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Hackmair


Liebe Freunde der gepflegten Hack-Ordnung!

 

Was macht man, wenn man mit dem Camper durch Neuseeland cruist, plötzlich die Lichtmaschine den Geist aufgibt und man in einem 200-Einwohner-Dörfchen gefangen ist? Man pilgert natürlich in das erste und einzige Pub im Dorf, um Rugby zu schauen…

Dieser Samstag hat meinen (sportlichen) Horizont erweitert und mich in den Nationalsport der „Kiwis“ eingeführt. Rugby ist mehr als nur ihr Lieblingsspiel, die Neuseeländer lieben und leben diesen Sport! 13 der 200 hier Lebenden begeistern sich nicht nur im Stadion oder vorm Fernseher für „Footy“ (sie nennen es so), sondern versammeln sich wöchentlich, um den umliegenden Vereinen den Kampf anzusagen. Heute mussten sie sich leider mit 24:18 geschlagen geben, der Stimmung tut dies aber keinen Abbruch. Ein wenig enttäuscht ja, niedergeschlagen auf keinen Fall. Viel mehr steht hier der gesellschaftliche Faktor im Vordergrund. Bevor gefeiert, getanzt und getrunken wird (die halbe Bier leeren sie in geschätzten zwei Sekunden), kommt der Kapitän zu Wort, lässt die Partie noch einmal Revue passieren und bedankt sich bei den Anhängern (den restlichen 187) für die Unterstützung. Danach greift er zur Gitarre und sorgt mit seiner Band für ausgelassene Stimmung.

„Union“ vs. „League“

Nebenbei läuft im Fernsehen Rugby, was sonst. Die „Cruzaders“ aus Christchurch haben die „Auckland Blues“ zu Gast. Gespielt wird „Rugby Union“, die ursprüngliche und auch in Österreich eher bekannte und praktizierte Form des Spiels, aus der sich einige andere entwickelt haben. Hier in Whataroa herrscht hingegen „Rugby League“, der kleine Bruder, der im Gegensatz zu „Union“ mit nur 13 (statt 15) Arnold-Schwarzeneggers gespielt wird und wesentlich schneller ist. Vor allem deshalb, weil nach sechs aufeinanderfolgenden Tackles der Ballbesitz getauscht wird, d.h. ähnlich wie beim Basketball mit der 24-Sekunden-Regel führt der Erfolg nur über eine offensive Spielanlage bzw. rasche Angriffe.

Nicht nur deshalb bin ich zum Fan von Rugby League geworden. Auch die Stimmung im Stadion habe ich dort besser erlebt. Bei den „Sydney Roosters“ haben 15.000 das „Allianz Stadium“ zum Kochen gebracht, während die 25.000 bei den „Auckland Blues“ (Union) das Ende der Trauerminute verschlafen haben…

Vielleicht sind meine Erfahrungen Zufall, vielleicht liegt es aber auch daran, dass „Union“ hauptsächlich von der Ober- und höheren Mittelschicht praktiziert wird, der Sport dementsprechend als Business angesehen und vermarket wird. In meinen vier Monaten in Neuseeland und Australien habe ich sowohl in den Stadien als auch auf sämtlichen kleineren Rugbyplätzen den Eindruck gewonnen, dass bei „League“ mehr das Spiel im Vordergrund steht, die Beteiligten den Sport wirklich leben (Wobei seit 1995 auch diese Variante professionell ausgeübt wird).

“Football is a gentleman's game played by ruffians, and rugby is a ruffian's game played by gentlemen”

Dieses bekannte Sprichwort aus England lasse ich einmal so stehen. Meiner Meinung nach ist in Ansätzen was dran, aber um es wirklich unterschreiben zu können, reichen meine ersten Eindrücke nicht. Auf jeden Fall war auch interessant zu erfahren, dass sich Rugby aus dem Fußball entwickelt hat. Aufgrund von Streitigkeiten über Regeländerungen haben sich einige Vereine in England vom Fußballverband gelöst und 1871 die „Rugby Football Union“ ins Leben gerufen. Seither begeistert dieser Sport Millionen Menschen rund um den Globus, vor allem in den Staaten des britischen Commonwealth, in Europa auch viele Italiener, Franzosen und Spanier. In Österreich spielt Rugby nur eine kleine Rolle – aber zumindest einen weiteren Fan hat er soeben dazugewonnen.


Euer Fußball-Pensionist Peter


 


 

Peter Hackmair absolvierte für die SV Ried (2006-2011) und für Wacker Innsbruck (2011/12) insgesamt 120 Bundesliga-Spiele. Der 31-fache Nachwuchs-Nationalspieler, der 2007 mit der U20 bei der WM in Kanada sensationell Platz vier belegte, wurde Vizemeister (2007) und Cupsieger. Im August 2012 beendete der Mittelfeldspieler im Alter von nur 25 Jahren nach zahlreichen Verletzungen seine Karriere. Im September stellte Peter sein Buch "Träume verändern" vor, das bei Thalia und im ausgewählten Buchhandel erhältlich ist. Seither verstärkt er auch das Redaktions-Team von LAOLA1.

Seit Jänner 2013 bereist er gemeinsam mit seiner Frau Marie-Therese die Welt und berichtet uns auch regelmäßig von seinen Fußball- bzw. Sport-Erlebnissen rund um den Globus.


 

Das Erstlingswerk von Peter Hackmair, "Träume verändern", gibt es in sämtlichen Geschäften von "Thalia" und diversen anderen Buchhandlungen!

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