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Zeitlupe Kastler

 

Post für Peter-Michael Reichel

Sehr geehrter Herr Reichel,

es wird Sie nicht überraschen, dass ich als gebürtiger Linzer und Sympathisant des runden Leders vor allem den oberösterreichischen Fußball über Jahrzehnte verfolge. Seit dem Valentinstag 2000 haben Sie die Leitung des LASK über. Gewiss, es gab sehr lichte Momente in dieser Zeit, allen voran die Rettung des Vereins zu Beginn Ihrer Ära. Oder die Verpflichtung von Ivica Vastic und damit verbunden die Aufstiegssaison 2006/07. Oder die erste Saison danach. Das war vielleicht eine  Aufbruchsstimmung in Linz, das Mitspielen um einen Europacup-Platz tat ihr übriges. Dann haben Sie auch noch die Stars von Real Madrid zum 100. Geburtstag des LASK nach Linz gebracht. Zum bislang letzten Mal war die Gugl an diesem 27. Juli 2008 zum Bersten voll. Diese Momente bleiben freilich nicht vergessen.

Doch eben auch die anderen, zwei, drei. Jene, die Ihre Bilanz trüben. Etwa der Abstieg 2001, der zwar knapp aber eben doch in Ihre Amtszeit fällt. Oder als dem LASK 2003 mit Ach und Krach vom Ständig Neutralen Schiedsgericht die Lizenz doch noch erteilt wurde. Oder die für die Fans trostlosen Jahre in der Ersten Liga, wo sich nur noch hunderte Besessene ins Linzer Stadion verirrten. Ein 0:8 gegen Austria Kärnten fällt mir hier spontan ein. Oder die vielen Spieler, die beim LASK kamen und gingen und somit für null Kontinuität sorgten. Oder das Spiel-Verbot für Florian Klein, weil er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollte. Oder die vielen Trainer-Wechsel, kein heimischer Profiverein hatte in den zwölf vergangenen mehr Trainer auf der Bank. Kennen Sie noch Matthias Hamann? Das war Ihre Trainer-Erfindung! Der brachte sogar ein Konzept mit und war vielerorts hier in Österreich sehr geschätzt. Nun, Sie haben ihn gefeuert. Zu sehr war Ihre Führung in Gefahr. Der offizielle Grund war freilich eine Party im Trainingslager. Hamann arbeitet jetzt übrigens mit Jürgen Klinsmann und Andreas Herzog für den US-Verband.

Oder natürlich der Abstieg 2011. Fehlende Unterstützung von Sponsoren haben Sie immer wieder beklagt. Warum kein Sponsor beim LASK einsteigen will, obwohl Oberösterreich ein immenser Wirtschaftsstandort ist und die Schwarz-Weißen der Klub der oö. Mehrheit sind, ist wohl nur Ihnen ein Rätsel. Falls Sie das lesen sollten, sie werden „Alleinherrscher“, „Diktator“ und Ähnliches genannt. Manche Fans wünschen sich lieber den Entzug der Lizenz, die Ihr Verein schon am Montag in erster Instanz nicht erhielt, als dass sie Sie noch weiterhin Präsident bleiben. Doch Sie treten nicht zurück. Wissen Sie noch, vergangenes Jahr haben Sie nach der Verweigerung der Lizenz angedroht, mit dem LASK in der achten Liga neu starten zu wollen? Im Nachhinein meinten Sie, es wäre ein Scherz gewesen. Gelacht hat keiner. Wie es prinzipiell kein LASK-Fan seit Jahren tut. Vielmehr haben Sie noch mehr Wut gegen Ihre Person geschürt. Aber das mit den Fans kennen Sie ja zur Genüge, betonen Sie auch gerne.

Mag sein, dass es der LASK auch dieses Mal wieder mit der Lizenz schafft. Es kann aber auch sein, dass sich die Stimmen aus Linz bewahrheiten, wonach es dieses Mal wirklich nicht gut für die Athletiker aussieht. Wie auch immer, ein – wirklich ohne jede Ausnahme – Anhänger dieses Klubs, der sich mit mir über die Situation des Vereins unterhält, ist entweder in dieser Hinsicht ein Wutbürger oder einer, der überproportional viel Galgenhumor beweist. Dass sich alle diese erwähnten Fans – und da rede ich nicht nur über Teenager, sondern auch über viele gestandene Erwachsene – nichts lieber als Ihren Rücktritt wünschen, ist wohl auch Ihnen nicht entgangen. Eine solche Masse ohne Ausnahme gegen sich aufzubringen, ist großer Sport. Vor allem, weil Sie im Tennis ohne Zweifel erfolgreich unterwegs sind.

Doch mit dem Traditionsverein LASK, dem potente Sponsoren im Falle Ihrer Abdankung nur allzu gerne helfen würden, so dazustehen, ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Vergangenes Jahr hatte Sie die Chance, den halbwegs sauberen Absprung zu schaffen. Es gab auch Verhandlungen mit einem Konsortium, die kurz vor dem Erfolg standen, bis Sie aber dann doch Ihre Meinung änderten. Nun könnte es vorbei sein mit dem LASK im Profisport. Es wird Sie nicht überraschen, dass ihnen das sogar viele wünschen. Und wenn doch, dann überrascht mich das ganz und gar nicht.

 

Sportliche Grüße, Bernhard Kastler

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