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Kickwiesen statt Stadien

12 Meter auf laola1.at? Ganz genau. Nachdem die alte Wirkungsstätte Sturm12.at am 31. Dezember schlafen gelegt wurde, brauchte der 12 Meter eine neue Heimat, die er hier beim Spirit of Sports gefunden hat. Das Erscheinen im neuen Rahmen soll auch eine Weiterentwicklung bedeuten. Ein Fokus auf sein ureigenes Objekt der Berichterstattung, den SK Sturm Graz, wird erhalten bleiben. Über den schwarz-weißen Tellerrand hinaus sollen unter anderen auch Themen aus der österreichischen Fanszene und die Bundesliga als Rahmen des heimischen Kicks Platz finden. Das Ganze ab sofort und regelmäßig.

Aus gegebenem Anlass der beginnenden Frühjahrsmeisterschaft kommendes Wochenende soll die heimische Liga zur Premiere in den Fokus rücken. Sehr löbliche Ziele formuliert diese seit einiger Zeit für ihre Zukunft. Einen fixen Champions-League-Platz, einen Zuschauerschnitt von 10.000 und einen generellen Imagewandel des Produkts strebe man an. Klingt ganz wunderbar, wie man das allerdings umsetzen möchte, steht in den Sternen. Gemeinsam mit dem ÖFB werden Arbeitsgruppen für das Projekt Fußball 2020 eingerichtet und erst Ende Jänner ist am Podium wieder sehr schön über all das diskutiert worden. Nur, wie der 10.000er-Schnitt und ein Imagewandel vor allem angesichts der Infrastrukturmisere auch nur mittelfristig erreicht werden sollen, erschließt sich mir nicht.

Es gibt Verbesserungen, keine Frage. Mehr oder weniger verpflichtende Rasenheizungen ab 2016/17 oder den Wegfall der Übergangsbestimmungen beim Aufstieg von der Regionalliga in die zweithöchste Spielstufe. Nichtsdestotrotz zeigt der Status Quo der Bundesliga ein unseliges Konglomerat von zu vielen Vereinen mit dörflicher Struktur und Klubs mit schlicht desolaten Spielstätten. Unabhängig von der jeweiligen sportlichen Performance sind die Rahmenbedingungen in vielen heimischen Stadien alles andere als Zuschauermagneten. Trotzdem fristen der Wille und das Commitment zu Investitionen in die Infrastruktur im Vergleich zu jenen ins Spielermaterial ein Mauerblümchendasein. Die drei Millionen Euro im Infrastrukturtopf der Liga sind wohl nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Man nehme nur das Thema Rasenheizung, eine Angelegenheit von gewisser Dringlichkeit in einem Land mit eher längeren, schneereichen Wintern. In Grödig, bei der Admira oder in Wiener Neustadt gibt es bis dato maximal Lippenbekenntnisse zur Errichtung eines erwärmbaren Grüns bzw. überhaupt eines neuen Stadions. Ob bis zur Frist 2016 dort etwas getan wird, ist ungewiss. Auch weil es eben die Liga den Vereinen trotz scheinbarer Verpflichtung ermöglicht, die Sache zu umgehen. Man darf zwischen November und März in ein anderes Stadion ausweichen. Bei Vereinen wie Grödig oder Wiener Neustadt mit de facto keinem Heimsupport keine besonders schwere Sanktion.

Oftmals scheitert eine Verbesserung aber auch am vielerorts fehlenden Bekenntnis der öffentlichen Hand zum Fußballsport. Wien und seine Unterstützung für Projekte wie die neue Arena in Hütteldorf sind die Ausnahme, nicht die Regel. Zum Beispiel in Graz, wo ein jahrelanger Eiertanz rund um eine Adaptierung des in die Jahre gekommenen Liebenauer Stadions am Ende gerade einmal genug Geld für die notwendigsten Maßnahmen hervorgebracht hat.

An der Dorfvereinsproblematik wird sich jedenfalls in den nächsten Jahren auch nicht viel ändern, schaut man sich an, wer aus der zweiten Profiliga aufsteigen könnte. Außer dem LASK, Innsbruck und St. Pölten käme in Sachen Infrastruktur nichts Besseres nach. Also gilt es sich dort umzusehen, wo ländliches Umfeld und Profifußball gemeinsam funktionieren. Und hier kommt man am Best Practice aus dem Innviertel nicht vorbei. Seit Jahren zeigt man bei der SV Ried vor, wie sich mit konsequenter und smarter Arbeit ein auf allen Ebenen erwachsener Fußballverein abseits eines Ballungsraumes bauen lässt. Die Rieder würden sich wohl besser für eine Imagekampagne eignen als ein früherer Torhüter, der außer das Role Model für Schwiegermutters Darling zu sein, nicht viel zu bieten hat.

Nicht zuletzt stellt sich in dieser ganzen Causa die Frage, ob die Bundesliga an der Spitze dergestalt aufgestellt ist, das Potential für die angestrebten Veränderungen bestmöglich auszuschöpfen? Ist der hemdsärmelige Präsident Hans Rinner, der sehr gerne überall gemocht wird, den Glanz des Amtes schon ganz gerne mag und nicht davor zurückschreckt, bei Bedarf gegen seinen eigenen operativen Vorstand zu arbeiten, der richtige Mann, um den Klubs im Fall des Falles die Leviten zu lesen? Oder sind ihm das Wohlwollen der Dorfkaiser und eine nette Atmosphäre im VIP-Klub am Ende doch lieber als ein Imagewandel des gesamten Produkts? Wenn die Liga nicht als Motor für die Ziele agiert, an einem Strang zieht und so die Mikro-Interessen der einzelnen Klubs hintangestellt werden können, ist nämlich nicht einmal ein Lüftchen möglich – ganz zu schweigen von einem Wind of Change im österreichischen Ligakick.

 

Jürgen Pucher war Gründungsmitglied der Plattform „sturm12.at“ und hat dort über Jahre hinweg mit seiner Kolumne „12 Meter“ die Diskussionen rund um den Grazer Verein und den österreichischen Fußball extrem bereichert. Ab sofort wird er in regelmäßigen Abständen bei LAOLA1 Gastkommentare zum Geschehen im heimischen Kick verfassen.

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