Der heimliche "MVP"

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Blutsch: "Ich bin ein sehr wichtiger Bestandteil"

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Florian Grillitsch, Sinan Bytyqi, Ivan Lucic oder Sascha Horvath.

Es sind vorwiegend ihre Geschichten, die im Rahmen der laufenden U19-Europameisterschaft in Ungarn, wo die ÖFB-Kicker am Montag (18 Uhr) im Semifinale auf Deutschland treffen, erzählt werden.

Es sind vorwiegend die Namen jener Bremen-, ManCity- oder Bayern-Legionäre und jenes Austria-Profis, die der solide Fußball-Interessierte mittlerweile wie aus dem Effeff kennt.

Spätestens bei der knappen 1:2-Niederlage gegen Portugal im letzten Gruppen-Spiel, bei der Teamchef Andreas Heraf die Genannten schonte, rückten unweigerlich andere in den Fokus.

Dauerbrenner

Markus Blutsch zum Beispiel. Der 19-jährige Enkel von LASK-Legende Adolf „Dolfi“ Blutsch, der selbst seit dieser Saison schwarz-weiß trägt, spulte im offensiven Mittelfeld reichlich Kilometer ab. Wieder einmal.

Denn der LASKler ist nach Martin Rasner der „Dauerbrenner“ der Heraf-Equipe. Während andere gegen die Iberer einen ruhigen Nachmittag auf der Ersatzbank verbrachten, sammelte Blutsch seine Turnierminuten 161 bis 251. Lediglich beim 3:0 über Israel stand er nicht über die volle Distanz auf dem Rasen (71).

Gegen die Portugiesen zeigte der Mittelfeld-Allrounder erneut die ganze Bandbreite seiner Fähigkeiten. Er gewann Zweikämpfe, wurde selbst ordentlich abgegrätscht, prägte das Umschalt-Spiel und sorgte für Torgefahr. So hatte er, während der stärksten Phase der ÖFB-Elf, die 2:1-Führung auf dem Fuß.

"Gebe mich niemals zufrieden"

"Den muss ich machen!", gibt sich der quirlige 1,68m-Mann gegenüber LAOLA1 selbstkritisch. Den Gruppensieg hätte er zu gerne eingetütet, das hätte zusätzliches Selbstvertrauen gebracht. "Aber wer weiß, was zuhause los gewesen wäre, wenn wir dieses Spiel auch noch gewonnen hätten."

Vielleicht ist hierzulande aber jetzt sogar mehr los. Denn als "Trost-Preis" gibt es bekanntlich das Duell mit Deutschland, wohl eines jeden Österreichers Lieblingsgegner. "Wir haben internationales Top-Niveau. Mit unserem Können, mit unserer Taktik, können wir jedes Team schlagen", scheut Blutsch den Vergleich mit dem großen Nachbarn nicht.

Markus Blutsch besticht durch spielerische Stärke und Zweikampf-Verhalten

Für den Dauerbrenner, der 2013 mit Pasching zum Cup-Sieger avancierte, ist der Vorstoß unter die letzten Vier dieser EM das Highlight seiner bisherigen Karriere.

"Das steht noch ein Stückchen über dem Cup-Titel. Ich bin seit vier Jahren Teil dieser Mannschaft und wir haben gute und schlechte Zeiten durchgemacht, das schweißt einen irrsinnig zusammen".

Trotz des zweifellos großen Erfolges, erfüllt den Linzer das Erreichte noch nicht vollends. Der Titel soll her. "Ich bin ein sehr ehrgeiziger Spieler, gebe mich niemals zufrieden", erklärt Blutsch, der "Tag und Nacht trainiert und dem Fußball alles unterordnet."

LASK "top professionell aufgestellt"

Mit Ausnahme der Ausbildung. Denn der frischgebackene Absolvent des Sportgymnasiums Linz entschied sich, "auch wegen der Schule", gegen Auslands-Angebote von Heerenveen, Twente, Schalke oder 1860 und für den Linzer Traditionsklub.

Der Hauptgrund seien jedoch positive Gespräche mit LASK-Coach Karl Daxbacher gewesen. "Er legt großen Wert auf mich. Für mich war die Entscheidung klar."

Außerdem weiß Blutsch, woran er beim LASK ist. Der Verein sei spätestens nach den Umstrukturierungen im Winter "top-professionell aufgestellt. Das hat man in Österreich vielleicht noch bei Salzburg, Rapid oder Austria, aber sonst nirgendwo!"

Der Offensiv-Mann will auch beim LASK jubeln

Hochgesteckte Ziele

Dass er in dieser Saison „nur“ in der zweithöchsten Spielklasse kickt, soll eine Momentaufnahme bleiben, denn Blutsch steckt sich zwar keine langfristigen, dafür aber enorm hohe Ziele.

"Ich schaue nur Schritt für Schritt, deshalb will ich mit dem LASK in die Bundesliga aufsteigen und zumindest zehn Tore erzielen." In der Vorbereitung, in der er in beinahe jedem Spiel von Beginn an zum Einsatz kam, trug er sich bereits in die Linzer Torschützenliste ein.

Aber Blutschs Vertrag läuft nur bis 2015 und aufgrund seiner Leistungen bei der U19-EM könnten schon bald Anfragen diverserer Großklubs eintrudeln. "Wer weiß, was in den nächsten Monaten passiert?" Vorerst zähle nur der Erfolg mit dem LASK, "dann schauen wir weiter."

Heimlicher MVP

Auch wenn sein Name nach den Auftritten in Ungarn in den Bücher der allermeisten Scouts geschrieben steht, Blutsch bewegt sich nach wie vor unter dem Radar der hiesigen Medien. 

Der Oberösterreicher gibt zu, sich "immer im Hintergrund gehalten" zu haben. Seinen Wert für die Mannschaft kennt der "heimliche MVP" jedoch. Auch wenn es ihm schwer fällt, sich als solchen zu bezeichnen.

"Ich bereite Tore vor und treffe selbst. Aufgrund meiner Laufbereitschaft und meines Engagements bin ich ein sehr wichtiger Bestandteil der Mannschaft."

 

Kevin Bell

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