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Zeitlupe Rietzler

 

Land der "Äcker", Land der Pleiten...

Wer am Sonntagnachmittag die Möglichkeit hatte, sich via Satelliten-TV durch die diversen Ligen in Europa zu zappen, der erkannte auf einen Blick eines der Hauptprobleme des heimischen Fußballs. Nirgendwo zwischen Ukraine, der Schweiz, der dritten deutschen Liga oder den Niederlanden musste auf einem ähnlich grauenhaften „Acker“ gespielt werden wie in Kapfenberg.

Früher waren Meisterschaftsspiele in Rumänien, Albanien oder in einem Stadion der ehemaligen Sowjetunion aufgrund der TV-Bilder, des Ambiente oder der Beschaffenheit des Spielfeldes mit einem Blick auszumachen, heute muss man schweren Herzens erkennen, dass man sich in der österreichischen Bundesliga befindet.

Das Steirer-Derby, eines der besseren 0:0 in dieser so trefferarmen Saison, litt ganz gewaltig unter den erbärmlichen Platzverhältnissen. Spiele auf einem derart ramponierten Untergrund sind einer höchsten Spielklasse einfach nicht würdig.

Auch die Frühjahrs-Partien in der „Sandwüste“ von Wiener Neustadt, dem seifigen Geläuf in Ried (Spiel gegen Salzburg am Rande der Regularität) oder der holprigen Wiese im Innsbrucker Tivoli (trotz Rasenheizung!) waren alles andere als Werbung für den heimischen Kick.

Nur die Spieler und Trainer für das Versagen oder die falsche Taktik zu kritisieren, greift zu kurz. Die Vereine sind dringend gefordert, endlich ordentliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Das kurzfristige Denken auf dem Transfermarkt von einer Saison zur nächsten sollte schleunigst einem langfristigen Konzept weichen, bei dem der Zustand der Trainings- und Spielfelder jene Priorität erhält, die für ein vernünftiges Spiel unerlässlich sind.

Am Geld kann und darf es nicht scheitern. Zwei Transfers weniger, oder der Verzicht auf die Kaderspieler Nummer 25, 26 und 27 müssten im Budget allemal so viel Luft verschaffen, um sich eine Rasenheizung (eine, die ihrem Namen auch gerecht wird) leisten zu können.

Die Forderung für professionelle Rahmenbedingungen ist nicht neu und dennoch so aktuell wie selten zuvor. Wenn die Liga und ihre Vereine, bzw. Politiker, die sich sonst bei allen möglichen Events im Rampenlicht der Sportler sonnen, oder Gemeindeväter, die Stadien und Sportplätze verpachten, die Hausaufgaben diesbezüglich nicht schleunigst erledigen, darf sich niemand wundern, wenn die heimischen Talente in Scharen ins Ausland "flüchten" und der Imageschaden für Österreichs Fußball immer größere Ausmaße annimmt.

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