"Österreich ist ein tolles Sprungbrett"

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Am Samstag startet Österreichs U19 gegen Gastgeber Ungarn in die EM-Endrunde.

Einer kann es kaum noch erwarten, seiner jungen Karriere ein weiteres Highlight hinzuzufügen – Team-Kapitän Francesco Lovric. „Alleine das Gefühl, bei diesem Turnier dabei zu sein, ist unglaublich“, sagt der Legionär vom VfB Stuttgart im Gespräch mit LAOLA1.

Druck verspürt er im Vorfeld des Turniers keinen, obwohl er weiß, dass es vor allem auf ihn ankommen wird.

Als Innenverteidiger muss er nicht nur seine Zweikämpfe gewinnen und bei Standard-Situationen selbst für Torgefahr sorgen. „Ich muss die Mannschaft zusammenhalten und pushen, auch wenn wir einmal in Rückstand geraten“, nimmt der 1,84m-Mann sein Kapitänsamt sehr ernst.

Vorfreude

Auch die Sperre seines kongenialen Abwehr-Spezis Lukas Gugganig für das Auftakt-Spiel gegen den Gastgeber bringt Lovric nicht aus der Ruhe. „In die Spieler, die einspringen, habe ich vollstes Vertrauen.“

Überhaupt laste der Druck nicht auf der ÖFB-Elf, sondern auf Ungarn, glaubt der gebürtige Wiener. „Es ist nicht leicht, im ersten Spiel im eigenen Land deine Leistung zu bringen.“ Die Kulisse könnte die Hausherren zudem hemmen.

10.000 Zuschauer werden im nach dem legendären Ujpest-Stürmer Szusza Ferenc benannten Stadion zu Budapest erwartet. „So eine Kulisse ist unfassbar, ich freue mich“, versichert Lovric, der aus Erfahrung spricht.

Training mit den Profis

Im Februar debütierte der 18-Jährige für die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart beim Halleschen FC. „Vor 15.000, das war ein Wahnsinnsgefühl“, erinnert sich der Kapitän an seinen ersten Einsatz im deutschen Profi-Fußball. Fünf weitere folgten. Insgesamt 495 Minuten schnupperte der Legionär Drittliga-Luft. Es blieben nicht die einzigen Highlights.

Als U17-Coach Thomas Schneider die Bundesliga-Mannschaft übernahm, baute er auch seinen Kapitän ins Profi-Training ein – regelmäßig. Erst als der Klub im Abstiegsstrudel zu versinken drohte, wurden diese Einheiten für Lovric wieder weniger.

„Der Klub hat sich auf den Klassenerhalt fokussiert. Es wurden nicht mehr so viele Nachwuchs-Spieler hochgezogen“, zeigt der Youngster, der 2011 von der Wiener Austria zum VfB wechselte, Verständnis.

Francesco Lovric sammelte in Stuttgart bereits reichlich Dritt-Liga-Erfahrung

Dialog mit Veh

Weil sich der Nachwuchs-Nationalspieler in Stuttgart nicht nur eingelebt hat, sondern mittlerweile auch wohl fühlt, hofft er, ab der kommenden Saison wieder mit den Profis trainieren zu können. Nach der EM soll es dann einen ersten Dialog mit Armin Veh geben.

Die „guten Gespräche“ mit dem Präsidium stimmen Lovric, der sich eine eine Verlängerung seines 2015 auslaufenden Vertrags vorstellen kann, äußerst positiv. Druck macht er sich auch hierbei keinen, aber: „Mein Ziel ist es, in der Bundesliga zu spielen!“

„Sehe mich als Sechser“

Bleibt nur die Frage nach der Wunsch-Position des Defensiv-Mannes. „Der VfB hat mich als Sechser geholt, ich spiele in der zweiten Mannschaft Sechser. Ich sehe mich als jemanden, der das Spiel leitet, den Ball fordert“, hat der Legionär klare Vorstellungen von seiner zukünftigen Rolle.

Im 1995er-Jahrgang des Nationalteams herrscht in der Defensive grundsätzlich Not am Mann, weshalb Teamchef Andreas Heraf seinen Spielführer zum Innenverteidiger „umschulte“.

„Ich kann beide Positionen gut spielen, es ist nur wichtig, dass ich spiele“, nimmt Lovric die ungewohnte Rolle gerne an.

Kein Patent-Rezept

Gespielt hat Lovric, im Nationalteam wie auch in Stuttgart, immer. Und auch wenn das Ziel Bundesliga noch in gewisser Ferne zu liegen scheint, hat der Legionär den Sprung ins Ausland geschafft und ihn keineswegs bereut.

Eine Empfehlung für jene, die es ihm gleichtun wollen, will er nicht abgeben. Es gebe kein Patent-Rezept. Nur so viel: „Es kommt viel auf die Persönlichkeit an.“ Außerdem solle man nicht gleich zum erstbesten Klub wechseln. „Der Verein muss dir das Gefühl geben, dass er dich wertschätzen und fördern wird.“

Noch mehr Wertschätzung würde Lovric im Falle eines EM-Coups mit Österreichs U19 erfahren. Ein solcher würde auch einen kleinen Wermutstropfen verdampfen lassen.

Österreich ist ein tolles Sprungbrett

„Durch die EM versäume ich das erste Spiel gegen Dynamo Dresden. Da wären bestimmt 20.000 gekommen“, schwärmt Lovric, der damit aber selbstredend nicht hadert, denn „eine EM spielt man vielleicht nur einmal“.

Außerdem komme er gerne zum Nationalteam. Schließlich wäre ihm ohne die Möglichkeiten beim ÖFB oder der Wiener Austria der Sprung ins Ausland nicht gelungen. „Ich bin allen sehr dankbar. Österreich ist ein tolles Sprungbrett“, sagt einer, der es wissen muss.

 

Kevin Bell

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