Enzo Francescoli: Zidanes Inspiration

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Zinedine Zidane wurde damals noch von allen „Yazid“ gerufen und war ein kleiner Junge.

Doch er hatte sein Ziel bereits definiert.

Er wollte so sein, wie er. Der, dessen Poster er in seinem Kinderzimmer hängen hatte. Der, dem er so gerne beim Training zusah. Der, den er gelegentlich sogar im Stadion bewundern durfte.

Er war Enzo Francescoli. Uruguayer in Diensten von Olympique Marseille. Ein schmächtiger, ein wenig schlaksig wirkender Stürmer, dessen Eleganz nicht nur den kleinen Zidane verzauberte.

Das Um und Auf

Dabei hätte seine Statur ihm fast schon früh einen Strich durch die Rechnung gemacht. Penarol und River Plate Montevideo wollten Francescoli einst eben deswegen nicht in ihre Jugendabteilungen aufnehmen.

Anders die Montevideo Wanderers, bei denen er im Alter von 19 Jahren auch den Durchbruch in Uruguays höchster Liga schaffte. Der Hauptstadtklub war ziemlich unbedeutend und konnte Anfang der 80er Jahre nicht um den Titel mitspielen.

Der Mittelfeldspieler war das Um und Auf der Mannschaft und stach dementsprechend bald auch namhafteren Klubs ins Auge.

Zum Stürmer umfunktioniert

Anfang 1983 sicherte sich schließlich River Plate Buenos Aires die Rechte an ihm. Rund 350.000 US-Dollar sollen geflossen sein.

Doch die erste Zeit in Argentinien gestaltete sich schwierig. „River hatte mit Problemen zu kämpfen und ich habe einfach nicht die ideale Position für mich gefunden. Das änderte sich erst, als man mich als Stürmer einsetzte“, erinnert sich Francescoli.

Die treffende Tango-Zeile

Fortan lief es großartig. Der Ballzauberer erzielte Tor um Tor und schoss sich so in die Herzen der Fans. Bald wurde der „Uru“ nur noch „El Principe“ (der Prinz) gerufen.

Diesen Spitznamen verdankt er dem Journalist Victor Hugo Morales. Dieser beschrieb die Entstehung des Spitznamens einmal wie folgt: „Damals habe ich oft den Tango „Principe gehört und den Text gesungen, wo ich ging und stand.“

„Er machte ein Tor und ich habe spontan eine Zeile des Textes wiederholt: „Principe soy, tengo un amor y es el gol“ (Ich bin ein Prinz und meine große Liebe ist das Tor). Der Spitzname passte perfekt zu diesem Mann, der etwas melancholisch und traurig wirkte und sich wirklich bewegte wie ein Prinz.“

Francescoli spielte auch für Torino

Obwohl sich Francescoli am Ende der Saison Meister nennen durfte und mit elf Treffern der zweiterfolgreichste Torschütze im Olympique-Kader war, wurde er nach Italien verkauft.

Mit Cagliari und Torino suchte sich Francescoli während der vier Jahre am Stiefel jedoch zwei Klubs aus, die zu diesem Zeitpunkt nicht um Titel mitspielen konnten. Was sich wiederum nicht änderte, war die Liebe, die ihm die Fans entgegenbrachten. Auch die „Tifosi“ liebten den Spielstil des Ballkünstlers.

Erfolgreicher Karriere-Herbst

1994 kehrte der Superstar dem alten Kontinent wieder den Rücken und zu River Plate zurück. Ganz so, wie er es bei seinem Abgang vor sieben Jahren versprochen hatte.

Obwohl er seinen Zenit als Fußballer schon überschritten hatte, feierte der Kreative einige Erfolge: Vier Meistertitel, einmal Sieger der Copa Libertadores, einmal Sieger der Supercopa Sudamericana.

Auch auf Nationalteam-Ebene gelang dem 73-fachen Internationalen noch ein Triumph. Nach 1983 und 1987 holte der Stürmer mit Uruguay 1995 zum dritten Mal die Copa America. 1997 hing Francescoli schließlich die Fußballschuhe an den Nagel.

Das Treffen mit Zidane

Ein Jahr zuvor traf er übrigens in einem Spiel auf Zidane, der seinen Erstgeborenen zu Francescolis Ehren Enzo taufte, und schenkte diesem nach dem Schlusspfiff sein Trikot.

„Einige Zeit später habe ich gehört, dass er es im Trainingslager für die WM 1998 und bei Juventus zum Schlafen getragen hat. Das hat mich schon beeindruckt“, erzählte der Uruguayer.

Am 12. November feiert der Mann, der „Zizou“ derart inspirierte, seinen 50. Geburtstag.


Harald Prantl

Wechsel nach Europa

Torschützenkönig, Meister, Südamerikas Fußballer des Jahres und der erste Ausländer, der Argentiniens Fußballer des Jahres wurde – die „Gauchos“ liebten das Genie aus Uruguay. Und sie mussten ihn schon bald wieder ziehen lassen.

Kaum ein europäischer Top-Klub ließ es unversucht, eine Verpflichtung zu realisieren. Erfolgreich sollte Racing Club Paris, dessen Gönner Jean-Luc Lagardère zu dieser Zeit Unsummen in den Klub investierte, sein.

Unglücklich in Paris

Trotz der Investitionen blieb der Erfolg aber aus. Und Spaß hatte Francescoli auch keinen. Die mickrigen Zuschauerzahlen und die fehlende Leidenschaft in Frankreichs Hauptstadt machten ihm zu schaffen.

„Ich kann den Fußball nicht einfach als Arbeit ansehen und mich mit meinem großen Gehalt und dem Mercesdes Benz zufrieden geben. Ich brauche das Gefühl, dass der Fußball etwas Wichtiges für die Fans ist. Aber hier verlierst du 0:3 und niemand regt sich darüber auf“, jammerte er damals.

Nach drei Jahren durfte der Angreifer Paris endlich verlassen und unterschrieb in Marseille, wo Zidane schließlich sein Fußballer-Herz an ihn verlor.

Nach Marseille kam Italien

Das wusste der Südamerikaner damals freilich noch nicht. Was er aber wusste, war, dass Klub-Boss Bernard Tapie und Trainer Gerard Gili Chris Waddle und Abedi Pele an vorderster Front bevorzugten.

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