Der Hosiner der Regionalliga

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Wer ist Philipp Hosiner?

Das könnte sich jemand fragen, der die Torausbeute von Radovan Vujanovic genauer betrachtet.

Weil dieser aber für den LASK in der Regionalliga und Hosiner für die Austria in der Bundesliga spielt, ist der Stürmer der „Veilchen“ in Österreich ein Star, Vujanovic der breiten Masse unbekannt.

Seine Bilanz hätte sich mehr Aufmerksamkeit verdient. Der LASK-Angreifer hält in der Regionalliga Mitte bei 25 Treffern in 21 Spielen, erst zuletzt traf der Serbe beim 3:1 gegen Vöcklamarkt drei Mal.

Sechs Triplepacks in dieser Saison

Nicht sein erster Triple-Pack in dieser Saison, der 31-Jährige hält bei deren sechs (!) – Vujanovic ist damit klar der beste Torschütze innerhalb der drei Regionalligen Ost, Mitte und West.

„Solch eine Statistik ist natürlich schön, ich bin froh, dass ich in diesem Frühjahr schon drei Mal drei Tore in einem Spiel machen konnte. Aber die drei Punkte sind immer wichtiger“, bleibt der Angreifer, der erst seit dieser Saison für die Athletiker stürmt, im Gespräch mit LAOLA1 bescheiden.

Dabei hat der Stürmer bereits zwei Spitznamen. Neben dem klassischen „Radogoal“ auch „The Incredible Hulk“ – eine Erfindung des Fan-Portals „seit1908.at“, das via Facebook-Bild immer wieder gerne auf seine Muskelmasse verweist.

Dass er seine Muskeln so spielen lassen kann, darüber freut sich freilich auch der Protagonist: „Ich bin gut drauf und zufrieden. Ich würde mich natürlich freuen, wenn es bis zum Ende so weitergeht.“

Sein zweites Mal unter Daxbacher

Der LASK liegt gut im Titelrennen, hat weiterhin nur einen Punkt Rückstand auf Tabellenführer Pasching. Das Ziel ist für Vujanovic klar: „Ich weiß, welche Bedeutung der LASK in Österreich hat. Er gehört nicht in die dritte Liga, deswegen hoffe ich auch, dass wir aufsteigen. Das wäre ein Highlight.“

Karl Daxbacher ist dafür verantwortlich, dass der Stürmer seit dieser Saison beim LASK spielt. Zum zweiten Mal hat der frischgebackene 60-Jährige bereits seinen Schützling unter den Fittichen.

Im Dienste der Austria A. spielte Vujanovic gegen den SVM im Cup

Diesen mag der Spieler sehr: „Er ist ein guter Mensch und ein guter Trainer. Er will Fußball spielen, die Betonung liegt auf spielen. Er lässt Kurzpässe spielen, das hat man früher und jetzt bei ihm gesehen. Das gefällt mir und passt für mich.“

Der Coach selbst ist überrascht: „Radovan verblüfft mich immer wieder. Er spielt seit Sommer so, wie ich ihn kenne. Er ist präsent, wenn es etwas zum Erben gibt. Im Nachhinein ein totaler Glücksgriff.“

„Wenn es Schwächen gibt, ist er da“

Vor allem für diese Liga, wie Daxbacher im Gespräch mit LAOLA1 schildert: „Wenn eine gegnerische Mannschaft Schwächen zeigt, dann ist er da. Wenn es enger zugeht, dann tut er sich schwerer.“

Trotzdem wollten ihn im Winter einige Klubs verpflichten, allen voran  Grödig, aber nicht nur. „Es waren auch Bundesliga-Vereine interessiert, aber das ist normal, wenn jemand viele Tore macht“, hält Vujanovic ähnlich trocken, wie er sich vor dem Tor gibt, fest.

Im Gegensatz zu seiner Zeit bei der Austria ging Vujanovic dieses Mal nicht im Winter und erzählt: „Ich wollte das Team nicht im Stich lassen. Ich hatte 15 Tore im Herbst erzielt, dann einfach zu gehen, wäre nicht richtig gewesen. Der Trainer hat mich geholt, ihm habe ich viel zu verdanken.“

Damit bleibt das europäische Oberhaus, für das er bislang nie spielte, weiterhin ein Traum, wobei er in seinem Alter das anders definiert.

„Ohne Trainer wäre ich nicht hier, ich hatte mit keinem anderen Kontakt“, schildert Vujanovic seinen Weg von Preußen Münster nach Linz. Überhaupt hat der Goalgetter einen interessanten Lebenslauf.

Mit 16 Jahren spielte der Jungspund schon in seinem Geburtsort im serbischen Arandjelova in der Kampfmannschaft, ehe Scouts auf ihn aufmerksam wurden. Zum Beispiel Rapid Wien.

„Ich habe dann in einem Probespiel vier Tore gemacht“, erklärt Vujanovic lachend, warum es ihn mit 18 nach Österreich zu den Grün-Weißen verschlagen hatte. Später spielte der Angreifer nach den Zwischenstationen FavAC und Fortuna 05 auch eben für die Austria.

Bei Austria an Stars gescheitert

Beide Male war der Torjäger zur falschen Zeit am eigentlich richtigen Ort. Bei Rapid war Vujanovic noch jung und konnte sich in der Ära Savicevic nicht für höhere Aufgaben qualifizieren.

Bei den „Veilchen“ war die Ära Stronach das große Hindernis. „Es waren so viele gute Namen wie etwa Gilewicz oder Vastic dort, es war schwer für einen jungen Spieler, sich durchzusetzen.“ Dennoch blickt der Stürmer gerne auf diese Jahre zurück: „Ich hatte gute Zeiten mit Karl Daxbacher, habe viele Tore erzielt.“

In der Saison 2004/05 wurden die Austria Amateure auch Meister und stiegen in die Erste Liga auf, doch Vujanovic verließ die Wiener zur Pause Richtung Paderborn – nach 19 Toren in 15 Spielen.

Mit Daxbacher schon einmal aufgestiegen

Ein gutes Omen. Auch in dieser Saison trifft Vujanovic unter dem Niederösterreicher nach Belieben. „Das läge nicht an mir, sondern an ihm“, erzählt er die scherzhaft gemeinte Feststellung Daxbachers.

„Traum ist jetzt nicht mehr das richtige Wort. Das Nationalteam war zum Beispiel früher in meiner Jugend ein Traum von mir, aber der ist längst ausgeträumt. Und vielleicht spiele ich ja mit dem LASK in zwei Jahren in der Bundesliga.“

Nicht immer der beste Schritt

Es ging eben nicht immer alles gut in seiner Karriere, das weiß Vujanovic: „Wenn ich das Revue passieren lasse, dann habe ich sicher mal da oder dort den falschen Schritt gemacht, das passiert im Fußball aber. Man weiß vorher nicht, wo es gut und schlecht läuft.“

Nichtsdestoweniger blickt der „Hulk“ zufrieden auf seine Karriere, die ihn nach der Austria in die deutsche vierte, dritte und zweite Liga führte. Paderborn, Magdeburg, Hansa Rostock oder Preußen Münster gehörten da etwa dazu. Man merkt, Vujanovic hatte bei seinen vielen Transfers einen gewissen Hang zum Osten – und eben zu Traditionsklubs.

„Dort lebt man für Fußball, das ist einfach schön. Sie geben das letzte Geld für Tickets aus, das gibt es nicht überall“, beschreibt der Serbe, der in Magdeburg etwa erster ausländischer Kapitän war.

Über Hansa Rostock verliert Vujanovic besondere Worte: „Hansa hatte ein Geisterspiel, die  Fans haben aber 18.000 Tickets gekauft, obwohl keiner rein konnte. Sie wollten einfach helfen.“

So wie der Stürmer dem LASK. Auch am Mittwoch im Cup gegen Ried. Da werden ähnlich viele Fans wie zum Frühjahrs-Auftakt gegen Pasching (6000) kommen, ganz im Sinne des Angreifers. „Ich wollte nie vor 500 Leuten spielen und einfach Geld verdienen. Mir ging es immer darum, vor vielen zu spielen.“

Sollte Vujanovic im Alltag weiter so treffen, könnte dies bald wieder im Profibereich der Fall sein.

 

Bernhard Kastler

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