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Relegation: Es geht um alles!

Es ist das letzte Spiel dieser Saison.

Für den LASK und FC Liefering hat nach Monaten und vielen Partien die letzte Stunde der Spielzeit geschlagen - und es geht um alles!

Das Rückspiel der Relegation (20 Uhr, LIVE im TICKER) um den Aufstieg in die Erste Liga hat für beide Teams enorme Bedeutung. Die weitaus existenziellere aber für die Linzer.

Dem Traditionsklub wurde vergangene Saison die Lizenz verweigert, die Athletiker mussten nach über 60 Jahren wieder den bitteren Gang in den Amateur-Fußball antreten.

Hauptverantwortlich für den schnellen Umschwung

Doch nach der Verpflichtung von Trainer Karl Daxbacher, der 2007 mit dem LASK in seiner ersten Ära den Bundesliga-Aufstieg schaffte, ging es sportlich schnell bergauf. Die neue Zusammenstellung brachte Erfolg.

Der 60-Jährige war für Verpflichtungen von Spielern wie etwa Radovan Vujanovic - den 32-fachen Saisontorschützen kannte Daxbacher aus seiner Zeit bei den Austria Amateuren - ebenso hauptverantwortlich wie für den Gewinn der Meisterschaft in der Regionalliga Mitte.

Dabei setzte man sich bekanntlich gegen Sensations-Cup-Sieger Pasching durch - die Chance auf die sofortige Rückkehr war plötzlich wieder da. Eine Chance, die es für Daxbacher sofort zu nutzen gilt.

Es geht um die Zukunft

"Sonst wird es schwierig, das hat man schon beim GAK gesehen", erklärte die Austria-Ikone im April. Somit geht es im letzten Spiel der Saison für den LASK auch um die nächsten Jahre, auch um die Existenz, wenn das Beispiel GAK (2012 Spielbetrieb eingestellt) hernimmt.

Es könnte das letzte Spiel von Daxbacher als LASK-Coach sein, hat er doch schon vor Monaten erklärt, dass er bei einem Nicht-Aufstieg nicht in Linz bleiben werde (Hier zur Story).

Nun muss "Kaiser Karl" seinem exzellenten Standing in Linz einmal noch gerecht werden, gilt es doch ein 0:2 aus dem Hinspiel aufzuholen.

Schafft es "Kaiser Karl" noch einmal?

Hinter ihm und der Mannschaft werden dabei tausende Fans stehen, die laut Daxbacher "sicherlich trotz des Hinspiels kommen werden. Sie haben uns auch in Salzburg bis zum Schluss unterstützt. Da bin ich optimistisch."

Offenkundig zurecht. Denn sogar jene Fans, die als Protest gegen den umstrittenen Präsidenten Peter-Michael Reichel wegen "gebrochener Versprechen, Lügen, Herabwürdigungen" etc. sämtlichen Heimspielen nur von außen beigewohnt haben, kommen zum letzten Spiel.

Sie werden von Nöten sein, denn Daxbacher weiß um die Schwere der Aufgabe. Was man sich dennoch erwarten darf? "Einen stürmenden LASK, der alles versuchen wird. Ich traue uns zu, dass wir zwei Tore schießen."

Gameplan für Aufstieg

In den letzten Tagen stand neben psychologischer Aufbauarbeit auch die Analyse des Hinspiels an. Es liegt auch an Daxbacher und seinem Betreuer-Team, Lieferings starke Abwehr zu knacken, dessen Pressing zu umgehen und den richtigen Gameplan zu entwickeln.

Am Montag wusste er schon: "Liefering kann auch nicht so defensiv spielen, sie werden sicherlich versuchen, das Auswärtstor zu erzielen."

In erster Linie richtet der Trainer-"Sir" aber den Blick auf sein Team: "Wir müssen uns einfach mehr zutrauen als im Hinspiel."

Mehr gewohnten und erfolgreichen Kombinationsfußball, weniger planlose lange Bälle, heißt das Rezept, um den Rückstand aufzuholen und den großen Traum der Spieler und der Fans noch zu realisieren.

Lieferings Ziel

Der LASK hat diese Saison zu Hause alles gewonnen und nur einmal Remis gespielt. Nach dem 1:1 gegen Pasching zum Auftakt der Saison kommt nun eine ähnlich spielstarke Mannschaft auf die Gugl.

Und das Farmteam von Red Bull Salzburg will nach dem West-Titel und dem 2:0 im Hinspiel nun die Saison endgültig krönen.

„Wir sind auf dem Weg, aber noch nicht angekommen. Es werden noch interessante, schwierige Minuten, aber wir versuchen, das offensiv und mit Selbstbewusstsein anzugehen", erklärt Peter Zeidler gegenüber LAOLA1.

Der deutsche Coach der Salzburger weiß, was zu tun ist.

„Wir müssen da anknüpfen, wo wir in der zweiten Hälfte aufgehört haben. Vor der Pause hatten wir offensichtlich Probleme, aber danach waren wir aktiver, haben nach vorne gespielt, nach vorne verteidigt. Das wollen wir auch in Linz machen."

Rangnicks Hilfestellung

Auch hier wird Salzburg- und Leipzig-Sportdirektor Ralf Rangnick wieder zugegen sein und wenn notwendig seine Meinung in der Halbzeit kundtun. Zumal Zeidler unter ihm Co-Trainer in Hoffenheim war.

"Wir haben natürlich einen regen Austausch. Er hat in Salzburg auch gesehen, dass die erste Hälfte nicht unser Anspruch sein kann. Für die zweite Hälfte hat er uns gelobt und ist mit dem Zwischenergebnis natürlich zufrieden", so der 50-Jährige, der den Rat gerne annimmt.

"Er hat schon viele Spiele gesehen, war auch schon teilweise mit auf der Bank oder in der Kabine. Wir sehen Fußball gleich. Egal ob früher bei Hoffenheim, noch früher beim VfB oder jetzt bei Red Bull. Das kann helfen und ich nehme immer sehr gerne auf, wie er die Dinge sieht.“

Zeidlers Auftrag

Für Zeidler, der zwischen Hoffenheim und Liefering beim Zweitligisten FC Tours in Frankreich engagiert war, war diese Saison freilich auch eine Umstellung, weg von den großen Stadien in Deutschland und Frankreich.

"Es ist wichtig, dass man das mit Bescheidenheit angeht. Natürlich ist es ein großer Unterschied, wenn man in der Regionalliga zwischen Gasthaus und Kirche am Kunstrasen in Neumarkt spielt. Umso mehr freuen wir uns, wenn wir unser Ziel erreichen.“

Zeidler freut sich auch schon auf das Spiel vor vielen Fans, hat auch "viel Sympathie für Traditionsklubs wie den LASK, Rapid oder Austria".

Doch genauso hat er auch einen Auftrag: Aufstieg und damit Salzburg nach drei Jahren wieder die Möglichkeit zu geben, ein Team auch in der Ersten Liga zu stellen. Die Liga hatte 2010 Amateurteams in der zweithöchsten Spielklasse verboten. Salzburg umgeht das mit dem 2012 aus der Taufe gehobenen FC Liefering (vormals USK Anif), das von der Liga mit einer Lizenz ausgestattet wurde. (Daxbachers Kritik)

Auch Retorte zeigt Emotionen

Und an Herz und Emotion scheitert es beim jungen Team, das von den arrivierten Spielern Rene Aufhauser, Andreas Schrott, Wolfgang Mair und Mario Konrad geführt wird, sicherlich nicht.

"Wir leben Emotionen. Weil immer gesagt wird, Retorte hat keine Emotion: Da hat man uns nur am Montag zusehen müssen, oder alleine beim Trainieren."

Zeidler beim Coachen zuzusehen ist dahingehend Beweis genug. Ruhig stehen ist im Gegensatz zu Karl Daxbacher nicht sein Ding. Kurz nach der Pause stand er am Montag bei wenigen Plusgraden im kurzen Leibchen an der Seitenlinie.

"Das mache ich einfach so", lacht Zeidler und beteuert. "Wir leben aber alle mit." Kein Wunder, geht es eben auch für ihn und Liefering um viel.

Wie für alle Protagonisten, die sich am Donnerstag in einem würdigen Rahmen gegenüberstehen werden. Es ist das letzte Spiel der Saison, in dem es nicht nur um viel geht, sondern um alles.

 

Bernhard Kastler

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