ÖFB-U19 muss sich bei EM mit Platz drei begnügen

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Der Traum des österreichischen U19-Nationalteams vom Einzug ins EM-Finale ist geplatzt.

Das Team von Andreas Heraf muss sich in Budapest den Altersgenossen aus Deutschland klar mit 0:4 (0:2) geschlagen geben.

Damit belegt die rot-weiß-rote Auswahl zum dritten Mal nach 2003 in Liechtenstein und 2006 in Polen den dritten Endrang.

Deutschlands Finalgegner wird im Duell zwischen Portugal und Serbien ermittelt.

Beherzter Start ins Semifinale

Teamchef Heraf rotiert mit Rosenbichler, Lovric, Horvath, Michorl, Bytyqi und Lucic alle sechs Leistungsträger, die gegen Portugal geschont wurden, zurück in die Startelf.

Auch Lienhart kehrt in die Mannschaft zurück. Die Devise bleibt gleich: Aus einer stabilen Abwehr heraus entscheidende Nadelstiche setzen.

Das gelingt der ÖFB-Auswahl anfangs ganz passabel. Mit gutem Forechecking verschafft sich das Nachwuchs-Team Respekt, das Spiel macht allerdings Deutschland.

Bereits nach vier Minuten wird ein Tor von Mukhtar aufgrund eines vorangegangenen Fouls von Kempf an Torhüter Lucic nicht gegeben.

Frühe Führung spielt DFB in die Karten

In der zehnten Minute verzieht der sehr präsente deutsche Angreifer Selke von der Strafraumgrenze am linken Eck vorbei.

Österreich überlässt dem Lieblingsnachbarn viel Ballbesitz und verlegt sich auf schnelle Gegenstöße.

Bis auf eine Chance von Grillitsch, der einen Schnitzler-Abschlag beinahe ins Tor blockt, agiert die rot-weiß-rote U19 jedoch harmlos.

In der 20. Minute unterstreicht die DFB-Auswahl ihre Favoritenrolle. Nach einer Flanke von Stendera köpft Selke unhaltbar zur 1:0-Führung ein.

ÖFB-Auswahl läuft Rückstand hinterher

Österreich verdaut den Schock rasch und nähert sich durch einen Bytyqi-Schuss (27.) dem gegnerischen Tor an.

Mehr aber nicht, die Tore erzielt der starke Kontrahent. Nach Selke-Vorarbeit trifft Stendera zuerst Rasner, ehe er den Abpraller im langen Eck versenkt (30.). Das 0:2!

Auch in weiterer Folge strahlt Selke die meiste Gefahr aus. Das vermeintliche 0:3 wird wegen Abseits aberkannt (39.), in der 41. Minute kann sich Lucic auszeichnen.

Mit der Einwechslung von Grubeck für Horvath versucht Heraf für die zweite Halbzeit für neuen Schwung zu sorgen.

Widerstand nach der Pause gebrochen

Blutsch setzt mit einem Weitschuss knapp neben das Tor ein Ausrufezeichen (47.), auch sonst gehen die Außenseiter nun aggressiver zu Werke, was in Gelben Karten für Grubeck und Grillitsch gipfelt.

An den klar verteilten Rollen ändert sich in diesem Semifinal-Duell aber nur wenig. Mit dem 0:3 erzwingen die Deutschen die Vorentscheidung.

Öztunali, seines Zeichens der Enkel von Legende Uwe Seeler, tanzt durch die österreichische Abwehr und schießt zur 3-Tore-Führung ein (58.).

Mit Laimer für Michorl bringt Heraf noch einen frischen Mann, vom Ergebnis her wird es aber noch bitterer.

Mukthar trifft in der 68. Minute zum 4:0-Endstand. Damit ist der Widerstand der ÖFB-Talente endgültig gebrochen.

Erfolgreiche EM trotz Semifinal-Out

Das Team von Marcus Sorg schaltet einen Gang zurück, findet aber noch die eine oder andere Chance vor.

Österreich kommt in den letzten 20 Minuten kaum mehr über die Mittellinie und betreibt Schadensbegrenzung.

Obwohl der Einzug ins Finale nicht realisiert werden konnte, kann das Team stolz auf die gezeigten Leistungen sein.

Platz drei ist aller Ehren wert, zudem hat man sich mit der Qualifikation für die U20-WM 2015 bereits einen großen Traum erfüllt.

Das Finale bestreiten am Donnerstag Deutschland und Portugal. Die Iberer behalten im zweiten Semifinale gegen Serbien nach torlosen 120 Minuten im Elfmeterschießen 4:3 die Oberhand.

U19-EM 2014 in Ungarn, Halbfinale:

Deutschland - Österreich Endstand 4:0 (2:0)
Budapest, Ferenc-Szusza-Stadion, 900 Zuschauer, SR Clancy (SCO)

Tore: 1:0 (20.) Selke
      2:0 (30.) Stendera
      3:0 (57.) Öztunali
      4:0 (68.) Mukhtar

Deutschland: Schnitzler - Akpoguma, Stark, Kempf, Holthaus - Öztunali, Kimmich (74. Friedrich) - Mukhtar, Stendera (62. Syhre), Brandt - Selke (67. Stolze)

Österreich: Lucic - Brandner, Lienhart, Lovric, Rosenbichler (81. Joppich) - Rasner, Michorl (66. Laimer) - Blutsch, Bytyqi, Horvath (46. Grubeck) - Grillitsch

Gelbe Karten: Stark bzw. Grillitsch, Lovric, Grubeck, Laimer

Die Besten: Akpoguma, Stark, Stendera, Mukhtar bzw. keine

Zweites Halbfinale: Portugal - Serbien 4:3 i.E.

Stimmen zum Spiel:

Andreas Heraf (ÖFB-U19-Teamchef): "Die Deutschen waren heute eine Nummer zu groß. Es war von der ersten Minute an ein Spiel gegen einen übermächtigen Gegner. Wir hätten schon einen sehr, sehr guten Spielverlauf gebraucht, um hier zu bestehen. Man muss den Deutschen gratulieren, sie haben ganz klar verdient gewonnen. Sie waren auch vom Physischen her überlegen. Ich weiß nicht, ob es Angst war, aber es war riesengroßer Respekt. Die Präsenz auf dem Platz war bei uns nicht mehr da in den Zweikämpfen. Mit ihrer Qualität haben die Deutschen dann den Raum genutzt."

Leo Windtner (ÖFB-Präsident): "Die Art und Höhe dieser Niederlage tut weh. Es war klar zu sehen, dass bei den meisten zu viel Respekt dabei war. Aber mit dem Erreichen der WM in Neuseeland und dem Erreichen des Halbfinales dürfen wir zufrieden sein."

Willibald Ruttensteiner (ÖFB-Sportdirektor): "Man muss neidlos anerkennen, dass Deutschland klar besser war. Wir haben uns aber unter Wert verkauft. Unter dem Strich muss nach diesem Turnier der dritte Rang im Vordergrund stehen."

Francesco Lovric (ÖFB-U19-Kapitän): "Wir haben heute nicht unseren besten Tag erwischt. Die Deutschen waren ganz klar besser in allen Bereichen. Vielleicht war es am Anfang ein etwas zu großer Respekt. Die Deutschen spielen schon alle in der Bundesliga, das ist Erwachsenenfußball. Bei uns spielen noch manche in der dritten oder vierten Liga. Nichtsdestotrotz haben wir ein gutes Turnier gespielt. Wir sind ein kleines Fußball-Land."

Marcus Sorg (U19-Teamchef Deutschland): "Das hat die Mannschaft großartig gemacht. Den Einzug ins Finale hat sie sich verdient. Sie hat gezeigt, welch große Qualität in ihr steckt und dass man für harte Arbeit belohnt wird. Das war spielerisch schon sehr gut. Mir hat gefallen, dass das Team klug und konzentriert nach vorne gespielt und den Abschluss gefunden hat. Jetzt wollen wir auch den zweiten Pokal in diesem Sommer nach Deutschland holen."

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