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Japan zum ersten Mal Weltmeister im Frauen-Fußball

Japans Frauen sind erstmals Fußball-Weltmeister.

Die Asiatinnen setzten sich am Sonntagabend im Finale vor 48.817 Zuschauern in Frankfurt am Main mit 3:1 im Elferschießen gegen Topfavorit USA durch.

Nachdem den ersten drei US-Spielerinnen - Shannon Boxx, Carli Lloyd und Tobin Heath - die Nerven im "shootout" versagt hatten, entschied Saki Kumagai mit ihrem verwandelten Versuch das Finale zugunsten des Außenseiters.

Japan glich zwei Mal aus

Alex Morgan (69.) und Abby Wambach (104.) brachten das US-Team zunächst in der regulären Spielzeit sowie der Verlängerung in Führung.

Doch Aya Miyama (80.) und Homare Sawa (117.) erzwangen mit ihren Ausgleichstreffern ein halbstündiges Nachspiel bzw. das Elferschießen, in dem Japan erstmals den zweifachen Weltmeister (1991, 1999) bezwang und damit den mit Abstand größten Erfolg feiern durfte.

Bisher war die Viertelfinal-Teilnahme 1995 in Schweden, in dem es ein 0:4 gegen die USA gesetzt hatte, das Maximum gewesen.

Der Topfavorit aus Nordamerika dominierte das Endspiel zunächst eindeutig. Bereits in der 15. Minute landete ein Schuss von Megan Rapinoe aus spitzem Winkel an der Außenstange, in der 29. Minute bewahrte den Bezwinger von Gastgeber und Titelverteidiger Deutschland die Latte nach einem Weitschuss von Wambach vor einem Rückstand.

Morgan trifft zur Führung

In dieser Tonart ging es zunächst auch nach der Pause weiter: Die in der Halbzeit eingewechselte Morgan scheiterte ebenfalls am Torgebälk (49./Stange).

Doch 20 Minuten nach dieser Szene durften die 22-jährige Ersatzspielerin und ihre Teamkolleginnen jubeln. Nach einem blitzschnellen Konter und weiten Pass von Rapinoe ließ Morgan der japanischen Schlussfrau Kaihori mit ihrem Schuss ins lange Eck keine Chance.

Die Freude über diese Führung währte aber nicht zu lange, denn den ersten Abwehrfehler des US-Teams nutzte Aya Miyama eiskalt aus und traf zum Ausgleich (80.).

Nach einer kurzen Phase der Verunsicherung setzten die von der Schwedin Pia Sundhage betreuten US-Frauen ihre Dominanz in der Verlängerung fort.

Und ihre Offensivbemühungen wurden schließlich ein weiteres Mal belohnt: Nach einer Idealflanke von Morgan, die sich auf der Seite durchgetankt hatte, war Wambach mit dem Kopf zur Stelle.

Wambachs 122. Treffer

Es war bereits Wambachs 122. Treffer für die Nationalmannschaft, der aber nicht zum angestrebten dritten Titel reichen sollte.

Denn die Japanerinnen drängten in der Folge vehement auf den Ausgleich, den Sawa nach einem Eckball auf spektakuläre Weise erzielte (117.), womit sich die 32-Jährige zur Torschützenkönigin (fünf Treffer) sowie besten Spielerin des Turniers krönte und es zum Elferkrimi kam.

Zwei Elfer pariert

In diesem parierte Kaihori die Schüsse von Boxx und Heath und hatte damit maßgeblichen Anteil am Happy End der von Norio Sasaki trainierten Frauen aus dem Reich der aufgehenden Sonne, das heuer im März durch die Erdbeben-, Tsunami-und Atom-Katastrophe so schwer getroffen worden ist.

Vor dem großen Finale hatten 1.200 Freiwillige im WM-Stadion in Frankfurt eine bunte, gut zehnminütige Abschiedsfeier zum Besten gegeben. Wie erwartet fieberte auch Deutschlands höchste Polit-Prominenz bei der letzten Partie der WM 2011 live mit.

Kanzlerin Angela Merkel feierte ihren 57. Geburtstag beim Endspiel, Altkanzler Helmut Kohl und Bundespräsident Christian Wulff saßen ebenfalls auf der Ehrentribüne.

Meinungen zum Spiel:

Homare Sawa (Kapitänin Japan): "Wir haben alle unser Selbstvertrauen bis zum Ende bewahrt, an uns geglaubt und deshalb haben wir am Ende gewonnen. Wir sind total glücklich über diesen WM-Titel. Jetzt sind wir die Nummer eins der Welt."

Pia Sundhage (US-Trainerin):
"Die Japanerinnen haben gut gespielt. Wir hätten unsere Chancen nutzen müssen. Die kleinen Details machen in so einem Finale den Unterschied aus."

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