Blatter für vier weitere Jahre FIFA-Präsident

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Joseph Blatter bleibt der Herrscher der Fußball-Welt.

Doch sein Thron hat kräftig gewackelt. Mit seinem untrüglichen Machtinstinkt hat der heftig kritisierte FIFA-Präsident nach dem jüngsten Skandal alle Angriffe abgewehrt.

Nach einem denkwürdigen Kongress inklusive Bombendrohung geht er in seine fünfte Amtszeit beim schlingernden Fußball-Weltverband.

"Die FIFA der Zukunft muss ihre Rolle spielen, die Rolle der Einheit", rief Blatter den Delegierten aus den 209 Mitgliedsländern zu, die er nun für vier weitere Jahre anführen kann. Seine Wahl wurde von vielen Delegierten mit Jubel quittiert.

Prinz Ali gibt auf

Der 79-jährige Schweizer wurde am Freitag beim FIFA-Kongress im Hallenstadion von Zürich trotz des massiven Korruptionsskandals um führende Mitglieder seiner Fußball-Regierung mit 133:73 Stimmen gegen seinen einzigen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein gewählt.

Da Blatter die Zweidrittelmehrheit im ersten Durchgang verpasste, wäre eigentlich ein zweiter Wahlgang nötig gewesen. Doch der Jordanier verzichtete auf diesen, da die im zweiten Durchgang nötige einfache Mehrheit (105) außer Reichweite schien. Für Blatter gab es in der geheimen Abstimmung die zweitmeisten Gegenstimmen seiner jetzt schon 17 Jahre währenden Regentschaft - die ihm selbst "ganz kurz vorkommt".

"Image verbessern"

"Fußball gibt Emotionen und Hoffnungen. Die müssen bestehen bleiben - auch für uns", sagte Blatter. "Wir müssen unser Image wieder verbessern. Morgen müssen wir damit anfangen."

Mit diesen Worten stach der FIFA-König den Prinzen aus. Al-Hussein hatte eine recht fade Rede gehalten und keine Alternative aufzeigen können. "Ich verspreche euch, dass ich mich nicht hinter euch verstecken werde, wenn die Dinge schlecht laufen", sagte Al-Hussein. Blatter bestach mit simplen Versprechungen: "Ich will eine schöne FIFA."

Europäische Opposition

Das knappe Ergebnis ist dennoch Ausdruck einer starken, aus Europa gesteuerten Opposition um UEFA-Boss Michel Platini und dem Deutschen Wolfgang Niersbach. Der DFB-Präsident wird erst in den kommenden Tagen oder gar Wochen endgültig entscheiden, ob er unter Blatter sein neues Amt im FIFA-Exekutivkomitee auch ausüben wird.

Schon am Samstag könnte es zu einem Kräftemessen zwischen Blatter und Fußball-Europa kommen, wenn in Zürich das neue Exekutivkomitee über die WM-Startplätze 2018 und 2022 entscheidet. Auch ÖFB-Präsident Leo Windtner, der so wie die meisten UEFA-Mitglieder sein Votum für Prinz Ali angekündigt hatte, hoffte auf keine Änderungen.

"Ich erwarte jetzt, dass es bei den WM-Startplätzen für Europa keine Reduktion geben wird", erklärte Windtner gegenüber der APA -Austria Presse Agentur unmittelbar nach der Entscheidung. Dass es Blatter nicht im ersten Wahlgang geschafft hat, ist ein gewisses Signal an ihn und an die FIFA", meinte der Oberösterreicher.

Eine Marathonsitzung

Nach einer zehnstündigen Marathonsitzung mit einer Bombendrohung zur Mittagszeit und einer politisch hochbrisanten Palästina-Israel-Debatte konnte sich Blatter von seinen Unterstützern wieder feiern lassen. Doch bis dahin war es spannend im Hallenstadion. Hinter den Kulissen wurde spekuliert, ob der Vorsprung sogar entscheidend schmelzen könnte.

Die USA, Australien, Neuseeland und wohl auch Tunesien waren ins Lager des Prinzen gewechselt. Erstmals bei einer Blatter-Wahl stimmte keine Konföderation en bloc. Allein die Stimmabgabe und Auszählung zog sich über zwei Stunden, da auf Antrag der US-Amerikaner eine Wahl per elektronischem System abgelehnt wurde. Jede Stimme sollte auf Papier abgegeben werden.

"Macht mich verantwortlich"

Platini war in der Nacht vor der Abstimmung mit dem neuen FIFA-Exekutivmitglied Ahmad al Fahad al Sabah gesehen worden. Der Kuwaiti hatte seinen Ruf als einflussreicher Beschaffer von Mehrheiten schon bei der Wahl von Thomas Bach zum IOC-Präsidenten unter Beweis gestellt. Doch Blatter behielt die Mehrheit und versuchte Tatkraft zu transportieren.

Blatter will diese Rolle annehmen. "Man macht mich verantwortlich für den Sturm. Ich übernehme sie. Ich möchte emporsteigen. Ich möchte die FIFA neu gestalten, damit ich am Ende meines Mandats (2019, Anm.) eine solide FIFA weitergeben kann, eine FIFA, die den Sturm überstanden hat", sagte Blatter. Der Schweizer versprach die Einführung einer FIFA-Abteilung für Profifußball - das war eine Attacke gegen Platini, der mit der Champions League dieses Feld bisher beherrscht.

"Einzelpersonen" tragen die Schuld

Vor der Wahl hatte Blatter die Verantwortung für den jüngsten Korruptionsskandal mit Festnahmen von sieben Funktionären in Zürich inklusive seiner Ex-Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo auf Einzelne geschoben. "Die Schuldigen, wenn sie denn als schuldig verurteilt werden, das sind Einzelpersonen, das ist nicht die gesamte Organisation." Der Schweizer forderte angesichts des größten Bebens in der FIFA-Geschichte ein aktives Mitarbeiten der Mitglieder. "Heute rufe ich Sie zum Teamgeist auf, damit wir gemeinsam fortschreiten können. Wir sind zusammengekommen, um die Probleme anzupacken."

Die Kooperation aus Europa dürfte sich in Grenzen halten. Platini hatte einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen FIFA-Wettbewerben nicht ausgeschlossen. Eine weitere Option ist der kollektive Austritt der UEFA-Mitglieder aus dem FIFA-Exekutivkomitee. Die weitere Vorgehensweise wollen die Europäer bei einem UEFA-Meeting im Rahmen des Champions-League-Finales am 6. Juni in Berlin diskutiert.

Antrag zurückgezogen

Blatter hatte routiniert durch den Kongress geführt. Die diffizile Debatte zwischen den Fußball-Verbänden aus Palästina und Israel endete sogar mit einem symbolischen Handschlag der nationalen Verbandspräsidenten. Die Abstimmung über den Antrag Palästinas für einen Ausschluss Israels blieb Blatter so erspart. "Es liegt an Israel zu helfen und etwas mehr mit Palästina zu teilen", sagte Blatter zum Abschluss der mehr als halbstündigen Debatte.

Der palästinensische Verband hatte kurz vor der Abstimmung seinen Antrag auf einen Ausschluss Israels aus dem Weltverband zurückgezogen. Stattdessen soll nun eine Kommission die Bewegungsfreiheit der Spieler in der Region überwachen. Die FIFA-Mitgliedsverbände stimmten mit 165:18 Stimmen für einen entsprechend kurzfristig geänderten Antrag Palästinas. Und Blatter hatte seinen symbolträchtigen "Handshake for Peace".

 

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