Ein Trainer will Rehabilitation

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„Es ist witzig! Jetzt ruft mich aus Belgien wieder jeder an und will Interviews“, lacht Paul Put.

Der Trainer hat es mit Burkina Faso überraschend ins Finale des Afrika-Cups 2013 geschafft. Das ist freilich auch den Medien in seiner Heimat nicht verborgen geblieben.

Es ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass dem Coach positive Schlagzeilen gewidmet werden. Denn eigentlich ist er in Belgien seit 2006 eine persona non grata.

„Zum Sündenbock gemacht“

Damals brachte der flämische TV-Sender „VRT“ einen riesigen Korruptions- und Wettskandal ins Rollen. Im Zentrum stand der chinesische Geschäftsmann Ye Zheyun. Mindestens 17 Spiele der ersten Liga soll er 2005 manipuliert haben.

Der belgische Verband reagierte verhalten, ließ die Ermittlungen schleifen und erhielt dafür harte Medien-Schelte. Letztlich wurden nur Lierse, der Kicker Hasan Kacic und eben Paul Put bestraft.

„Sie haben mich zum Sündenbock gemacht“, sagt der Coach, der drei Jahre lang gesperrt wurde, und versichert, „andere Teams haben dasselbe gemacht!“

Recherchen belgischer Medien bestätigen das, zahlreiche Vereine sollen involviert gewesen sein, vor allem jene, die in finanziellen Schwierigkeiten steckten.

„Meine Kinder wurden bedroht“

„Über 40 Leute waren dabei. Der gesamte belgische Fußball war zu dieser Zeit krank“, sagt Put heute.

Er selbst sei damals praktisch dazu gezwungen worden. „Ich wurde von der Mafia bedroht, meine Kinder wurden bedroht. Die Mafia hat mich mit Waffen und solchen Dingen bedroht. Es ist nicht schön, darüber zu sprechen, aber es ist die Realität“, so der 56-Jährige.

Sex-Partys und keine Hoffnung

Die Zeitung „La Derniere Heure“ berichtete im Zuge des Skandals, dass Ye Zheyun die damaligen Lierse-Kicker mit Enthüllungen über deren Sexualleben gedroht haben soll.

Die Mafia habe auf einem Schiff in Antwerpen Sex-Partys für die Spieler veranstaltet und danach angekündigt, den Ehefrauen und Freundinnen Bilder aus diesen Nächten zukommen zu lassen, sollten die Fußballer nicht kooperieren.

Put schiebt die Entscheidung von so manchem seiner damaligen Schützlinge auch auf finanzielle Probleme: „Das Team hatte damals nichts und war in einem sehr schlechten Zustand. Da war keine Hoffnung, kein Geld, nichts.“

„Ich habe noch etwas zu beweisen“

In seiner Heimat steht dem Teamchef von Burkina Faso noch ein Gerichtsverfahren bevor. Als Trainer wird er dort wohl nie wieder arbeiten.

Nachdem der Skandal publik wurde, suchte Put sein Glück in Afrika, war dort vier Jahre lang Nationaltrainer Gambias, ehe er seinen aktuellen Job antrat.

Auf eine Rückkehr nach Europa hofft er trotz seines dort immer noch miserablen Rufs: „Meine Ambition ist es, ein großes Team in einem großen Land zu coachen. Ich habe noch etwas zu beweisen.“


Harald Prantl

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