"Wieder ein Traumjob, genau wie früher der Fußball"

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In Neuseeland träumte Peter Hackmair plötzlich vom Fußball.

Davon, dass er das U20-Nationalteam des ÖFB 2007 zur WM-Titel führt (der vierte Platz in der Realität war ohnehin ein erfüllter Traum).

Davon, dass er seinem Freund und Ried-Kicker Thomas Reifeltshammer als Trainer Anweisungen gibt.

Davon, dass er mit seinem Förderer Paul Gludovatz das perfekte Timing seines Comebacks bespricht.

Der unruhige Schlaf symbolisierte, dass der 120-fache Bundesliga-Spieler doch noch nicht so ganz mit seiner wenige Monate zuvor beendeten Fußball-Karriere abgeschlossen hatte.

Wie dieser „innere Kampf“ gewonnen wurde, ist eine Episode seines neu erschienenen Buchs „Freig(er)eist“, in dem der frühere Ried- und Wacker-Innsbruck-Profi die Erlebnisse seiner Weltreise, die er gemeinsam mit Ehefrau Marie Therese in Angriff genommen hat, zu Papier bringt.

Nach „Träume verändern“ ist es bereits das Zweitlings-Werk des 27-Jährigen – und ja, wir sind durchaus stolz, dass unser LAOLA1-Kolumnist so erfolgreich in die „Karriere nach der Karriere“ gestartet ist.

Zu erwerben gibt es dieses potenzielle Weihnachtsgeschenk unter anderem auf www.pa-hackmair.at – der Clou: Jeder Käufer darf selbst entscheiden, welcher Preis ihm das Buch wert ist.

Im LAOLA1-Interview gibt Hackmair Einblicke in seine Weltreise und verdeutlicht, dass sich Mut zur Veränderung bezahlt macht.

LAOLA1: Was erwartet den Leser in deinem neuen Buch?

Peter Hackmair: In „Freigereist“ geht es um die Weltreise, die ich mit meiner Frau gemacht habe. Wir sind 15 Monate durch die Welt gegondelt. Es war eine Reise, die mich verändert und mein Wertesystem auf den Kopf gestellt hat.

LAOLA1: Welche Länder habt ihr besucht?

Hackmair: Wir sind in Indien gestartet, waren dann in Neuseeland, Australien, auf Bali, in den USA, Kolumbien, noch einmal in Neuseeland und Hongkong. Wir haben geschaut, dass wir möglichst viele Kontraste in die Reise reinpacken, um möglichst viele Kulturen kennenzulernen. Das war genau das Richtige. Wir würden nichts anders machen. Es war extrem lehrreich und spannend.

LAOLA1: Du hast gemeint, die Reise hätte dein Wertesystem auf den Kopf gestellt. Was macht solch ein Trip mit einem Fußballer, der gerade seine Karriere beendet und zuvor alles dem Fußball untergeordnet hat? Es ist vermutlich eine Umstellung, wenn man aus der geschützten Werkstätte raus ist…

Hackmair: Genauso ist es. Ich habe mein Leben dem Fußball untergeordnet. Das waren in Wahrheit 20 Jahre, sechs davon als Profi. Ich möchte keinen Tag davon missen, das war eine wunderschöne Zeit. Ich habe jedoch am Ende der Karriere gemerkt, dass es mich nicht mehr zu 100 Prozent glücklich macht. Insofern war die Zeit für eine Veränderung reif. Der Loslösungsprozess war sicher kein einfacher, das hat Monate gedauert. Es war jedoch wunderschön, das Kapitel abschließen zu können, Danke zu sagen, aber frei zu sein für alles, was dann im Leben noch ansteht. Diese Freiheit wollte ich dann mit meiner Frau auf einer Weltreise leben.

LAOLA1: Wie lebt es sich ohne den aus dem Fußball gewohnten geregelten Tagesablauf, wenn man plötzlich die Freiheit hat, einmal drei Tage lang nichts zu tun?

Hackmair: Das Nichtstun ist der Mythos, der auf einer Weltreise liegt – und sportlich war es wirklich so. Ich habe nach meiner Reha einen Cut gemacht und gesagt: Ab jetzt trainiere ich dann, wenn es mir Spaß macht und nicht, wenn ich muss. Das war ja jahrelang das Thema, auch wenn ich es abgesehen von meinen Reha-Phasen gerne gemacht habe. Es war besonders schön, einfach in den Tag reinleben und jeden Tag spontan entscheiden zu können. Bleiben wir im Bett, im Camper oder im Zelt liegen? Machen wir eine Wanderung? Oder erkunden wir die nächste Stadt? Oder arbeiten wir? In Neuseeland haben wir ja dann auch gearbeitet, um unsere Reisekassa wieder zu füllen. Ich war zum Beispiel als Schiedsrichter im Jugend-Fußball tätig. Ich war nie ein Spieler, der Referees kritisiert hat, aber ich muss ehrlich sagen: Nach dieser Erfahrung möchte ich mit keinem Schiedsrichter tauschen, das ist ein schwieriger Job!

Hackmair als Schiedsrichter bei Jugend-Spielen in Neuseeland

LAOLA1: Deine „Zweitkarriere“ scheint indessen mehr als ein Hobby zu werden, oder?

Hackmair: Genau. Es ist sozusagen die Wende gelungen. Vor allem mit dem Zweitwerk habe ich sehr viel vor. Ich möchte mit „Freigereist“ die Buchwelt erobern. Es macht riesigen Spaß, es ist wieder ein Traumjob, genau wie es früher der Fußball war. Wir werden sehen, wo die Reise hingeht. Was ich definitiv sagen kann: Das Ende der Fußball-Zeit und der Weltreise hat sich viel mehr wie ein Neubeginn angefühlt. Ich freue mich auf alle Herausforderungen, die auf mich zukommen. Ich lebe jetzt in Wien, treffe auf viele spannende und inspirierende Leute, die mir immer wieder Ideen in den Kopf setzen, die ich dann weiterentwickle. Es gibt auch schon die Idee für ein nächstes Buch. Insofern steht mir einiges bevor, und ich bin voller Euphorie und Elan dabei.

LAOLA1: Apropos Euphorie: Einige deiner Mitspieler bei der U20-WM 2007 befinden sich auf einem sehr guten Weg in Richtung EM 2016. Wie sehr fieberst du mit den Burschen mit?

Hackmair: Ich schaue mir natürlich meinen Herzensklub, die SV Ried, die Champions League und Länderspiele an. Viel mehr ist derzeit nicht, aber es freut mich einfach riesig, dass Zlatko Junuzovic, Martin Harnik, Sebastian Prödl und Co. ihren Weg so toll bestreiten. Ich habe die größte Freude, wie sich das Nationalteam weiterentwickelt hat. Hut ab vor dem, was sie in den letzten Jahren geleistet haben. Wenn ich zurückdenke, dass wir damals mit der U20-WM eigentlich am Beginn waren, ist es schön, diese Entwicklung zu beobachten.

LAOLA1: Warum gehört „Freigereist“ unter jeden Weihnachtsbaum?

Hackmair: „Freigereist“ gehört für jeden unter den Weihnachtsbaum, der jemanden in seiner Familie oder im Freundeskreis hat, der an einer Weltreise und an anderen Kulturen interessiert ist. Es ist aber auch ein Buch für diejenigen, denen der eine Schritt zum Mut zur Veränderung fehlt, die vielleicht nicht loslassen können. Da möchte ich als gutes Beispiel vorangehen, dass sich Mut immer lohnt, auch wenn der erste Schritt der schwierigste ist. Ich glaube, dass das Buch sehr zum Nachdenken anregt und den einen oder anderen vielleicht näher an seinen Traum oder seine Vision bringt.

Das Gespräch führte Peter Altmann

 

LAOLA1:Du hast deine Erlebnisse zu Buch gebracht. Ist dir irgendein Highlight besonders in Erinnerung geblieben?

Hackmair: Es wäre fast unfair, wenn man eines rausnimmt. Natürlich hat mich Indien extrem inspiriert. Wir haben dort ein Sozialprojekt besucht, von dem wir als Paten bereits Teil waren. Wir haben dort mit Kindern gearbeitet, die ein paar Wochen davor noch auf der Straße gelebt haben. Im Projekt „Zukunft für Kinder“ bekommen sie eine Chance. In Neuseeland gab es – cirka zwei, drei Monate nach dem Start der Reise – einen sehr emotionalen Moment, als ich endgültig mit dem Fußball abgeschlossen habe. Ich bin in unserem Camper gesessen und habe einfach einmal nur geweint – vor allem aus Freude darüber, was ich alles erleben durfte. Als Land hat mich sicher Neuseeland am meisten begeistert. Die Leute sind sehr relaxed, es herrscht ein chilliger Grundton. Es steht im Vordergrund, das Leben zu genießen. Erst dann kommt die Arbeit. Das hat mich schon auch inspiriert.

LAOLA1: Wie haben eigentlich deine Ex-Kollegen aus der Fußball-Szene auf deine Weltreise reagiert? Ist ein bisschen Neid dabei, wenn man so frei leben kann?

Hackmair: Ich glaube nicht. Ich glaube, viele könnten mit so einer Freiheit überhaupt nichts anfangen – und ich war ja vor zwei, drei Jahren genauso. Ich sage auch immer dazu: Es war ja eigentlich der Traum meiner Frau, eine Weltreise zu machen. Nach meiner Karriere habe ich Zeit gehabt und mir gedacht: Dann gehe ich halt einmal mit, schauma, was passiert – eher mit dem Hintergedanken, nach zwei, drei Monaten wieder zurückzukommen und mich jobtechnisch zu verändern. Insofern glaube ich, dass meine Ex-Kollegen gar nicht so wirklich wüssten, wie sie die Freiheit nutzen, weil sie auf den Fußball fokussiert sind. Und das ist ja in Ordnung, weil man nur so seine Leistung steigern oder zumindest halten kann. Der Profifußball erfordert das.

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