Geburtstagswunsch und "Sommer-Märchen"

Aufmacherbild
 

Ab in die Pension, Herr Ludwig!

Seit Sonntag ist der ÖFB-Generaldirektor auch laut Geburtsurkunde reif für den verdienten Ruhestand. Eh klar, dass der 65-Jährige noch die EURO 2016 in Frankreich mitorganisieren und ein absolutes Highlight in der Geschichte des Nationalteams miterleben soll und darf. Danach allerdings muss dieser dicke Zopf endgültig abgeschnitten werden.

"Gigi", der seit gefühlten 100 Jahren im ÖFB das Sagen hat, muss seine Position nicht nur altersbedingt räumen. Sein mächtiger Schatten in der ÖFB-Zentrale ist längst größer als der des angeblichen "Fünf-Sterne-Stadions" im Prater. Bereits seit 1981 ist Alfred Ludwig beim Fußballbund in einer führenden Position tätig. Unbestritten sind seine Erfolge als Macher in den 1990er-Jahren und seine Verdienste um die Bewerbung gemeinsam mit der Schweiz für die Heim-Europameisterschaft 2008.

Von einem "fast märchenhaften Aufstieg des Verbandes von einer belächelten Hobby-Organisation zu einer internationalen Top-Adresse" kann dennoch kaum die Rede sein. Ob angesichts dieser Huldigung mit dem Kolumnisten eines Kleinformates nicht die Pferde durchgegangen sind. Das klingt zu sehr nach "Sommer-Märchen" ...

Naja, das Naheverhältnis der Tageszeitung mit dem ÖFB-General liegt auf der Hand, da Ludwig nach seiner Lehrertätigkeit und vor dem Sprung zum ÖFB just bei diesem Medium sein journalistisches Handwerk erlernte und bis heute als Informant der Zeitung gilt.

Bei "Gigi" ist nicht alles Gold, was glänzt. Sein autoritärer Führungsstil ist umstritten, zu viel Stillstand und Kleinmütigkeit in seiner Ära haben den ÖFB lange auf der Stelle treten lassen. Die quasi nicht vorhandene Nachhaltigkeit der Heim-EURO ist angesichts eines fehlenden Nationalstadions, das für internationale Top-Spiele taugt, geradezu peinlich.

Sein engster Freundeskreis lässt tief in das Wirken des Langzeit-Fußball-Managers blicken. Der ehemalige ORF-Sportchef Elmar "Säuselbär" Oberhauser, Hannes "Zar" Kartnig oder der abgehalfterte Ex-Politiker und Ex-Liga-Vorstand Peter Westenthaler schätzen unter anderem den Schmäh des Ur-Wieners, der seit vielen Jahren dieselben G‘schichterln und Schenkelklopfer zum Besten gibt.

In seiner Arbeit schmückt sich der angehende Pensionist in den letzten Jahren immer wieder mit falschen Federn und versucht im Hintergrund, seine Machenschaften bei den mehr oder weniger mächtigen Landesverbandspräsidenten durchzuboxen. ÖFB-Präsident Leo Windtner und -Sportdirektor Willi Ruttensteiner müssen (weil nicht aus Wien?) ständig auf der Hut vor Ludwigs Winkelzügen sein.

Bezüglich Merchandising und (TV)-Vermarktung hinkt der ÖFB anderen Verbänden gewaltig hinterher. Und bei aller Liebe und Freundschaft zu den treuen Partnern der Nationalmannschaft ist es ein offenes Geheimnis, dass der eine oder andere ÖFB-Geldgeber erfreut die Türe hinter Alfred Ludwig schließt und mit Champagner auf den gelungenen, weil sehr günstigen, Deal anstößt.

"Gigi", Gratulation zu deinem gestrigen Geburtstag, aber es ist Zeit zu gehen. Mögest du als rastloser Funktionär und Sesselkleber einen Job bei der UEFA oder der FIFA finden, aber nicht als Aufsichtsratsvorsitzender dem ÖFB weiter zeigen, wo es lang geht. Nach der EM 2016 ist beim ÖFB ein Neubeginn angesagt. Die Voraussetzungen dafür sind so gut, wie seit 30 Jahren nicht.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen