"Manche Leute hören deswegen auf"

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„Ich werde erst 18 Jahre alt, ich kann jetzt noch nicht sagen, dass ich Stammspieler sein will.“

Auch wenn Sascha Horvath gemeinhin als eines der größten Talente im österreichischen Fußball gilt, stellt er keine Ansprüche.

Ein Dutzend Bundesliga-Spiele und 41 Partien in der Regionalliga Ost hat der Austrianer, der am 22. August 2014 volljährig wird, bereits in den Beinen.

Und auch schon die erste Krise hinter sich. „Ich hatte keine Freude, keinen Spaß mehr“, verrät der Offensivspieler, der aktuell sehr erfolgreich bei der U19-EM spielt, im LAOLA1-Interview.

Das Veilchen spricht zudem über Atem-Übungen, Gänsehaut bei Anfeuerungen und seinen Schul-Abbruch.

LAOLA1: Gratulation zum Semifinal-Einzug bei der U19-EM und der Qualifikation zur U20-WM. Was geht dir durch den Kopf?

Sascha Horvath: Es ist ein vertrautes Gefühl, ich bin es ja schon von der letzten WM-Qualifikation mit der U17 gewohnt, allerdings sind wir damals nicht ins EM-Semifinale gekommen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Niemand hätte gedacht, dass es so gut läuft und wir die ersten beiden Spiele 3:1 und 3:0 gewinnen. Jetzt wollen wir Gruppen-Sieger werden!

LAOLA1: Wo ordnest du diesen Erfolg für dich persönlich ein?

Horvath: Das Debüt bei der Austria bleibt das größte Highlight für mich, aber die Erfolge mit der U19 kommen gleich an zweiter Stelle. Nach Neuseeland kommt man schließlich auch nicht so oft.

LAOLA1: Apropos Austria: Was war das prägendste Erlebnis deiner ersten Bundesliga-Saison?

Horvath: Als ich mein Debüt in Wiener Neustadt gefeiert habe, haben alle Fans meinen Namen gerufen, als ich eingewechselt wurde. Da hatte ich am ganzen Körper Gänsehaut. Das Geilste war aber das Derby, in dem ich von Anfang an gespielt habe. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Unglaublich, wie dich die Fans da pushen.

LAOLA1: Warst du da nervös?

Horvath: Vor dem Spiel in der Kabine war ich sehr nervös. Aber meine Mitspieler haben mit mir geredet und mir gesagt, dass ich das kann. Nach den ersten Ballkontakten war ich im Spiel drinnen und habe auch die Fans nicht mehr so wahrgenommen.

LAOLA1: Ist da irgendwie auch Angst davor, einen entscheidenden Fehler zu machen, im Spiel?

Horvath: Nein, überhaupt nicht. Da denkst du gar nicht an Fehler. Und wenn du einen machst, ärgerst du dich nicht einmal, weil du den Ball sofort wieder erkämpfen willst.

LAOLA1: Die Fans haben ja nicht nur beim Debüt, sondern immer wieder deinen Namen skandiert. Wie geht es dir damit?

Horvath: Beim ersten Mal konnte ich es nicht fassen. Ich bin den Fans sehr dankbar, dass sie mich so unterstützen. Es hilft einem jungen Spieler, wenn ihn die Fans nach vorne peitschen. Mir hat das sehr viel Kraft gegeben.

"Ich bin viel mit Älteren zusammen, weshalb ich wahrscheinlich schneller reife"

LAOLA1: Hast du das Gefühl, einen Teil deiner Jugend zu verlieren? Du bist in dem Alter, in dem man sich normalerweise austobt.

Horvath: Das finde ich nicht. Viele Jugendliche träumen davon, bei den Austria-Profis oder im Nationalteam zu spielen. Wir vertreten unser Land vor 10.000 Zuschauern. Und man kann ja auch manchmal fortgehen – ohne Alkohol oder nur mit sehr wenig halt. Ich habe nicht das Gefühl, etwas verloren zu haben.

LAOLA1: Bist du schneller erwachsen geworden, weil du ungewöhnlich früh Profi geworden bist?

Horvath: Das kann schon sein. Ich bin viel mit Älteren zusammen, weshalb ich wahrscheinlich schneller reife als andere. Andererseits spielen wir bei der U19 die ganze Zeit „Mario Kart“. Wir sind also schon auch noch Kinder.

LAOLA1: Fußballer werden also schneller erwachsen und bleiben gleichzeitig länger Kind.

Horvath: Genau. Wir sind zum Teil mehr Kinder als andere. Das hilft auch in Sachen Kreativität. Und man muss bei all dem Ernst ja auch Spaß haben.

LAOLA1: Was ist für dich ein Supertalent?

Horvath: Messi! Er hat alles. Er ist schnell, kann alles mit dem Ball, ist beidbeinig, hat ein super Auge für den Pass. Oder Maradona. Oder Cristiano Ronaldo.

LAOLA1: Bist du berühmt?

Horvath: Nein. Messi und Ronaldo sind berühmt, ich bin noch nicht berühmt.

LAOLA1: Wirst du auf der Straße erkannt?

Horvath: Ab und zu. Aber auch nur von Gleichaltrigen. Normalerweise erkennen mich die Leute nicht. Es fehlt noch sehr viel, damit ich berühmt bin.

LAOLA1: Ist dir das unangenehm, wenn du erkannt wirst?

Horvath: Nein, mich freut das. Ich sehe es als Bestätigung dafür, dass ich wahrscheinlich nicht so schlecht gespielt habe.

LAOLA1: Die Schule hast du ja abgebrochen.

Horvath: Richtig, ich musste aufhören. Es ist sich mit den Trainingseinheiten einfach nicht mehr ausgegangen. Ich wollte nicht Halb-Halb machen. Ich wollte mich nur auf den Fußball konzentrieren. Ich habe mich mit meinen Eltern zusammengesetzt und wir haben den Entschluss gefasst, dass ich mit der Schule aufhöre. Es war keine einfache Entscheidung. Man braucht ja eine Ausbildung. Meine Mutter war sehr skeptisch, hat am Ende aber eingesehen, dass es nicht geht. Ich hatte am Schluss überhaupt keine Freizeit mehr, der Druck ist immer größer geworden. Ich ziehe den Hut vor Osman Hadzikic, der zieht das mit der Schule durch. Vielleicht ist er einfach gescheiter als ich (grinst).

"Wenn ich auf der Bank sitze, freue ich mich genauso"

LAOLA1: Wie groß ist der Druck von Seiten der Austria, dass du deinen im Sommer 2015 auslaufenden Vertrag verlängerst?

Horvath: Wir werden nach der U19-EM in Ruhe sprechen. Mal sehen, was rauskommt.

LAOLA1: Was soll rauskommen?

Horvath: Ich kann nicht viel dazu sagen. Ich muss mich auch erst mit meinem Manager zusammensetzen und mit ihm besprechen, was für meine Zukunft das Beste ist. Ich weiß nicht einmal, ob ich Angebote habe, ich konzentriere mich darauf gar nicht.

LAOLA1: Interessiert dich denn gar nicht, wer Interesse an dir hat?

Horvath: Ich sehe das so: Ich habe einen Vertrag. Vor den Gesprächen über eine Verlängerung interessiert es mich schon. Aber ich habe mich derzeit einfach noch nicht erkundigt.

LAOLA1: Hast du einen Karriereplan?

Horvath: Nein, ich lasse alles auf mich zukommen. Ich plane gar nichts. Ich spiele mein Spiel, dann kommt alles von alleine.

LAOLA1: Peter Stöger, Nenad Bjelica, Herbert Gager und jetzt Gerald Baumgartner. Haben dir die vielen Trainerwechsel bei der Austria weitergeholfen?

Horvath: Jeder Trainer hat ein anderes System. Aktuell geht es um Pressing und schnelle Balleroberung. Davor wurde mehr Wert aufs Spielerische gelegt. Davor waren es hohe Bälle. Das hilft einem jungen Spieler, weil er auf jeden Stil eingestellt ist. Wenn ich zum Nationalteam komme, kenne ich jede Taktik schon und kann sie leichter umsetzen.

LAOLA1: Welcher Stil taugt dir am meisten?

Horvath: Die hohen Bälle am wenigsten, Kopfbälle sind nicht so meine Stärke (grinst). Es ist das Spielerische. Jeder Fußballer will schön Fußballspielen. Aber wenn man das Pressing und das Spielerische mischt, ist das ein perfektes System. Barcelona und die Bayern machen das perfekt – sie gehen vorne gleich drauf, erobern schnell den Ball und spielen dann ruhig Fußball und den Gegner schwindelig. Das gelingt aber auch nicht gegen jeden Gegner. Wenn du gegen eine starke Mannschaft spielst, musst du auch mal einen hohen Ball schlagen.

LAOLA1: Wie wird dein Status innerhalb der Mannschaft unter Gerald Baumgartner sein?

Horvath: Ich bin jetzt bei der U19-EM. Mal sehen, ob er auf mich setzt. Wir werden nach der EM ein Gespräch führen, dann weiß ich, was auf mich zukommt.

LAOLA1: Was sind deine persönlichen Ziele für die Saison? Ein Stammplatz?

Horvath: So hoch setze ich das nicht an. Es sind wieder neue Spieler gekommen, Alex Grünwald ist wieder zurück, es wird mehr Konkurrenz geben. Ich versuche einfach, dabei zu sein. Wenn ich auf der Bank sitze, freue ich mich genauso. Ich werde erst 18 Jahre alt, ich kann jetzt noch nicht sagen, dass ich Stammspieler sein will. Aber natürlich will ich spielen.

Das Gespräch führte Harald Prantl

LAOLA1: Stört es dich, wenn du als Supertalent oder als Ausnahmetalent beschrieben wirst?

Horvath: Nein. Ich lese das, freue mich, bin ein bisschen stolz, denke mir dann aber auch, dass ich genauso viel machen muss wie die anderen. Ich muss hart an mir arbeiten. Ich kann mich immer noch steigern.

LAOLA1: In welchen Situationen spürst du Druck?

Horvath: In der Youth League, wenn wir in Rückstand geraten sind, wurde von mir mehr erwartet als von den anderen, weil ich schon in der Kampfmannschaft war. Das ist ein bisschen Druck. Aber sonst habe ich nie Druck, weil ihn mir die Trainer und die Mitspieler nehmen. Am meisten macht man sich den Druck sowieso selber. Der größte Fehler, den man machen kann, ist sich selbst zu sagen: „Ich muss jetzt ein Tor machen. Ich muss bei diesem Gegner vorbeikommen.“ Man muss immer locker bleiben. Man darf nicht zu viel nachdenken.

LAOLA1: Ich habe das Gefühl, dir gelingt das ganz gut. Verbissen wirkst du eigentlich nie.

Horvath: Ich mache mit meinem Vater Atem-Übungen. Das hilft mir sehr, um wieder runterzukommen. Dann bin ich wieder gelassen und spiele viel mehr Fußball. Es gab eine Zeit, da habe ich mir viel Druck gemacht. Da habe ich dann schlecht gespielt und schlecht trainiert. Danach habe ich mit Herbert Gager gesprochen und er hat mir gesagt, dass ich mir nicht diesen Druck machen soll.

LAOLA1: Ist da die Freude am Fußball verloren gegangen?

Horvath: Ja, ich hatte keine Freude, keinen Spaß mehr. Da muss man aufpassen. Manche Leute hören deswegen mit dem Fußball auf. Zwei Freunde von mir haben sich so viel Druck gemacht, dann die Lust verloren und aufgehört. Ich kann das nicht verstehen, wir machen unser Hobby zum Beruf. Es gibt doch nichts Schöneres, als mit Fußball sein Geld zu verdienen.

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