Ausgeklügeltes Programm macht U20 WM-fit

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An der Fitness ist es nicht gelegen, dass die ÖFB-Auswahl bei der U20-WM in Kolumbien in zwei Partien erst einen Punkt ergattert hat.

So wirkten die Österreicher gegen Panama als die laufstärkere Mannschaft, obwohl praktisch jeder Spieler seit der Ankunft in Südamerika mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen hatte.

Bei extremer Schwüle gegen Brasilien schwanden die Kräfte erst, als die Partie entschieden war und die Südamerikaner dank ihrer technischen Überlegenheit den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren ließen.

Ausgeklügeltes Fitness-Programm

Der zufriedenstellende physische Zustand ist die Folge eines ausgeklügelten Programms, das unter der Aufsicht von ÖFB-Fitness- und Konditions-Trainer Gerhard Zallinger seit einem halben Jahr läuft.

In dieser Zeit bekamen die Spieler zusätzlich zum Training bei den Clubs ein Heimprogramm, an dem auch Österreichs EURO-2008-Conditioning-Coach Roger Spry mitwirkte.

Außerdem wurden und werden regelmäßig Kreatinkenase-, Harnstoff- und Omega-Wave-Werte ermittelt, um über die körperliche Verfassung Bescheid zu wissen.

Blut enttarnt Trinkverhalten

Bei der Kreatinkenase (CK) handelt es sich um ein Muskel-Enzym, das ausgeschüttet wird, sobald Muskelfasern wegen Überbelastung oder Verletzung zu Schaden kommen.

Der Harn- oder BUN-(Blut-Urin-Nitrogen)-Wert zeigt unter anderem eine mögliche Ausdauer-Überbelastung an, in Kolumbien dient er vor allem zur Steuerung des Trinkverhaltens der ÖFB-Junioren. Die dementsprechenden Daten werden durch Bluttests gewonnen.

Leistungsfähigkeit in Wellenform

Bei der Omega-Wave-Analyse wird bei einem Spieler im Ruhezustand mit Elektroden an allen vier Extremitäten der Pulsschlag gemessen.

Dadurch ergibt sich die sogenannte Herzratenvariabilität, die das Maß dafür ist, ob der Organismus gesund und ausgerastet ist oder unter Stress steht.

"Omega Wave ist das Abbild der Bereitschaft für hohe Leistungsfähigkeit", erklärte Zallinger.

In manchen Fällen Vorsicht geboten

Der Oberösterreicher überprüft die Omega-Wave- wie auch die CK-und BUN-Werte der Spieler nicht täglich, sondern nur nach Belastung, und ist sich auch im Klaren darüber, dass die Daten mit Vorsicht zu genießen sind. "Es geht nicht um die absoluten Werte, sondern um die Dynamik der Werte."

Allerdings sei in manchen Fällen Vorsicht geboten. "Wenn zum Beispiel der CK-Wert auch bei einer Entlastung hoch bleibt, zeigt das ein Risiko für eine Muskelverletzung, oder, dass die Verletzung bereits passiert ist."

Messung ermöglicht individulisiertes Training

Bei der U20-WM 2007 in Kanada hatte Teamchef Paul Gludovatz anhand der CK- und BUN-Werte die Einteilung von Trainingsgruppen vorgenommen, in Kolumbien wurde ein anderer Weg eingeschlagen.

"Die Individualisierung des Trainings ergibt sich weniger durch die Werte, da waren wir schon vorher zufrieden und top-informiert. Sie ergibt sich durch Verletzungen und Erkrankungen. Bei uns geht es darum, die klimatischen Bedingungen und die Zeitumstellung zu verdauen. Daher verwenden wir zum Beispiel den Harnstoff-Wert nicht nur zur Trainingssteuerung, sondern zur Steuerung des Trinkverhaltens", erzählte Zallinger.

Einfluss auf Startelf?

Teamchef Andreas Heraf betonte im Turnierverlauf immer wieder, dass er die Mannschaftsaufstellung auch nach dem Fitness-Grad der einzelnen Spieler vornehme.

Die Interpretation, wonach die von Zallinger ermittelten Werte daher die jeweilige ÖFB-Startformation wesentlich beeinflusse, wies der Oberösterreicher jedoch zurück.

"Ich gebe keine Empfehlungen ab, nur Grundlagen", beteuerte der 41-Jährige. "In Extremsituationen wäre es vorstellbar, dass darauf eine Entscheidung aufbaut, aber diese Situationen hat es bei uns nicht gegeben."

"Ein kleiner Mosaikstein"

Generell wollte der Doktor der Sportwissenschaften, der bereits für die Austria, den LASK und Panathinaikos Athen arbeitete und seit 1998 mit dem ÖFB vor allem durch das Challenge Programm verbunden ist, seine Rolle bei der U20-WM nicht überbewerten.

"Es ist nur ein kleiner Mosaikstein. Doch gerade hier in Kolumbien ist die körperliche Fitness ein entscheidender Faktor."

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