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Verfrühte Euphorie? Nein, danke!

„Ich weiß schon, was ich tue.“

Es gibt kaum uneitlere Trainer als ÖFB-Teamchef Marcel Koller, es ist also nicht so, dass beim Schweizer nach der Sechs-Punkte-Woche des Nationalteams plötzlich Arroganz ausgebrochen wäre.

Aber mal abgesehen davon, dass es in der Position des 53-Jährigen eine Grundvoraussetzung ist, von seinen Entscheidungen überzeugt zu sein, sei Koller der Hinweis darauf vergönnt, dass er mit diversen heftig kritisierten Personalentscheidungen richtig lag. Er tat dies ohnehin erst auf Nachfrage.

Egal ob die umstrittene Tormann-Wahl des auf Vereinsebene eher glücklosen Robert Almer, das Festhalten am nach Australien übersiedelten Marc Janko oder das Vertrauen in den lange verletzten und bei Schalke zuletzt selten in Topform agierenden Kapitän Christian Fuchs, die Treue in seine Auserwählten zahlte sich bislang aus.

Das wurde gerade in der abgelaufenen Länderspiel-Woche wieder deutlich sichtbar. Auch am Beispiel Marko Arnautovic. Es wäre ein Leichtes gewesen, den polarisierenden Premier-League-Legionär im Laufe des gemeinsamen Weges auszusortieren. Argumente dafür hätte es vermutlich gegeben. Doch Koller erkannte dessen Qualität und entschied sich dafür, beharrlich am einstigen Bad Boy zu feilen. Eine Arbeit, die übrigens bei weitem nicht abgeschlossen ist.

Das Zwischenfazit nach den ersten drei EM-Quali-Spielen fällt also positiv aus. Der Start ist geglückt – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Denn eines kann man nun kaum gebrauchen: das Verlieren der Bodenhaftung. Freude ja, aber verfrühte Euphorie? Nein, danke.

Freude vor allem über die Entwicklungsschritte dieses Teams, das inzwischen in der Lage ist, Gegner wie Schweden oder Montenegro spielerisch zu dominieren, aber auch in schwierigem Ambiente wie in Moldawien mit anderen Stilmitteln Ergebnisorientiertheit an den Tag zu legen. Dieser Reifeprozess ist erstens spannend zu beobachten und zweitens definitiv noch nicht beendet.

Dafür, dass im und rund um das Team niemand abhebt, trägt Koller Sorge. Auch diesbezüglich weiß er nach knapp drei Jahren in Fußball-Österreich, was zu tun ist.

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