Kommentar: Warum Taktikgeschwurbel wichtig ist

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Mit „Spüüt’s eicha Spü“ erreicht ein Trainer heutzutage nichts mehr. Die Arbeit der Coaches hat sich in den letzten 20 Jahren enorm professionalisiert: Medienauftritte, Teambuilduing, Trainingsplanung. Auch die unmittelbare Spielvorbereitung ist komplexer geworden. Mit Videoanalysen und Statistiken werden Gegner seziert, um das eigene Team schon im Training speziell auf das nächste Match vorzubereiten.

Genauso wie die Coaching-Arbeit hat sich auch die Auseinandersetzung damit geändert. Journalisten versuchen die Herangehensweise der Trainer zu verstehen. Taktik-Analysen interpretieren die Vorgänge am Spielfeld und versuchen Erklärungen für Sieg oder Niederlage zu finden.

Im Zuge dessen sind neue Begriffe im Fußball-Diskurs aufgetaucht: Matchplan, Gegenpressing oder Spielphilosophie. Begriffe, mit denen die ältere Generation bisweilen nichts anzufangen weiß. Oft werden fundierte Analysen als neumodisches „Taktikgeschwurbel“ abgetan – zum Beispiel hier vom geschätzten Kollegen Johann Skocek.

Klar: Wörter wie Angriffspressing oder falsche Neun führen nicht automatisch zu einer profunden Spielanalyse. Manchmal werden sie auch vorschnell und falsch eingesetzt.

Dennoch sind diese Begriffe wichtig. Sie liefern dem Journalismus das Werkzeug, um sich mit moderner Trainerarbeit kritisch auseinanderzusetzen. Kritik, die wiederum fruchtbar für den sportlichen Bereich ist.

Bestes Beispiel dafür ist die Teamchef-Ära von Didi Constantini. Wären in der Öffentlichkeit dessen taktische Unzulänglichkeiten nicht aufgezeigt worden, würden wir wahrscheinlich noch immer über zu wenig „Leidenschaft“ und „Kampf“ beim Nationalteam diskutieren. So aber freuen wir uns, dass Marcel Koller die Mannschaft mit einer klaren Spielphilosophie zur EM führte.

 

Ein Kommentar von Jakob Faber

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