Technik im Fußball: Ist die Regel-Revolution sinnvoll?

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Ja, technische Hilfsmittel sind notwendig!

Ein Kommentar von Kurt Vierthaler

Fußball ist ein Milliarden-Geschäft. In keiner Sportart wird weltweit so viel Geld lukriert, keine Sportart ist rund um den Globus so präsent.

So rasant sich Business und Spiel in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben, so wenig hat die FIFA diesen Entwicklungen am Spielfeld Rechnung getragen.

Bis jetzt. Denn am 5. Juli 2012 hat das International Football Association Board (IFAB), die oberste Regelbehörde, die Weichen für ein neues Zeitalter gestellt.

Künftig sollen ein Hawk-Eye zur Überwachung der Torlinie (Torkamera) sowie das sogenannte GoalRef-System (Chip im Ball) zum Einsatz kommen.

Heikle „Tor-oder-nicht-Tor“-Situationen wie jüngst beim entscheidenden EM-Gruppenspiel zwischen der Ukraine und England oder beim WM-Achtelfinale 2010 zwischen Deutschland und England werden demnächst der Vergangenheit angehören.

Die Technologie wird’s richten. Eine längst überfällige Entscheidung. Denn in anderen Welt-Sportarten wie Tennis, Eishockey oder Basketball sind technische Hilfsmittel schon seit geraumer Zeit Usus.

Die menschliche Wahrnehmung kann den immer schneller werdenden Abläufen nicht mehr vollends gerecht werden; sie kann und darf in brenzligen Situationen auch nicht mehr über Sieg oder Niederlage, Aufstieg oder Abstieg, Sein oder Nicht-Sein entscheiden.

Am Fußball-Business hängt mittlerweile einfach schon zu viel. Titel, Millionen, Existenzen. Die Technik wird zwar nicht alle Fehlentscheidungen verhindern, aber zumindest in vielen Bereichen minimieren.

Terrys Rettungsaktion bei der EM war wieder Stein des Anstoßes

Nein, technische Hilfsmittel sind überflüssig!

Ein Kommentar von Christian Frühwald

Nun ist es also auch im Fußball so weit: Ein technisches Hilfsmittel soll in Zukunft die Schiedsrichter entlasten und Fehlentscheidungen verhindern. Vorerst zumindest einmal bei der Frage: Tor oder kein Tor?

Womit wir schon beim ersten Problem dieser Neuregelung wären: Warum soll der Unparteiische nur bei der Tor-Frage unterstützt werden? Es gibt zahlreiche andere ebenfalls spielentscheidende Situationen, die weiterhin traditionell geahndet oder eben nicht geahndet werden. Ganz oder gar nicht  - ein bisschen schwanger geht nicht!

Doch selbst wenn es in Zukunft amerikanische Verhältnisse geben sollte (die TV-Sender würde es angesichts zahlreicher Werbe-Unterbrechungen sicherlich freuen), stehen die nächsten Probleme vor der Tür. Schließlich ist keines der in Frage kommenden Systeme hundertprozentig perfekt. Einen kleinen Raum für Irrtümer wird es auch weiterhin geben. Fragt sich nur, ob es dann überhaupt Sinn macht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu erzwingen. Denn flächendeckend können derart kostenaufwändige Systeme sowieso nicht eingeführt werden.

Zudem muss ich hier auch eine Lanze für alle Schiedsrichter brechen: In den meisten Fällen liegen die Herren in Schwarz sowieso richtig. Wir sprechen hier über eine verschwindend geringe Zahl von Fehlentscheidungen.

Zu all diesen logischen Gründen, die gegen einen Einsatz der Torlinien-Technologie sprechen, kommen auch emotionale dazu. Kein Sport spiegelt das Leben schöner als der Fußball wider. Seine Regeln können nicht in Buchhalter-Mentalität durchgesetzt werden. Er ist nicht aalglatt bewertbar. Fußball ist subjektiv. Er lebt von Diskussionen an Stammtischen und von den Menschen, die diesen Sport lieben und gestalten.

Seit knapp 50 Jahren wird über das Wembley-Tor gestritten.  Die „Hand Gottes“ ging in die Sportgeschichte ein. Wollen wir auf solche Legenden in Zukunft verzichten?

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