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Zeitlupe Prantl

 

So entstand der Spanier-Boom

Und plötzlich waren sie da. Jahrelang spielten spanische Fußballer in Österreich keine Rolle. Doch seit 2008 hat ein kleiner Boom eingesetzt. Aktuell kicken in der Bundesliga und der Ersten Liga jeweils acht Iberer. Das hat mehrere Gründe.

Da wäre etwa die Zahlungsmoral so manches spanischen Profi-Klubs, die sehr zu wünschen übrig lässt, in Zeiten der Krise mehr denn je. Dagegen ist Österreich fast schon ein Schlaraffenland, das Gehalt wird fast überall regelmäßig und pünktlich überwiesen. Doch diesen Pluspunkt gibt es freilich nicht nur in Österreich.

Dennoch sind – abgesehen von den absoluten Top-Ligen – kaum wo so viele Legionäre aus dem Land des Welt-und Europameisters zu finden wie hierzulande. Lediglich Griechenland (20), Zypern (11), Belgien (5) und Schottland (4) sind erwähnenswert.

Warum dem so ist, ist leicht erklärt: Es braucht einen Mann mit den nötigen Kontakten, um die Spieler zu vermitteln. In Österreich macht das Luis Oliva. Vor kurzem noch völlig unbekannt, ist der in Österreich lebende Spanier mittlerweile im Geschäft angekommen. Oliva hatte das Glück, dass die ersten Spieler, etwa Nacho, die er brachte, auch einschlugen. Seitdem hat er leichtes Spiel, etliche Klubs fragen bei ihm wegen Spaniern an.

Dieses Phänomen war vor wenigen Jahren schon zu beobachten, als mit Horst Zangl ein in Brasilien lebender Österreicher zahlreiche Kicker vom Zuckerhut bei österreichischen Klubs unterbrachte.

Bleibt noch die Frage zu klären, warum Fußballer, die in Spanien eher als zweit- bis drittklassig gelten, in der Bundesliga problemlos mithalten können. Es liegt in erster Linie an der Ausbildung, die sie genossen haben.

Etwa die Hälfte der Legionäre hat sich bei namhaften Klubs die ersten Sporen verdient. Als plakative Bespiele seien neben den Wahl-Salzburgern Soriano (Barcelona) und Chema Anton (Real Madrid) auch noch Rieds Carril (La Coruna), WAC/St. Andräs Jacobo (Atletico Madrid) und Viennas Nacho Verdes (Levante) genannt.

Während Soriano als Ausnahme behandelt werden muss, kann von den anderen behauptet werden, dass für sie in der Primera Division einfach kein Platz war, weil sie nicht gut genug sind. Dennoch kamen sie schon früh mit dem Profi-Fußball in Kontakt – immerhin sind in den drei höchsten Spielklassen Spaniens nicht weniger als zehn Amateur-Teams von Profi-Klubs zu finden.

Doch zu verdienen gibt es in Österreich eben mehr als in der Segunda Division. Und das Geld kommt verlässlich. Und ein Mann, der vermittelt, ist auch da. Und schon haben wir einen kleinen Spanier-Boom in Österreichs Fußball.

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