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St. Pölten darf nicht Klagenfurt werden

Landeshauptleute und ihre Fußball-Klubs. Dafür gibt es im Süden Österreichs ein mahnendes Negativ-Beispiel.

Jörg Haider hat gleich zwei Vereine aus Klagenfurt in den Ruin geführt. Zunächst den FC Kärnten, nach dessen Konkurs auch Austria Kärnten. Abfallprodukt dieser Megalomanie ist ein mit Steuergeldern finanziertes Stadion, das nur noch sporadisch genutzt wird.

In St. Pölten geht Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll einen vorsichtigeren Weg. Auch er forciert einen Fußball-Klub, der zum Aushängeschild des Bundeslands werden soll. Dabei setzte die Landesregierung bisher auf eine langsame und nachhaltige Entwicklung. Nach dem Aufstieg in die Erste Liga vor sechs Jahren wurde die Mannschaft, gespeist aus Talenten der Fußballakademie St. Pölten, behutsam verstärkt. Dazu wurde mit der Fertigstellung der NV Arena im Jahr 2012 eine Bundesliga-würdige Infrastruktur geschaffen.

Nun geht es den Vereinsbossen des SKN aber nicht schnell genug mit den ambitionierten Zielen. Der Aufstieg in die erste Spielklasse soll endlich realisiert werden. Deswegen scheint die Politik selbst in die sportlichen Angelegenheiten eingegriffen zu haben. Alte, verdiente Kräfte wie Sportdirektor Christoph Brunnauer mussten gehen. Stattdessen wurde mit Frenkie Schinkels ein Zeitungskolumnist geholt, der als Günstling des Landeshauptmanns gilt, sowie als Testimonial für Hauptsponsor Hypo Niederösterreich arbeitet. Das riecht förmlich nach einer Anstellung auf Basis von Vitamin B.

Schon Ernst Happel beteuerte bei seinem Engagement als ÖFB-Teamchef 1991, die Einmischung der Politik in den Fußball sei das größte Übel des österreichischen Fußballs. In St. Pölten sollte man sich die Worte des großen Trainers zu Herzen nehmen. Neo-General-Manager Blumauer hat die richtigen Ideen. Ihn gilt es in Ruhe arbeiten zu lassen. Anstellungen müssen auf Grundlage eines Anforderungsprofils getroffen werden, nicht wegen bester Beziehungen zum Hauptsponsor.

Ansonsten muss St. Pölten noch länger auf den lang ersehnten Aufstieg warten. Die beiden Konkurs-Vereine aus Klagenfurt sollten ein warnendes Beispiel sein.

 

Ein Kommentar von Jakob Faber

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