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Hackmair


Liebe Freunde der gepflegten Hack-Ordnung!

 

Für die Profis der österreichischen Bundesliga steht nun wieder die härteste Zeit des Jahres an, die Vorbereitung auf die Meisterschaft. Die Trainer bitten meist zwei Mal am Tag zum Training, Einheiten können auch schon mal länger als die üblichen 90 Minuten dauern. Muskelkater ist nicht nur vorprogrammiert, sondern Dauerzustand. Viele Spieler fürchten diese Wochen, oder sind zumindest froh, wenn sie wieder vorbei sind.

Sobald die erste BuLi-Runde in Sichtweite gerät, reduzieren die Übungsleiter die Trainingsintensität erheblich, aus Angst die Mannschaft würde nicht „spritzig“ (Lieblingswort vieler Trainer) genug in die Meisterschaft starten. Die Arbeitswoche pendelt sich dann durchschnittlich bei circa zehn bis zwölf Stunden ein, (volle) Spieldauer selbstverständlich bereits inkludiert. An- und Abreise zu Training und Spiel nicht, es lässt sich streiten, ob das dazugezählt werden darf…

„Müdigkeit“ eine faule Ausrede

Ich bin weder ein Sportwissenschaftler noch ein Trainer (noch nicht), kann aber von meinen Erfahrungen als Spieler sprechen. Auch ich ließ mich teilweise vom Jammern meiner Kollegen über extrem anstrengende Einheiten anstecken. Im Gegenzug vergingen aber nur wenige Tage, an denen ich keine Zusatzschichten einlegte, um besser zu werden. Das Argument der „Spritzigkeit“ gilt für mich nur bedingt. Zumindest bis zwei Tage vor dem Match kann die Intensität hoch gehalten werden, mir hat das nie geschadet. Im Gegenteil: Ein geiles, kräfteraubendes Training bereitet viel besser auf ein Spiel vor als ein langweiliges, das mich nicht einmal zum Schwitzen bringt.

Warum sollten Fußballer nicht auch zumindest drei Mal die Woche einen 8-Stunden-Tag einlegen? Training muss ja auch nicht immer gleich höchste Anstrengung bedeuten. Als Profifußballer meinen Beruf ernst zu nehmen, heißt für mich auch, eine mentale Stärke aufzubauen, Spiele zu analysieren (eigene und des Gegners), meine persönlichen Schwächen auszumerzen, professionell zu regenerieren, meine Mitspieler besser kennenzulernen und nicht zuletzt, mich auch für andere Dinge zu interessieren, um einen Ausgleich zum einseitigen Fußballerleben zu finden (speziell in Schwächephasen besonders wichtig!).

Hinter den Kulissen bremsen Führungsspieler

So viele Leute wundern sich, warum wir im Nachwuchsbereich seit Jahren für Furore sorgen (unser Jahrgang unter Paul Gludovatz, zuletzt wieder die U17 unter Hermann Stadler), diese Erfolge sich aber spätestens nach der U21 einstellen. Vielleicht liegt es schlicht und einfach daran, dass in den Akademien um einiges mehr trainiert wird als im Profibereich? Die österreichische Bundesliga entwickelt sich auch deshalb nicht entscheidend weiter, weil es die Spieler nicht tun. Vom Poker- oder Play-Station-Spielen (nicht einmal bei „FIFA“) wird man kein besserer Fußballer...

Man kann die Schuld natürlich auch (oder vor allem) bei den Trainern suchen. Sie sind immerhin die Chefs, die darüber entscheiden, was die Mannschaft zu tun hat. Würde man zumindest meinen. Doch nicht allzu selten geben hinter den Kulissen die Führungsspieler die Richtung vor, die nur zu gut wissen, „übertriebenes Engagement“ eines Trainers zu bremsen…

Wenn schon die innere Motivation fehlt, sich in seinem (Traum-)Beruf weiterzuentwickeln, immer besser zu werden, dann könnten zumindest die Erwartungen der Fans (die leben oft mehr für den Verein als die Spieler) oder auch die üppigen Gehälter ein Ansporn sein. Immerhin gibt es kaum eine Branche mit einem derartig hohen Stundenlohn – nicht einmal dann, wenn das Arbeitspensum um das Doppelte oder Dreifache erhöht werden sollte…

 

Euer Fußball-Pensionist Peter


 


 

Peter Hackmair absolvierte für die SV Ried (2006-2011) und für Wacker Innsbruck (2011/12) insgesamt 120 Bundesliga-Spiele. Der 31-fache Nachwuchs-Nationalspieler, der 2007 mit der U20 bei der WM in Kanada sensationell Platz vier belegte, wurde Vizemeister (2007) und Cupsieger. Im August 2012 beendete der Mittelfeldspieler im Alter von nur 25 Jahren nach zahlreichen Verletzungen seine Karriere. Im September stellte Peter sein Buch "Träume verändern" vor, das bei Thalia und im ausgewählten Buchhandel erhältlich ist. Seither verstärkt er auch das Redaktions-Team von LAOLA1.

Seit Jänner 2013 bereist er gemeinsam mit seiner Frau Marie-Therese die Welt und berichtet uns auch regelmäßig von seinen Fußball- bzw. Sport-Erlebnissen rund um den Globus.


 

Das Erstlingswerk von Peter Hackmair, "Träume verändern", gibt es in sämtlichen Geschäften von "Thalia" und diversen anderen Buchhandlungen!

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