"Ich kann nur an alle appellieren"

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Am 10. Februar beginnt das Jahr für Andreas Heraf so richtig.

An diesem Tag werden nämlich die Gruppen der U20-WM in Neuseeland (30.5.-20.6.2015) ausgelost.

Bis das Turnier tatsächlich beginnt, gilt es aber noch einige Fragen zu klären. Etwa, welche Spieler zur Verfügung stehen werden.

„Die Bundesliga hat uns ihre Unterstützung zugesagt und ich hoffe, dass die Vereine die Jungs dann auch wirklich abstellen. Ich kann nicht mehr tun, als an alle zu appellieren, dass sie uns unterstützen“, sagt der Nachwuchs-Teamchef zur Abstellungs-Problematik.

Wie der Youngster-Check von LAOLA1 zeigt, sind die Teenager in der Bundesliga aber sowieso nicht gerade übermäßig gefragt. Im LAOLA1-Interview erörtert Heraf die möglichen Gründe für diesen Umstand und spricht auch über einzelne Personalien.

LAOLA1: Es wartet ein spannendes Jahr auf Sie.

Andreas Heraf: Mit der U20-WM in Neuseeland haben wir eine Riesengeschichte vor uns. Aber auch mit meinem 99er Jahrgang spiele ich EM-Quali. Ich habe also viel zu tun, viele Termine. Das ist spannend.

LAOLA1: Stichwort Doppelbelastung.

Heraf: (lacht) Ich beschwere mich gar nicht! Wir Nachwuchs-Teamchefs haben unsere Mannschaften eh so selten. Da ist es mir ganz recht, wenn es ein bisschen mehr ist.

LAOLA1: Wie sieht der konkrete Fahrplan bis zur U20-WM aus?

Heraf: Es ist leider keine allzu intensive Vorbereitung. Es gibt von 23. bis 31. März einen FIFA-Termin, an dem die Mannschaft zusammenkommt. Allerdings mit der Einschränkung, dass der 96er-Jahrgang nicht dabei sein wird, weil er zu diesem Zeitpunkt mit Hermann Stadler in der Eliterunde der U19-EM-Quali spielt. Wir werden das Trainingslager mit sportmotorischen Tests in Salzburg starten und danach ins Burgenland übersiedeln. Am Ende des Trainingslagers werden wir aller Voraussicht nach ein Testspiel gegen Mexiko absolvieren. Zwei Wochen vor Turnierbeginn werden wir dann zur WM abreisen. Die Details sind noch nicht fixiert, es ist aber geplant, dass wir zunächst nach Sydney fliegen, wo wir noch ein Trainingslager abhalten wollen. Wir stehen diesbezüglich mit Marc Janko in Kontakt, der uns dabei helfen wird. Fünf, sechs Tage vor Turnierbeginn reisen wir nach Neuseeland.

LAOLA1: Wo sie auch im Februar schon sein werden.

Heraf: Richtig. Teammanager Walter Konir und ich sind am 10. Februar bei der Auslosung in Auckland. Danach beginnt die schöne Arbeit, die mir irrsinnig Spaß macht – die Analyse der Gegner.

"Die, die weniger gespielt haben, müssen mehr für sich selbst tun"

LAOLA1: Der prominenteste Name, der spielberechtigt wäre, ist Valentino Lazaro. Ist er ein Thema für die WM?

Heraf: Er ist immer ein Thema! Aber zum Einen ist er noch verletzt und zum Zweiten ist er A-Teamspieler. Zum Zeitpunkt der WM steht das EM-Quali-Spiel in Russland an. Freilich würde ich mir wünschen, so einen Spieler dabei zu haben. Davon ausgehen werde ich aber nicht.

LAOLA1: Wie sind Sie mit der Spielpraxis, die Ihre Burschen im Herbst bekommen bzw. nicht bekommen haben, zufrieden?

Heraf: Manche sind zum Spielen gekommen, was schön ist. Manche haben auch im U21-Nationalteam gespielt, was eine Bestätigung ihrer Arbeit ist. Andere haben relativ wenig gespielt. Das ist in dieser Altersstufe einfach so. Jeder Spieler ist für sich selbst verantwortlich. Die, die weniger gespielt haben, müssen mehr für sich selbst tun.

LAOLA1: Im Herbst waren in der Bundesliga nur elf Teenager, die für die U20-WM spielberechtigt wären, im Einsatz.

Heraf: Das sind Dinge, die ich nicht beeinflussen kann.

LAOLA1: Einige Trainer scheinen Hemmungen zu haben, Spieler im Alter von 17 oder 18 Jahren in der Bundesliga auflaufen zu lassen.

Heraf: Das ist relativ. In diesem Alter sind sie schon noch sehr, sehr jung. Es muss halt passen, man darf sie nicht verheizen. Wenn einer soweit ist, wird er auch spielen. Ich würde mir wünschen, dass sie speziell in der Ersten Liga mehr zum Einsatz kommen. Da habe ich einige in meinem Kader, die wenig spielen. Im deutschen Fernsehen höre ich ständig Dinge wie „Levin Öztunali geht zu Bremen“, „Julian Brandt spielt bei Leverkusen“, „Davie Selke trifft für Werder“ und „Joshua Kimmich wechselt zu den Bayern“. Die haben vor einem halben Jahr alle in der DFB-U19 gegen uns EM-Semifinale gespielt. Meine Spieler spielen zum Teil bei den Austria Amateuren in der Regionalliga. Die Relation sagt schon einiges über die Klasse dieser Spieler aus.

LAOLA1: Wobei dann ja womöglich trotzdem noch nicht alle Gruppengegner fix feststehen.

Heraf: Die afrikanischen Teams spielen ihre WM-Quali leider erst im März. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir einen afrikanischen Gegner kriegen, ist nicht gering. Das würde die Sache ein wenig erschweren, aber so ist es halt. Ich hoffe nur, dass das afrikanische Team dann nicht unser Auftaktgegner sein würde.

LAOLA1: Der Zeitpunkt der WM-Austragung ist ein wenig unglücklich.

Heraf: Es gibt keinen idealen Zeitpunkt. Über solche Dinge ärgere ich mich aber gar nicht mehr. Sie sprechen damit ja sicher an, dass es Probleme mit der Abstellung von Spielern geben könnte.

LAOLA1: Richtig.

Heraf: Die Bundesliga hat uns ihre Unterstützung zugesagt und ich hoffe, dass die Vereine die Jungs dann auch wirklich abstellen. Ich kann nicht mehr tun, als an alle zu appellieren, dass sie uns unterstützen. Es wird viel davon abhängen, wo die Vereine dann in der Meisterschaft stehen.

LAOLA1: Tendieren Sie dazu, jenen Kader, mit dem sie sich bei der U19-EM für die U20-WM qualifiziert haben, im Großen und Ganzen auch mit nach Neuseeland zu nehmen?

Heraf: Ja, klar. Im Jahrgang 1995 gibt es auch nicht viele Alternativen. Wenn ich den EM-Kader haben könnte, wäre ich schon sehr, sehr zufrieden.

LAOLA1: Ist es also eine Qualitätsfrage? Es würde ja kein Trainer einem 18-Jährigen im Weg stehen, wenn er so gut wäre wie ein 25-Jähriger.

Heraf: Das muss man die Trainer fragen. Wenn es um den Auf- oder Abstieg geht, wird leider immer noch öfter dem vermeintlichen Routinier vertraut. Das geht auf Kosten der jungen Spieler. Wobei man das auch von Fall zu Fall sehen muss. Es liegt immer auch am Spieler selbst. Wie Sie gesagt haben: Kein Trainer stellt absichtlich einen Jungen hinten an. Die Jungen müssen sich aufdrängen. Die Klasse ist da, man muss aber auch den Willen zeigen, sich durchzusetzen. Vielleicht fehlt das.

LAOLA1: Dass es in der Bundesliga praktisch immer für alle Vereine um etwas geht, also einen Europacup-Platz oder den Klassenerhalt, ist diesbezüglich doch sicher auch ein Faktor. Wenn die Liga größer und somit ein echtes Mittelfeld vorhanden wäre, wäre wohl auch mehr Platz für Junge. Sehen Sie das auch so?

Heraf: Das ist ein Knackpunkt, der schon oft diskutiert wurde. Wahrscheinlich ist es wirklich so. Von der Logik her würden dann mehr Junge spielen. Aber auch dann ist es vom jeweiligen Trainer abhängig. Vor allem bei Auf- und Abstieg geht es um Existenzen. Wäre mehr Mittelfeld da, würden das wohl einige Vereine lockerer sehen.

LAOLA1: Ein anderer Ansatz wäre, zu sagen: Logisch, dass in der Bundesliga nicht viele Teenager spielen, weil die besten schon davor ins Ausland wechseln.

Heraf: Das ist kein Ansatz, das ist Fakt. Um die Allerbesten reißen sich die ausländischen Vereine schon sehr, sehr früh. Viele geben dem nach. Die Frage ist, ob das gut ist. Eltern, Spieler und Manager müssen in diesem Zusammenhang clevere Entscheidungen treffen. Und oft sind sie nicht clever. Ich denke jedenfalls, dass diese Spieler schon in der Bundesliga spielen würden.

LAOLA1: Sascha Horvath hat im Frühjahr schon in der Bundesliga gespielt, stand im Herbst aber bei der Austria im Abseits. Wie beurteilen Sie das?

Heraf: Sein Herbst war sicher nicht optimal. Er hat lange Zeit gar keine Spielpraxis bekommen und ist dann zumindest bei den Amateuren zum Einsatz gekommen. Ich bin aber zu wenig involviert, um da Genaueres zu sagen. Ich weiß nur, dass es Probleme mit Vertragsmodalitäten gegeben hat. Er ist ja als 96er-Jahrgang eher Spieler von U19-Teamchef Hermann Stadler. Da muss man sich übrigens dann auch noch überlegen, wie es weitergeht, wenn sich diese Mannschaft für die EM, die fast gleichzeitig mit der U20-WM stattfindet, qualifiziert.

LAOLA1: Andreas Gruber hat beim SK Sturm im Herbst acht Bundesliga-Spiele gemacht. Bisher war er aber noch nie im ÖFB-Nachwuchs im Einsatz.

Heraf: Ihn habe ich am Radar. Er hat im Dezember schon Tests bei uns durchgeführt. Wenn er fit ist, wird er im März fix bei uns dabei sein.

Das Gespräch führte Harald Prantl

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