LAOLA1: Du bist ja im Herbst schon ein Rennen in Australien gefahren. Ist Down Under eine der Optionen, die derzeit am Tisch liegen?

Klien: Das ist sicher eine Sache, die man ins Auge fassen muss. Im Vorjahr bin ich das erste Mal mit den dortigen V8 Supercars gefahren. Die Rennserie ist richtig gut und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, dort zu fahren, weil du richtig gut überholen kannst und es harte Fights gibt. Es ist sicher eine Option, aber nicht mehr für diese Saison, denn dort geht es Anfang März bereits los.

LAOLA1: Die Formel 1 hat im vergangenen Jahr jede Menge Neuerungen eingeführt. Wie hat dir die Renn-Action in der vergangenen Saison gefallen?

Klien: Mir hat es sehr gut gefallen. Es hat so viele Überholmanöver gegeben, wie schon lange nicht mehr. DRS hat sicher geholfen, aber auch die neuen Pirelli-Reifen, wegen denen man völlig neue Strategien einsetzen musste. Generell sind die Rennen spannender geworden und ich hoffe, dass es auch in diesem Jahr so bleibt.

LAOLA1: Red Bull Racing war im Endeffekt der Konkurrenz aber immer ein bis zwei Schritte voraus. Wird man den Vorsprung in diesem Ausmaß für die neue Saison mit neuem Auto konservieren können?

Klien: Das Auto war Ende der Saison immer noch das schnellste im gesamten Feld. Diesen Vorsprung bringen sie zum Teil sicher ins neue Jahr mit, da sich das Reglement für das Fahrzeugdesign ja nicht dramatisch ändert. Red Bull ist mit Sicherheit wieder auf einem exzellenten Level. Es ist über den Winter nur die Frage, wie sehr die anderen Teams aufholen können. McLaren, Ferrari und Mercedes haben noch Luft nach oben. Die haben sich wohl einiges vom alten Red-Bull-Boliden abgeschaut. Die ersten Tests werden Aufschluss darüber geben, wer wo liegt.

LAOLA1: Mercedes wird den ersten Test in Jerez auslassen und erst Mitte Februar einsteigen. Deutet das darauf hin, dass es bei den Silberpfeilen Probleme gibt?

Klien: Das muss nicht unbedingt der Fall sein. Womöglich haben sie ein komplett neues Konzept entwickelt, das etwas mehr Zeit braucht. Red Bull hat den neuen Boliden mit Sicherheit auf der Basis des Vorgängers gebaut. Da ist man natürlich schneller fertig.

LAOLA1: Wer ist für dich momentan der kompletteste Fahrer im gesamten Feld?

Klien: Für mich nach wie vor Fernando Alonso. Er vereint alle Eigenschaften, die es benötigt. Er ist letztes Jahr mit dem Ferrari in einem unterlegenen Auto extrem gute Rennen gefahren.

LAOLA1: Du hast eingangs erwähnt, dass du mit Peugeot über ein Comeback gesprochen hast. Nun haben die Franzosen aber ihr Le-Mans-Projekt überraschend eingestampft und damit auch der neuen Langstrecken-WM (WEC) einen herben Schlag versetzt. Wie siehst du diesen Ausstieg?

Klien: Das war für alle ein Schock. Teamintern haben zwar alle gewusst, dass sie die Entscheidung vom Vorstand Mitte Jänner abwarten müssen. Es dachten aber alle, dass es eher darum ginge, ob man mit zwei, drei oder vier Autos antritt. Dass sie dann komplett aussteigen, war für alle ein Schock. Auch für die Langstrecken-WM, denn jetzt steht Audi als einziges großes Werksteam quasi alleine da. Toyota wird wohl erst nächstes Jahr richtig konkurrenzfähig sein und Porsche kommt ja erst 2014.

LAOLA1: Das Peugeot-Argument der zu hohen Kosten ist aber nur zum Teil nachvollziehbar. Das Auto für Le Mans muss ja schon fix fertig in der Garage gestanden haben.

Klien: Klar war das Auto schon fertig und wurde auch schon im November und Dezember gefahren. Es war einsatzbereit und mit hoher Wahrscheinlichkeit siegfähig. Es muss aber wohl irgendwelche dramatische Gründe gegeben haben, über die ich aber nicht einmal mutmaßen kann.

LAOLA1: Im Vorjahr warst du bei Aston Martin in ein sehr schwieriges Projekt involviert, das letztlich an den technischen Belangen gescheitert ist. Wie sieht dein Resümee des letzten Jahres aus?

Klien: Es war ein schlechtes Jahr! Die Ausgangslage bei Aston Martin hat eigentlich sehr vielversprechend ausgeschaut. Aber in Le Mans hat man gesehen, dass die Anlaufzeit zu kurz war. Sie haben erst acht Monate vor dem Rennen angefangen, das Auto zu bauen. Peugeot hat rund einenhalb Jahre für den ersten Prototyp gebraucht.

LAOLA1: Was hältst du von der Wiedereinführung der Langstrecken-WM?

Klien: Ich finde es gut, weil die Rennen sehr spannend sind. Für die großen Werke ist das sicher eine attraktive Sache. Mit Audi, Toyota, Porsche und vielleicht auch irgendwann Honda, bekommt die Serie schon sehr viel Prestige. Zum Fahren macht es Riesenspaß. Mittlerweile muss man dort ohnehin pushen wie in der Formel 1, weil die Teams an der Spitze sehr eng zusammen liegen.

LAOLA1: Was traust du Toyota zu? Mit welchen Problemen muss man in so einer Debüt-Saison rechnen?

Klien: Sie gehen es recht gut an. Sie starten langsam in die Saison, wollten ja ursprünglich auch nur mit einem Auto antreten. Jetzt haben sie auf Nachhaken der ACO (Veranstalter der "24 Stunden von Le Mans" , Anm.) doch zwei am Start. Das Auto schaut auf den ersten Bildern optisch sehr ansprechend aus. Sie haben auch sicher die Erfahrung und den nötigen Rückhalt im Konzern, damit sie konkurrenzfähig sein können. Das Problem ist nur, dass es vom Reglement her noch nicht richtig funktioniert Diesel und Benziner auf einem Niveau zu halten.

Das Interview führte Michael Höller

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