"Archknapp" am WM-Titel vorbei

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Es sind bittere Tränen.

Miriam Höller hat Mühe, ihren Freund Hannes Arch zu trösten.

Der gebürtige Steirer hat soeben die Chance auf seinen zweiten WM-Titel in der Red Bull Air Race-Serie vertan. Und das ausgerechnet in Spielberg, über heimischem Boden.

Der 47-Jährige, der mit fünf Punkten Rückstand auf Leader Nigel Lamb zur achten und letzten Saison-Station gekommen ist, hat es im Entscheidungslauf selbst in der Hand. Eine Bestätigung seiner Top-Zeiten an diesem Wochenende würde genügen, um mit einem Sieg und dem gleichzeitigen dritten Platz Lambs noch am Briten vorbeizuziehen.

Doch es will nicht sein. Arch sucht im Final 4 vergeblich jene Linie, mit der er die Konkurrenz in Spielberg davor in Grund und Boden flog. Eine Zwei-Sekunden-Strafe für unkorrektes Passieren eines Tores befördert ihn mit einer Endzeit von 59,839 Sekunden endgültig auf den vierten Platz. Während der Sieg an den Franzosen Nicolas Ivanoff (57,468) geht, der als Lucky Loser gerade noch den Sprung in die Top 8 geschafft hat, genügt Lamb (58,052) der zweite Platz zu seinem ersten Titel.

Freud und Leid (f)liegen eng beisammen

„Ich habe alles versucht, den Titel zu holen. Und im Finale habe ich es wohl etwas zu sehr versucht“, lautet ein erster knapper Kommentar Archs.

„Es war genau, was wir geplant haben: Ein sicherer Lauf, um das Gefühl für die Strecke zu bekommen“, meint ein konzentriert wirkender Lokalmatador nach der ersten Runde.

Die 35.000 Zuschauer demonstrieren ihre Unterstützung mit einer rot-weiß-roten Choreographie, die „Go Hannes“ zeigt. Ein Anblick, der perfekt zum Nationalfeiertag passt. Augen hat Arch jedoch nicht dafür. Zu eng sind seine Scheuklappen im Kurs. „Ich hab es nicht gesehen, nur gefühlt.“

Prominentes Opfer der Top-12-Ausscheidung ist Matthias Dolderer. Ein schwacher Run („Ich habe den Groove nicht gefunden“) sowie zwei Strafsekunden lassen den deutschen Quali-Zweiten an Pete McLeod (CAN) scheitern.

Bonhomme fliegt raus

In den Super 8 verabschiedet sich mit Paul Bonhomme der erste der drei verbliebenen Titel-Kandidaten aus dem WM-Rennen. Der Brite schrammt mit mäßigen 58,119 um knapp vier Zehntel am Finale der besten Vier vorbei.

Nach dem Aus zieht Bonhomme eine zwiespältige Saisonbilanz. Anstatt sich über das Abschneiden in Spielberg groß zu ärgern, verweist er auf frühere Stationen, wo er die fehlenden Punkte wohl liegengelassen hat. „Ich denke da an Malaysia. Das war viel frustrierender als heute, weil es da an einem Motorenproblem gelegen hat“, so der 50-Jährige.

In der Vorschlussrunde ist einmal mehr Arch mit 56,701 der klare Pace-Setter. Er distanziert die Konkurrenz um über eine halbe Sekunde. Eine Zeit, die im Finale leicht ausgereicht hätte, um sich seinen zweiten Titel nach 2008 zu holen.


Aus Spielberg berichtet Reinhold Pühringer

Lamb ist indes nicht mehr einzufangen. Dabei gewann der 58-jährige Flug-Oldie heuer in Malaysia sein erstes Rennen. „Das ist unglaublich. Ich hatte großes Glück, weil meine Zeit nicht gut war“, jubelt Lamb.

„Ich fühle mich ähnlich wie in Malaysia, bin überwältigt vom Moment. Es ist unbeschreiblich!“

Als die Welt noch in Ordnung ist

Dabei beginnt der Renntag für Arch standesgemäß.

Die im K.o.-Modus ausgetragenen Top 12 fallen für ihn in die Kategorie „Aufwärmen unter Rennbedingungen“. Gegner Peter Besenyei (HUN) fabriziert im unterlegenen Corvus Racer samt zweier Strafsekunden 1:02,412 Minuten, was fast sieben Sekunden über der Qualifying-Bestzeit des Österreichers liegt. Sichere 57,709 genügen Arch zum Aufstieg in die Super 8.

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