Die Zukunft im österreichischen Tor?

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„Es muss verdammt blöd ausgesehen haben.“

Daniel Bachmann war sich nach dem Testspiel der U21-Nationalmannschaft gegen Bulgarien (3:1) auf der Hohen Warte bewusst, dass das Gegentor zum zwischenzeitlichen 2:1 wie ein schwerer Tormannpatzer aussah.

Ein nicht besonders platzierter Weitschuss von Radoslaw Tsonew sprang über den fallenden Keeper ins Tor. „Ich hätte nichts anders machen können, der Platz war eine Katastrophe“, ist sich der 20-Jährige allerdings keiner Schuld bewusst.

Die restlichen 90 Minuten agierte der Stoke-City-Legionär tadellos und untermauerte seine Ambitionen auf den Startplatz im Team. In seinem Verein ist er davon noch weit entfernt, an Top-Keeper Asmir Begovic gibt es kein Vorbeikommen. Trotzdem denkt Bachmann nicht an einen vorzeitigen Abschied von der Insel.

Abstecher bei Wrexham

Um dem Talent auch Einsätze im „Erwachsenen-Fußball“ zu ermöglichen, einigten sich die „Potters“ in der vergangenen Saison mit dem walisischen Traditionsklub FC Wrexham auf eine Leihe. Dass es sich dabei um einen Fünftligisten handelt, störte Bachmann nicht:

„Fünfte Liga hört sich für österreichische Verhältnisse natürlich sehr niedrig an, aber wir hatten bei den Heimspielen zwischen 5.000 und 12.000 Zusehern. Der Fußball, der gespielt wird, ist sicher nicht schlecht. Für mich als Tormann war es wichtig, dass ich mich an das körperliche Spiel gewöhne.“

Der Clou am Leihvertrag war, dass der 1,91m Hüne unter der Woche mit Stoke City trainierte und nur zu Spielen in das rund eine Autostunde entfernte Wrexham fuhr. „Das Training in der Premier League ist dann doch um einiges besser“, begründet Bachmann diese Entscheidung.

Warum nach England?

Vor vier Jahren wagte der Keeper den Schritt von der Austria-Wien-Akademie nach England. Zuvor genoss er bereits in der Sturm- und Admira-Akademie die Ausbildung. Warum er akkurat in ein Land wechselte, dass seit Jahrzehnten mit Tormann-Problemen zu kämpfen hat, verrät er ebenfalls:

Bachmann vor sieben Jahren bei der Admira

„Die englische Liga ist in meinen Augen die beste der Welt. Daher war England immer eine reizvolle Aufgabe.“ Heimweh ist für Bachmann ohnehin kein Thema: „Ich habe mich super eingelebt. Am Anfang hatte ich schon noch einen kleinen Kulturschock, aber mittlerweile bin ich happy dort.“

Vor zwei Jahren hat er mit Marko Arnautovic zudem eine österreichische Unterstützung bei Stoke bekommen, wenngleich die beiden keine besondere Freundschaft pflegen: „Wir haben uns privat ein-, zweimal getroffen, aber wir Spieler machen allgemein wenig miteinander. Wir sind schließlich immer beim Training zusammen, einige haben zudem Familie und Kinder. Aber Marko ist ein lustiger Kerl.“

Vorbild in den eigenen Reihen

Sportlich läuft es bei Stoke City seit zwei Saisonen nach Wunsch. Wie schon in der Saison 2013/14, schaffte man auch heuer wieder Platz neun in der Premier League, die besten Platzierungen der Klub-Geschichte. Maßgeblichen Anteil daran hat Tormann Asmir Begovic. Der Bosnier zählt zu den besten Schlussmännern der Welt und wurde bereits mit Klubs wie Manchester United und Inter Mailand in Verbindung gebracht.

Der 27-Jährige ist unter Trainer Mark Hughes gesetzt. „Ich gehe nicht davon aus, mit 20 die Nummer eins in der Premier League zu sein“, kann sich Bachmann mit der Rolle des Ersatzmannes abfinden. Vielmehr möchte er von Begovic profitieren: „Es ist super, jeden Tag mit so einem Spieler zu trainieren.“

Ob der 20-jährige ÖFB-Legionär auch nach der Sommerpause die Ehre hat, sich täglich mit Begovic zu messen, steht noch in den Sternen. „Ich weiß noch nicht, was nächste Saison passiert, es ist alles offen. Ich will aber auf jeden Fall spielen. Da ist auch das System in England ideal, wo es Vier-Wochen-Leihen gibt“, schließt der Tormann nichts aus.

Bachmann fühlt sich im Team pudelwohl

Eine vorzeitige Rückkehr nach Österreich ist aber nicht geplant, trotz interessanter Angebote: „Es stimmt, dass ich bei Sturm Graz im Gespräch war, wir haben uns aber dagegen entschieden. Sag‘ niemals nie, aber im Moment bin ich bei Stoke glücklich.“

Heiß auf EM-Quali

Ein rot-weiß-roter Klub steht nicht zur Debatte, für das U21-Nationalteam reist Bachmann aber dennoch gerne in die Heimat. Mitverantwortlich dafür sind die Teamkollegen: „Wir sind auch abseits des Platzes eine super Truppe und haben immer Spaß.“

Nichtsdestoweniger herrscht ein großer Konkurrenzkampf im Team, auch zwischen den Pfosten. Daher war Bachmann dankbar für die 90 Minuten im Test gegen Bulgarien: „Es gibt immer Konkurrenzkampf im Fußball. Es geht am Platz darum, wer bei den Quali-Spielen das ‚Leiberl‘ trägt.“

Ob U21-Teamchef Werner Gregoritsch in der Qualifikation für die EM 2017 in Polen auf Bachmann setzt, wird sich weisen.

Für den Keeper wären die Spiele gegen Deutschland, Russland und Co. die ideale Bühne, um sich auch in England für höhere Aufgaben zu empfehlen.

 

Julian Saxer

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