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Zeitlupe Altmann

 

In einer perfekten Traumwelt...

David Alaba verlässt Arm in Arm mit Aleksandar Dragovic den Trainingsplatz in Bad Tatzmannsdorf zur anstehenden Laufeinheit. Seinen zweiten Arm will der Bayern-Jungstar um Marko Arnautovic legen. Dieser entzieht sich jedoch der nett gemeinten Sympathiebekundung.

So weit, so harmlos - so vielsagend.

Arnautovic versucht offensichtlich alles, um gar nicht erst den Eindruck aufkommen zu lassen, dass er für Gruppenbildung innerhalb des Nationalteams sorgen würde.

Noch sind sie viel zu frisch in Erinnerung, die Schlagzeilen rund um den Kabinen-Eklat in Istanbul, oder jene rund um die „Arnautovic-Gang“, der vor allem Youngsters wie Dragovic oder Alaba angehören würden.

Auch sein Schweigegelübde – vor dem Prestige-Duell mit Deutschland will sich der 22-Jährige nicht öffentlich äußern – passt ins Bild. Eine kluge Entscheidung, zumindest zu versuchen, den medialen Scheinwerfer weg vom charismatischen Werder-Legionär zu richten.

Dass dies nicht zu 100 Prozent gelingen wird, liegt auf der Hand. Die eine oder andere Schlagzeile weniger schadet jedoch definitiv nicht, bei einem ebenso schwierigen wie wichtigen Unternehmen.

Denn in den kommenden Spielen geht es um nichts weniger als die Beantwortung der Frage: Kann Österreich auf längere Sicht mit der Unterstützung von Arnautovic rechnen oder ist es sinnlos, weitere Versuche zu starten?

Welche Variante wünschenswert wäre, muss nicht extra erwähnt werden. In einer perfekten Traumwelt wäre ein ausschließlich auf den Fußball fokussierter Arnautovic auf Jahre eines der größten Aushängeschilder des rot-weiß-roten Kicks.

Dass Arnautovic selbst den Schlüssel zu seinem Glück in der Hand hält, ist klar. Ebenso klar ist, dass es ohne Good Will seiner – teils von seinem Verhalten irritierten – Kollegen nicht funktionieren wird. Martin Harnik hat schon Recht, wenn er meint, dass die Mannschaft Arnautovic auffangen müsse.

Ob es gelingt, wird eines der spannenden Themen dieses Länderspiel-Herbsts. Genau wie die Zukunft des Betreuerstabs um Teamchef Didi Constantini.

Leider ist dem Tiroler gerade rund um die beiden wichtigsten Bewährungsproben dieser Qualifikation (Belgien und Türkei) das Mannschaftsgefüge entglitten. Für das darauffolgende Handling der Causa Arnautovic darf man dem 56-Jährigen jedoch bei aller sonst berechtigten Kritik auch ein Lob aussprechen.

Constantini hat mit der temporären Verbannung von Arnautovic ein deutliches Zeichen gesetzt, die Türe zum Nationalteam für die launische Diva jedoch nie ganz zufallen lassen. Nun ist das Ausnahmetalent wieder an Bord, die Chance auf eine Zukunft in der ÖFB-Elf ist intakt. Der Kabinen-Eklat von Istanbul hätte so gesehen noch viel größere Sprengkraft entwickeln können.

In der ZDF-Sportreportage amüsierten sich die deutschen Kollegen – mit gutem Recht – über die „Trottel-Affäre“ rund um Manfred Zsak und Franz Wohlfahrt: „Eine sinnfreie Kommunikation der beiden naiven Wortakrobaten.“

In besagter perfekter Traumwelt könnte sich am Freitag Fußball-Österreich über ein gelungenes Arnautovic-Comeback amüsieren – oder ist diese Hoffnung letztlich doch zu naiv…?

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