UEFA-Studie enthüllt schockierende Doping-Zahlen

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Doping im Fußball?

„Im Fußball macht’s nicht wirklich Sinn“, erklärte Mehmet Scholl.

„Dass die Spieler glauben, damit können wir uns weiterhelfen – so funktioniert das Fußballgeschäft überhaupt nicht“, hielt Jürgen Klopp nach Bekanntwerden der Praktiken in Freiburg ein systematisches Betrügen für realitätsfern.

„Völlig uneffektiv, weil wir eine Mischsportart sind, eine technisch-taktische Komponente haben“, schob auch Robin Dutt jeglichen Anhaltspunkten einen Riegel vor.

Während sich Radsportler, Leichtathleten, Langläufer oder Gewichtheber seit Jahren mit der leidigen Thematik auseinandersetzen müssen und permanent Vorurteilen ausgesetzt sind, reichen solche Statements im Fußball aus, um für Ruhe zu sorgen.

Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken

Dabei sind die eben erwähnten Aussagen erwiesenermaßen kompletter Unsinn. Natürlich können sich Kicker mit unerlaubten Mitteln einen Vorteil verschaffen. Die Spannweite reicht von verkürzten Verletzungszeiten über höhere Aufmerksamkeit bis hin zur deutlich größeren Ausdauer, sodass ein Spieler auch in der Nachspielzeit nach einer Laufleistung jenseits der 10-Kilometer-Marke den Turbo zünden und einen 50-Meter-Sprint hinlegen kann.

Doch nicht nur aktive und ehemalige Fußball-Größen verweigern sich der Problematik und schweigen diese am liebsten tot, auch die großen Verbände verschließen nur allzu gern die Augen vor der Realität.

Dabei fängt der Fisch bekanntlich vom Kopf an zu stinken, sodass gerade diese Köpfe mit gutem Beispiel vorangehen sollten. Die Union of European Football, kurz UEFA, wagt aktuell einen Versuch und rühmt sich schon vorab mit dem „größten Anti-Doping-Programm in der Geschichte des europäischen Fußballs“.

Der Blutpass hält Einzug

Der Blutpass soll in der Welt des runden Leders Einzug halten und die Werte der Spieler langfristig überwachen. Was von der UEFA als Meilenstein verkauft wird, lässt andere Verbände nur müde schmunzeln, werden die Daten von Triathleten, Radprofis oder Eisschnellläufern doch schon seit Jahren unter die Lupe genommen.

Der Paradigmenwechsel der UEFA, die sich in der Vergangenheit in puncto Doping-Bekämpfung nicht mit Ruhm bekleckerte, dürfte auf einem erschreckenden Hintergrund basieren.

Heimlich, still und leise wurde nämlich auch eine UEFA-Studie publiziert, die sich mit dem möglichen Missbrauch von Steroiden im Profifußball befasste. Das Resultat: 7,7 Prozent von 4.195 Urinproben zwischen 2008 und 2013 wiesen auffällige Testosteronwerte auf, die auf Doping mit anabolen Steroiden hinweisen.

Insgesamt betrifft es 68 von 879 getesteten Spitzenfußballern, die allesamt – aus welchen Gründen auch immer – anonym bleiben. Knapp zwei Drittel der Proben stammen aus der Champions League, der Königsklasse des Fußballs, mehr als 80 Prozent der ins Zwielicht geratenen Proben kommen von Teams der zehn großen Fußballverbände.

Besorgniserregende Zahlen

Zwei Dinge wirken im Speziellen besorgniserregend: Einerseits der bislang von der UEFA angegebene Durchschnittswert auffälliger Proben, der bei lediglich 1,3 Prozent liegt. Das verdeutlicht, dass der Verband bislang mit Naivität an die Sache heran ging und die Thematik nicht ernst genug nahm.

Andererseits handelt es sich hier ausschließlich um Steroide. Nicht eingeschlossen sind etwa Blutdoping – es gibt im Fußball eine verhältnismäßig geringe Anzahl an Bluttests – oder Wachstumshormone.

Der Mantel des Schweigens bleibt zwar aufgrund der Anonymität vorerst bestehen, doch langsam könnte auch im Fußball, der populärsten Sportart weltweit, die Fassade bröckeln.

Doping im Fußball? Ja, klar! Es wird höchste Zeit, dass man sich diesem Problem auch seriös stellt.

 
Christoph Nister 

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