Hieblingers Weckruf: "So kannst du nicht auftreten"

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Zwischen Himmel und Hölle.

Noch am Freitag feierte der LASK den Meistertitel der Regionalliga Mitte, am Montag folgte die Ernüchterung: 0:2 im Hinspiel der Relegation um den Aufstieg in die Erste Liga beim FC Liefering.

Es war für die Linzer die höchste Niederlage der Saison. In der Liga mussten die Oberösterreicher jeweils zwei 0:1-Niederlagen hinnehmen, im Cup-Viertelfinale scheiterte man mit 1:2 n.V. in Ried.

Vor allem das 0:2 in Minute 92 durch Joker Josip Coric schmerzte den Mitte-Meister sehr.

„Das zweite Tor tut uns natürlich sehr weh. Wir waren da nicht konzentriert genug, haben Fehlpässe produziert und Liefering diesen Treffer noch ermöglicht“, ärgerte sich Trainer Karl Daxbacher.

„Es geht um alles und wir gewinnen keine Zweikämpfe“

So hat sich die Ausgangslage vor dem Rückspiel am Donnerstag in Linz (20 Uhr, LIVE-Ticker) noch einmal drastisch verschlechtert. Dabei hatten die Linzer den besseren Start in die Partie.

„Wir haben ganz gut begonnen, aber dann den Faden verloren. In der zweiten Hälfte haben wir verabsäumt, die Räume eng zu machen und hatten ein zu großes Loch zwischen Abwehr und Mittelfeld. Liefering hat aber natürlich auch eine gute Mannschaft“, analysierte Wolfgang Klapf.

Der Linksverteidiger war freilich ebenso enttäuscht wie der Rest seiner Mannschaft, richtig sauer war aber sein Kapitän Mario Hieblinger, der kein gutes Haar an der Teamleistung ließ.

„Heute war sicher nicht mehr drin, wenn man den Kampf nicht annimmt. Wir fahren hierher, es geht um alles und wir gewinnen keine Zweikämpfe, sind meilenweit weg. So kannst du nicht auftreten.“

Weckruf zur richtigen Zeit

Die kurze Pause nach dem Leoben-Spiel will der Abwehrchef gar nicht als Ausrede hören: „Wir stellen den Anspruch eine Profi-Truppe zu sein und müssen damit leben. So sind wir nicht aufgetreten.“

Ein Weckruf zur richtigen Zeit. Denn für den LASK bleiben nur noch 90 Minuten, eine zuvor tolle Saison zu krönen und den Traditionsklub aus der Versenkung zurück ins Rampenlicht zu führen.

90 Minuten, in denen vor allem für den Verein vieles auf dem Spiel steht. Trainer Daxbacher würde etwa ebenso wie Top-Torschütze Radovan Vujanovic und weitere Spieler gehen.

Ein Aufstieg könnte für viele Jahre in weite Ferne rücken. Im schlimmsten Fall droht ein Schicksal wie dem GAK, der eine Saison nach der verlorenen Relegation den Spielbetrieb einstellen musste. Obwohl dies ob des Stellenwerts des Vereins in Linz und in Oberösterreich kaum vorstellbar ist.

Daxbacher: „Spieler müssen auch daran glauben“

Und noch sind solche Szenarien längst nicht Realität. Bereits am Donnerstag kann der Aufstieg doch noch gelingen. „Wir trauen uns zu, das noch aufzuholen. Ich glaube daran, das muss ich nur noch den Spielern einbläuen, damit sie daran glauben. Wir werden alles versuchen, um es noch zu schaffen.“

Klapf sieht es nüchtern: „Ein 0:2 ist kein Rückstand, den du locker aufholst. Aber wenn wir früh treffen, dann wird es spannend, je länger es 0:0 steht, desto schwieriger wird es.“

Daniel Kogler, der die LASK-Führung auf dem Kopf hatte, aber die Stange traf, weiß: „Jetzt wird es schon richtig schwer, aber wir sind immer für Tore gut.“

Daxbacher vertraut auf die Heimstärke der Schwarz-Weißen, die in dieser Saison vor heimischen Publikum weder in der Liga noch im Cup als Verlierer vom Platz gingen und nur einmal Remis spielten.

„Ich werde an die Spieler appellieren, vor allem mit den guten Spielen gegen Pasching und im Cup. Wir haben die Stärke auf der Gugl, wo wir kein Spiel verloren haben“, so der 60-Jährige.

LASK muss analysieren

Dafür muss eine umfassende Spielanalyse her, denn zum einen war das über 90 Minuten gesehen nicht das Gelbe vom Ei, zum anderen stand ein mehr als würdiger Relegationsgegner gegenüber.

„Wir haben zu viele lange Bälle gespielt, waren teilweise auch zu ungeduldig. Und uns als routinierter Abwehr darf das 0:2 so kurz vor Schluss nicht passieren“, erklärte etwa Klapf.

Daxbacher legte nach: „So lange wir kombiniert haben, waren wir stark. Dann haben wir mit langen Pässen begonnen und oftmals planlos den Ball weggeschlagen. Liefering hat gut Druck ausgeübt, da sind wir unsicherer geworden. Ich habe es versucht, in der Halbzeit anzusprechen. Ganz hinbekommen haben wir es aber nicht.“

Der 32-fache Liga-Torschütze Vujanovic war in diesem Spiel bei der Salzburger Innenverteidigung in persona Rene Aufhauser und Andreas Schrott abgemeldet.

„Liefering hat gepresst, der Ball wurde weit nach vorne gespielt. Da stehen Aufhauser und Schrott sehr stark und kommen die Qualitäten von Vujanovic auch nicht zum Tragen. Von der Seite haben wir auch zu früh geflankt als dass wir die Grundlinie hinuntermarschieren. Auch da wird es schwer für ihn, zudem hatte er nicht seinen besten Tag“, resümierte Daxbacher.

Liefering setzte Linzer matt

Liefering hatte dies alles allerdings auch erzwungen, setzte den Gegner nach der Pause matt. Nach etwas verschlafener Anfangsphase kamen die Salzburger immer besser ins Spiel und machten es dem LASK schwer. Sie zwangen die Linzer zu langen Bällen der Innenverteidiger, die zu nichts führten.

 „Am Anfang bist du natürlich auch vorsichtig. Zudem muss man das auch von der körperlichen Sicht sehen, so oft haben wir heuer nicht gegen Profis gespielt, die Bundesliga-Erfahrung haben. Das hat auch Zeit gebraucht“, erklärte Liefering-Kapitän Aufhauser, der 2012 noch die LASK-Schleife trug.

Sein Trainer Peter Zeidler sah es ähnlich: „Wir haben in der ersten Hälfte die Begeisterung vermissen lassen, da waren wir etwas gebremst und gehemmt. Dann haben wir aber die Pferde losgelassen.“

Rangnick in der Pause dabei

Der 50-Jährige war in Hoffenheim Co-Trainer unter Ralf Rangnick, der nun Sportdirektor in Salzburg und Leipzig ist. Am Sonntag war der 54-Jährige noch beim Aufstieg der Ostdeutschen in die 3. Liga dabei, am Montag bereits wieder in der Red-Bull-Arena – und half auch gleich mit.

 „Wir haben immer einen regen Austausch. In der Halbzeit war er auch da, da haben wir auch gesprochen, aber das ist normal. Auch vor und nach dem Spiel. Das ist gut, das kann nur helfen“, nimmt Zeidler Unterstützung gerne an. Gemeinsam haben sie nun ein zufriedenstellendes Ergebnis.

„Wir haben eine gute Ausgangsposition“, weiß Zeidler. Doch wie der Trainer ist auch für die Spieler die Messe noch längst nicht gelesen.

Zufrieden, aber nicht durch

„Wir sind sicherlich noch nicht durch, wir haben noch 90 Minuten in Linz und das wird noch schwieriger als es hier schon war. Der LASK hat super gespielt, war kompakt und hat die beste Abwehr der Regionalliga. Wir wollen aber wieder so eine Leistung abrufen und aufsteigen“, hielt Goalie Thomas Dähne, der das zweite Tor für perfekt und die Null für das Wichtigste hält, fest.

Klar ist: Liefering wird sich auch in Linz nicht verstecken. „Es werden noch harte 90 Minuten. Wir werden es aber ähnlich angehen wie heute, natürlich mit einer kontrollierten Offensive. Aber wir spielen auf ein Tor, denn dann wird es für den LASK ganz schwer.“

Das ist es auch mit dem 0:2 schon. Noch ist es aber nicht vorbei und Daxbacher ist lange genug dabei, um zu wissen: „Es wäre nicht das erste Mal, dass so ein Ergebnis aufgeholt wird.“

Noch bleiben 90 Minuten.

 

Bernhard Kastler

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