"Dann müssen wir einfach konsequenter sein"

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„Wenn man davon spricht, die WM-Qualifikation zu schaffen, dann müssen wir schauen, dass wir Auswärtsspiele gewinnen“, erklärt Andreas Ivanschitz.

Der ehemalige ÖFB-Kapitän war 2005 dabei, als Österreich in der damaligen WM-Quali 2006 Wales in Cardiff 2:0 schlug. Fast acht Jahre später setzte es im Testspiel für die WM-Quali 2014 in Swansea eine 1:2-Niederlage.

Der Auftakt ins Länderspieljahr 2013 ging daneben, das ÖFB-Team bleibt unter Teamchef Marcel Koller im dritten Auswärtsspiel ohne Sieg. Seit dem Erfolg in Wales gab es in 21 Gastspielen zwei Siege.

„Wir müssen uns entscheiden“

„Wir haben in den vergangenen zehn Jahren einfach zu wenige Auswärtsspiele gewonnen“, muss Ivanschitz verdutzt festhalten. Nun wurde die „Generalprobe“ für die WM-Quali-Partie in Irland – dazwischen kommen noch die Färinger nach Wien – verpatzt. Unzufriedenheit machte sich breit.

Gepaart mit Selbstkritik a la Sebastian Prödl: „Wenn wir unsere Ansprüche so hoch setzen, wie wir es tun, brauchen wir mehr Konsequenz. Wir müssen entscheiden: Wollen wir unsere Erwartungen erfüllen, dann müssen wir in allen Belangen einen Schritt konsequenter sein. Oder sagen wir, uns genügt, dass wir eine gute Truppe sind und ordentlichen Fußball spielen. Es ist natürlich das Erste.“

Die Ziele für das erste Spiel im neuen Jahr wurden verfehlt. Es wurde kein Sieg, es wurde nicht das positive Signal für die kommenden Aufgaben, es wurde nicht so gespielt, wie man es sich vornahm.

„Wir haben das hohe Pressing, das wir geplant hatten, zu schwammig gespielt“, erklärte Marc Janko, der als Ersatzkapitän für den wegen einer Verkühlung geschonten Christian Fuchs fungierte und den Anschlusstreffer zum 1:2 markierte. Wegen muskulärer Probleme konnte Zlatko Junuzovic nicht von Beginn weg spielen, Julian Baumgartlinger wegen der Achillessehne gar nicht.

Was bedeutet schwammig? „Wir haben es nicht zu Ende gespielt. Es haben nicht alle immer richtig mitgemacht, dann entstehen schnell auch einmal ein paar Löcher, die dem Gegner entgegenkommen und sie schön herausspielen können. Das war nicht gut, das wissen wir, daran arbeiten wir auch.“

Probleme mit sich und Bale

Ivanschitz teilte die Meinung seines Nachfolgers als Teamkapitän: „Wir haben zwar versucht, vorne zu pressen, aber da waren die Abstände zu weit. Je länger das Spiel gedauert hat, desto weiter wurden sie und der Gegner hatte dann viel zu viel Raum zu spielen. Das war nicht gut.“

Freilich als eines der Hauptprobleme für das ÖFB-Team gegen Wales darf Gareth Bale bezeichnet werden. Der walisische Express stieg im Duell mit Markus Suttner als überlegener Gewinner aus, markierte das 1:0 nach sehenswerter Mitnahme und bereitete mit schöner Flanke das 2:0 vor.

„Es war sehr schwierig gegen ihn zu spielen. Wir wollten ihn eigentlich doppeln, das hat aber nicht funktioniert“, musste der Austria-Verteidiger eingestehen. Nur an Bale habe es aber nicht gelegen.

„Wir hätten genügend Chancen gehabt, dass wir noch was daraus machen“, fügte Suttner an.

Und wieder die Chancenverwertung

Teamchef Marcel Koller sprach ebenso eine der zentralen Probleme dieses Abends an. Das alte bekannte. „In der Defensive hatten wir die eine oder andere Unsicherheit, die Wales dann eiskalt ausgenützt hat. In der Offensive haben wir an und für sich ganz gut gespielt. Und unser Problem ist schlicht und einfach, dass wir zu wenige Tore schießen“, hält der Schweizer in seiner Analyse fest.

„Wenn wir in Irland spielen, müssen wir zulegen. Es war eine Steigerung gegen die Elfenbeinküste, wir haben einige Chancen herausgespielt, aber auch den einen oder anderen Fehler in der Defensive gemacht, das hat uns den Sieg gekostet. In der zweiten Hälfte waren wir mehr in Ballbesitz, da haben sich die Waliser aber auch mehr zurückgezogen, das machte es schwierig für uns.“

Vor allem nach der Pause war Marko Arnautovic an diesem Abend einer der österreichischen Lichtblicke. Der Werder-Legionär kurbelte die Offensive an, bereitete das 1:2 mit sensationeller Flanke auf Janko vor und hatte kurz danach mit einem sehenswerten Schlenzer Pech.

Der Techniker haderte ebenfalls mit der Chancenverwertung und meinte: „Ich bin unzufrieden, normalerweise sollte man in Wales gewinnen. Ich könnte jetzt tausend Dinge ansprechen und sagen, dass wir grottenschlecht sind. Aber ich weiß, dass wir gut sind“, macht der 23-Jährige Hoffnung.

Es scheint, als würde das ÖFB-Team in einem Pflichtspiel zulegen können. „Vielleicht kommt das irgendwo dazu, aber wir müssen einfach dahin kommen, dass da kein Unterschied zu sehen ist“, fordert David Alaba, der eines seiner schlechteren Länderspiele ablegte.

„Wir wollten von vornherein nicht gelten lassen, dass das ein Testspiel ist und wir ein oder zwei Prozent weniger geben. Das haben wir klar thematisiert, dass das nicht der Fall sein soll. Wir wollten es wie ein Quali-Spiel angehen und haben es zu Beginn auch so gemacht. Insgesamt ist das Resultat enttäuschend, wir wollten ein besseres Gefühl mitnehmen“, fügt Ivanschitz an.

„Dürfen nicht nur sagen, dass wir gut sind“

Tatsache ist, und darüber waren sich alle einig, dass Anspruch und Realität bei diesem Probegalopp auseinanderklafften. „Im Großen und Ganzen war es ein Test mit Lehrcharakter, wir haben ein paar Dinge offenbart bekommen. Wir brauchen nichts schönreden, wir haben wieder auswärts verloren. Wir wissen aber, was unsere Qualitäten sind. Vielleicht war dieses Spiel der richtige Warnschuss vor dem Bug“, hofft Janko auf eine schöne „Premiere“ nach der verpatzten Generalprobe.

Arnautovic wird dabei etwas direkter: „Wir dürfen nicht nur sagen, dass wir gut sind, wir müssen auch gewinnen.“ Ivanschitz weiß, dass „am Ende die Resultate zählen“. Und sie zählen vor allem am 22. (Färöer in Wien) und am 26. (Irland in Dublin), wenn die WM-Quali fortgesetzt wird.

Keine Frage, in erster Linie für das Auswärtsspiel bei den Iren ist eine deutliche Steigerung von Nöten. So kann Prödl anmerken, dass das 1:2 in Wales „glücklicherweise kein Quali-Spiel war.“

Janko lässt ausrichten: „Freundschaftsspiele sind dazu da, dass wir ausprobieren. Ein paar Dinge waren heute gut, ein paar Dinge nicht so.“

Bleibt zu hoffen, dass wieder mehr funktioniert, wenn es wirklich drauf ankommt. Österreich will zur WM nach Brasilien. Ob sie dafür auch reif ist, werden mitunter die März-Länderspiele zeigen.

 

Aus Swansea berichtet Bernhard Kastler

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