Wie der Vater so die Tochter

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"Dieses Team wird sich noch sehr weiterentwickeln"

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Strahlend blaue Augen. Braune Haare bis zu den Schultern. Die Ähnlichkeit ist unverkennbar.

Und Laura Feiersinger befindet sich auch sonst auf den Spuren ihres bekannten Vaters Wolfgang. Obwohl sie sagt: „Ich habe nie Fußball gespielt, weil ich meinem Vater nacheifern wollte.“

Sie war Leichtathletin und Biathletin, entschied sich aber für den Fußball. Zurecht, wenn man auf die noch junge Karriere der erst 19-Jährigen blickt.

Als der Herr Papa beim LASK agierte, begann Klein-Laura nahe Linz das Kicken und entwickelte sich von da an zu dem, was sie nun ist: Leistungsträgerin beim FC Bayern und im Nationalteam.

Wie Vater „Sali“, der nach den großen Erfolgen mit Salzburg in den 90ern bei Borussia Dortmund reüssierte (Champions-League-Sieg 1997) und mit dem ÖFB-Team an der WM 1998 teilnahm.

Zu einem Großereignis will die Tochter auch alsbald. Die historische erste EM-Teilnahme der ÖFB-Frauen ist zum Greifen nahe, sensationell wurde bereits die Playoff-Teilnahme in der Quali erreicht.

Sollte am Samstag die Sensation gegen Gruppenleader Dänemark, der ungeschlagen und ein Torverhältnis von 25:0 aufweist, folgen, könnte sich das Damen-Team noch direkt qualifizieren.

LAOLA1 sprach mit der auf der „Bruno“-Gala ausgezeichneten „Spielerin des Jahres“ vorab.

LAOLA1: Nachträglich erst einmal herzliche Gratulation. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?

Laura Feiersinger: Danke! Das war schon etwas ganz Besonderes für mich, weil es meine Leistungen bestätigt. Man trainiert immer hart und wenn man dann so einen Erfolg erzielen kann, dann ist das schon sehr schön und anspornend.

LAOLA1: Deine erste Saison bei den Bayern ist mit einem Titel gekrönt worden, dem überraschenden Sieg gegen den Favoriten aus Frankfurt im DFB-Pokal-Finale. Wie war’s?

Feiersinger: Wir haben vor 18.000 Zuschauern gespielt, vor so vielen Menschen bin ich überhaupt noch nie aufgelaufen. Es war absolute Gänsehaut-Stimmung, da war ich schon aufgeregt. Zudem hat ja keiner außerhalb damit gerechnet, dass wir gewinnen. Der Frankfurt-Manager hat vorab etwa noch groß geredet. Wir selbst aber wollten natürlich den Pokal holen und da es eine echte Überraschung war, war es umso schöner.

LAOLA1: Mit Frankfurt, Potsdam und Duisburg gibt es drei Top-Mannschaften in der deutschen Bundesliga. Wie realistisch ist dennoch ein Meistertitel für Bayern in naher Zukunft?

Feiersinger: Ich denke schon, dass wir vorne mitspielen können. Natürlich muss dann alles passen. Vergangenes Jahr hatten wir etwa einen schlechten Start. In der Hinrunde waren wir zwischenzeitlich auf dem elften Platz, in der Rückrunde haben wir dafür kaum Spiele verloren. Wenn wir das in der Hinrunde auch auf den Platz bekommen, dann spielen wir vorne mit. Es ist zwar schwierig, weil diese drei Teams schon gut sind. Wolfsburg hat zudem viele Spielerinnen eingekauft. Es ist schwierig, aber nicht unmöglich.

LAOLA1: Ist die deutsche Bundesliga die Traumliga, in der du spielst? Triffst du dabei auf Vorbilder?

Feiersinger: Ja, schon. Deutschland ist eine der stärksten Ligen und es war auch immer mein Ziel, dass ich dort spielen kann. Vorbilder an sich hatte ich immer nur männliche. Aber wenn man gegen die Birgit Prinz spielt, dann ist das in den ersten Spielen schon etwas Besonderes.

LAOLA1: Wer sind deine männlichen Vorbilder?

Feiersinger: Früher, als ich noch jünger war, war es David Beckham und mittlerweile Cesc Fabregas. Lionel Messi ist natürlich auch super. Bei den Barcelona-Partien kann ich mir einiges abschauen. Auch innerhalb des Vereins schauen wir uns auch viel von den Herren-Teams wie eben Barcelona ab und versuchen, das umzusetzen.

LAOLA1: Beim FC Bayern spielen ja auch bei den Burschen einige Österreicher. Hast du viel Kontakt zu Alaba und Co. oder zu den Superstars?

Feiersinger: Wir trainieren und spielen wo anders und haben eigentlich kaum Kontakt. Die Stars sehen wir nur ab und zu beim Training, weil wir in der Nähe Mittagessen.

LAOLA1: In Deutschland gilt Lira Bajramaj als Star der Frauen, auch weil sie sich betont feminin gibt. Gefällt dir ihre Art?

Feiersinger: Das ist schon wichtig, weil viele dahingehend doch Vorurteile gegenüber dem Frauen-Fußball haben. Das hat sich auch mit ihr geändert. Die weibliche Seite kommt zum Tragen und das passt gut.

LAOLA1: Wie gut passt es für deinen Vater, der bei Dortmund sein Geld verdient hat, dass du beim FC Bayern spielst?

Feiersinger: (lacht) Das ist ihm ziemlich wurscht, da hat er gar nichts gesagt. Ich rede aber mit dem Papa auch generell nicht so gerne über Fußball.

LAOLA1: „Nur Gott ist perfekt, aber Wolfgang Feiersinger ist es als Spieler“ – hat sein ehemaliger Dortmund-Trainer Nevio Scala einmal über ihn gesagt. Wie findest du das?

Feiersinger: Das ist schon cool, wenn man so etwas über seinen Vater hört.

LAOLA1: Kommen wir zur EM-Quali. Ihr habt euch schon für die Playoff-Spiele qualifiziert, könntet euch sogar noch direkt qualifizieren. Doch mit Dänemark kommt der Leader, der keine Punkte abgegeben und keine Tore zugelassen hat. Wie sehr glaubt ihr daran?

Feiersinger: Es ist nicht so unwahrscheinlich, es ist aber natürlich schwierig. Im Hinspiel haben wir 0:3 verloren, blöde Tore bekommen und auch nicht mit der Mannschaft gespielt, mit der wir jetzt antreten. Wir hatten ein gutes Jahr, uns weiterentwickelt und haben einen richtig guten Schritt gemacht. Ich denke, dass wir gut dagegen halten können. Es muss aber alles passen.

LAOLA1: Nach aktuellem Stand spielt ihr Playoff: Wie schätzt du die Chancen ein, dass sich das ÖFB-Frauen-Nationalteam erstmals für die EM-Endrunde qualifiziert?

Feiersinger: Es wird dann auch schwierig, weil wohl Teams wie England, Norwegen, Russland oder Spanien warten würden. Das sind sehr gute Nationen im Frauen-Fußball und es ist ja so, dass die Teams mit den stärkeren Koeffizienten gegen die schwächeren spielen. Wir wären dahingehend die schlechtesten und daher würde es schon sehr schwierig. Es wäre der leichtere Weg, wenn wir gegen Dänemark die Sensation schaffen und die anderen Zweiten Punkte lassen würden. Aber beides ist nicht gerade einfach.

LAOLA1: Kommt diese Quali für eure Mannschaft, wie auch die EM-Quali 2012 für die Herren, vielleicht noch zu früh? Ist das Team noch im Entwicklungsprozess?

Feiersinger: Ja, das denke ich schon. Wir sind ein sehr junges Team und es kommen auch gute Spielerinnen von der U19 und U17 nach. Vielleicht brauchen wir dann noch ein paar Jahre. Auf der anderen Seite hatten wir nun von den Gegnern her wohl die leichteste Gruppe überhaupt. Das kann sich auch wieder ändern. In jedem Fall wird sich diese Mannschaft noch sehr weiterentwickeln.

LAOLA1: Man hört immer wieder, mit Dominik Thalhammer habt ihr dafür den richtigen Teamchef.

Feiersinger: Absolut. Er stellt uns immer super auf die Gegner ein und das macht dann auch schon einiges aus.

LAOLA1: Wieder eine Parallele. Eine weitere ist, dass euer Nationalteam viele Legionäre hat.

Feiersinger: Wenn man die letzte Startaufstellung hernimmt, da haben nur zwei oder drei Spielerinnen aus der österreichischen Liga gespielt. Wenn so viele im Ausland im Einsatz sind, dann entwickeln sie sich auch weiter, weil natürlich auch das Niveau höher ist. Das ist für das Team eine große Hilfe.

LAOLA1: Was sind deine nahen und fernen Ziele?

Feiersinger: Deutscher Meister zu werden und unbedingt Champions League zu spielen. Das nächste Ziel ist aber ganz klar die EM-Quali.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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