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Zeitlupe Rietzler

 

Eine Goldmedaille für die Entpolitisierung des Sport

Die Sportbegeisterung der Briten kennt keine (Dezibel)Grenzen. Die extrem begeisterungsfähigen Fans sind das Herz und die Seele der Spiele in London.

Über eine Millione Zuschauer säumten die Straßen bei den Radrennen, Hunderttausende feuerten die Triathleten im Hyde Park an. Ob in der Schwimmhalle, im Velodrom, beim Beachvolleyball oder im Olympia-Stadion - der Enthusiasmus, die Leidenschaft und das Temperament der Briten ziehen alle Olympia-Teilnehmer in ihren Bann.

Das größte Kapital daraus schlagen die Athleten des Vereinigten Königreiches, die sich in einen wahren Goldrausch steigern und Titel um Titel holen.

Wessen Ohren am "Super-Samstag" die "Goldene Stunde" der britischen Leichtathletik im Olympia-Stadion unbeschadet überstanden haben, der darf sich künftig bei jedem Formel-1-Rennen auf dem Grünstreifen neben der Start-Ziel-Gerade zu einem Nickerchen hinlegen. Was in diesen, für Großbriatnnien sporthistorischen 47 Minuten abgegangen ist, sucht seinesgleichen.

80.000 Kehlen brüllten erst Weitspringer Greg Rutherford, dann Siebenkämpferin Jessica Ennis und schließlich im 10.000-m-Lauf Mo Farah zum Sieg. Das Team GB - wie die Briten ihre Olympiamannschaft nennen - erlebte eine Sternstunde und der neutrale Beobachter staunte, dass ihm hören und sehen verging.

Die Ohren betäubende Unterstützung ist nahe an der Schmerzgrenze.

In jedem Bewerb in dem ein Athlet an den Start geht, kreischt, jubelt, schreit, tobt und brüllt die Menge, wie man das zuvor bei einem Großereignis noch nie erlebt hat. Keine Buhrufe, keine Pfiffe, purer Sport-Patriotismus.

Den Österreichern ist der Jubel über die Sommerspiele im Hals stecken geblieben. Katzenjammer statt Medaillenfeier, Schuldzuweisungen anstelle von Schulterklopfern.

Wenn das ÖOC-Aufgebot - wie zuletzt 1964 aus Tokio - ohne Edelmetall heimkehrt, wird in der Organisation des heimischen Sports wohl kein Stein auf dem anderen bleiben. Hoffentlich. Sollte das tatsächlich der Fall sein (wer glaubt's?), dann könnte Olympia 2012 auch nach dem Erlöschen des Olympischen Feuers noch eine rot-weiß-rote Erfolgsgeschichte werden.

Wer auch immer in den nächsten Wochen und Monaten den Stein der Weisen findet, um die Entpolitisierung der Dach- und Fachverbände mit all deren Geschäften und Machenschaften voranzutreiben, der hätte sich redlich Gold verdient.

Und das wiederum würde für Österreichs Sport weit heller glänzen als jeder Sieg im Wasser, auf der Matte oder am Schießstand.

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