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Endlich frei sein!

Als ich Fränky Schiemer am Samstag zu seinem Mut zur Veränderung gratuliert hatte, meinte er ganz gelassen: "So mutig finde ich das gar nicht. Ich höre ja nur auf, Fußball zu spielen..."

Das kann nur einer sagen, der sich Gedanken macht. Über sich, sein Leben, seine Zukunft. Im Rieder Nachwuchs noch gemeinsam vom Fußballprofi-Werden geträumt, habe ich Fränky schon bald als sehr reflektierten Menschen und Fußballer erlebt. Er war immer einer, der auch die Welt außerhalb des Profizirkus wahrgenommen, über den Tellerrand hinausgeblickt hat. Nicht zuletzt sein Master in Sport- und Projektmanagement bestätigt dies eindrucksvoll.

Fränky hat sich nie vom Fußball abhängig gemacht, obwohl er mit nur 17 Jahren schon extrem früh den Sprung schaffte und seine Karriere jahrelang einem Bilderbuch geglichen hat. Als schönstes Bild in diesem Buch bezeichnet er das vom Aufstieg mit der SV Ried in die Bundesliga.

Obwohl er jeden einzelnen der weiteren Erfolge genossen und geschätzt hat, hat er nie wieder so ein "Hochgefühl" erlebt, aber die pure Leidenschaft am Spiel, diese überwältigende Emotion wurde von Jahr zu Jahr ein bisschen weniger. Mit 23 begann der Defensiv-Allrounder schon mal ganz vorsichtig über ein eventuelles Karriereende nachzudenken, weil ihm die extreme (Doppel-)Belastung, vor allem durch Verein und Nationalteam, schon ziemlich zusetzte.

Da ihm das Fußballspielen aber trotzdem meistens Spaß machte und er sehr dankbar war, sein Hobby zum Beruf gemacht haben zu können, hing er noch ein paar Jährchen dran. Bis heute.

Jetzt ist er endlich frei

Nach zwölf intensiven Jahren ist nun aber genug mit Fußball, jetzt will der noch relativ frischgebackene Vater einfach für seine Familie da sein, frei sein. So ganz ohne Druck und ohne Plan. Eine To-do-Liste gibt’s aber trotzdem. Seit einiger Zeit schreibt Fränky Dinge auf, die er jetzt endlich (wieder) einmal erleben möchte: den Life Ball zum Beispiel, aber auch "ganz Normales" wie Sonntage mit der Familie, Geburtstagsfeiern von Freunden, Schifahren oder Tennis spielen.

Ab sofort darf er einfach in den Tag hineinleben, leben, sein.

Der österreichische Fußball verliert – zumindest als aktiven Spieler – einen sehr sympathischen, bodenständigen und feinen Menschen. Fränky Schiemer gewinnt an Freiheit.

Lieber Fränky, ich wünsche dir jetzt einmal ganz viel Freude in dieser neu gewonnen Freiheit (ich könnte eine Weltreise empfehlen ;-) ) und dass du neue Träume entwickelst und du dir die – wie damals unseren gemeinsamen des Fußballprofi-Werdens – wieder verwirklichen kannst.

Und ich finde übrigens immer noch, dass dein Schritt ein sehr mutiger ist.


Dein Hacki


 
Peter Alexander Hackmair absolvierte für die SV Ried (2006-2011) und für Wacker Innsbruck (2011/12) insgesamt 120 Bundesliga-Spiele. Der 31-fache Nachwuchs-Nationalspieler, der 2007 mit der U20 bei der WM in Kanada sensationell Platz vier belegte, wurde Vizemeister und Cupsieger. Im August 2012 beendete der Mittelfeldspieler im Alter von nur 25 Jahren seine Karriere. Seither widmet er sich seiner neuen Leidenschaft, dem Schreiben. Daraus sind mit "Träume verändern" und "Freigereist" bereits zwei Bücher entstanden, außerdem schreibt er einen Blog zu dem großen Thema Freiheit und verstärkt das Redaktions-Team von LAOLA1.

Foto: Copyright Michael Inmann


Peters Zweitlingswerk "Freigereist" gibt es ab sofort bequem auf seiner Homepage www.pa-hackmair.at zu bestellen.


Das Erstlingswerk von Peter Hackmair, "Träume verändern", gibt es in sämtlichen Geschäften von "Thalia" und diversen anderen Buchhandlungen!

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