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Zeitlupe Altmann

 

Beim Meister rumort es

Guat is gangen, nix is gschehn!

Nüchtern betrachtet, ist der Saison-Start des SK Sturm geglückt. In der Champions-League-Qualifikation gegen Videoton eine Runde weitergekommen, in der Bundesliga auswärts beim unangenehmen Gegner Ried trotz dürftiger Leistung einen Punkt ergattert. Ein Zeichen von Abgeklärtheit und Routine der einstmals als „junge  Mannschaft“ gebrandmarkten Grazer.

Dennoch rumort es beim Meister.

Dies liegt, wie so oft beim steirischen Traditionsverein, auch an den Rahmenbedingungen, die das Umfeld vorgibt. Derart viele Flanken für Kritikpunkte zu öffnen, kann beinahe schon als Fahrlässigkeit eingestuft werden. Die dringendsten Beispiele:

Ein neuer Sportdirektor? Ja, nein, weiß nicht – seit dem unschönen und durch monatelange Hinhalte-Taktik provozierten Abgang von Oliver Kreuzer herrscht Flaute bezüglich eines Nachfolgers. Dieser Tage soll der neue Mann präsentiert werden, heißt es. Ein „echter“ Sportdirektor oder eine administrative Hilfe des Sportdirektors Franco Foda? Wie genau sich der Vorstand die Job Description des Sportkoordinators vorstellt – man weiß es nicht. Kommunikation der Ideen? Wie gewohnt kaum vorhanden.

Ein neuer Innenverteidiger? Eines vorneweg: Es ist Präsident Gerald Stockenhuber anzurechnen, dass er die Linie, nur Geld auszugeben, das man auch hat, durchzieht. Als einstiger Konkursverein ist Sturm ein gebranntes Kind. Bloß passt diese Linie nicht immer mit der Realität am Transfermarkt zusammen – noch dazu, wenn im Titel-Rausch mutmaßlich nicht jede Vertragsverlängerung (sprich Investition) ausschließlich über den Tisch der sportlichen Leitung erfolgte. Es war absehbar, dass man zu Saisonbeginn mit nur zwei gestandenen Innenverteidigern dastehen würde – natürlich viel zu wenig. Ähnliches gilt für das zentrale Mittelfeld. Als man mit potenziellen Alternativen wie Niklas Hoheneder oder Thomas Prager verhandelte, wollte die Vereinsführung nicht in finanzielle Vorlage treten. Vom Verbleib des bisherigen Kapitäns Mario Kienzl ganz abgesehen. Ein akzeptabler, aber nicht gänzlich glücklicher Weg.

Das Umfeld? Dass man die Strukturen bei Sturm nicht unbedingt als meisterlich bezeichnen kann, ist bekannt. Marketing? Ausbaufähig. Pressebetreuung – sprich im modernen Medienzeitalter unabdingbare proaktive Kommunikation? Ein Nebenjob. Das angedachte AG-Modell? Bis heute ein Luftschloss. Und, und, und… Schade um das in vielen Bereichen brach liegende Potenzial.

Zu den Problemfeldern kommen durch den Meistertitel gestiegene Ansprüche – ein natürlicher Prozess. Die Mannschaft fühlt sich für die bisherigen Leistungen teilweise zu Unrecht kritisiert, der Trainer wiederum reagiert auf die bisherigen Leistungen mit einer Art "Interviewverbots-Empfehlung" für die Spieler.

Die Nerven sind offenkundig angespannt. Für Österreichs Fußball wäre es wünschenswert, wenn Sturms Kicker selbige weiter wie in den brenzligen Situationen gegen Videoton bewahren würden. Dennoch: Wie lange geht’s noch gut, wenn im Umfeld nix geschieht?

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