"Wir müssen auf jedem Platz gleich auftreten"

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Werder Bremen und das österreichische Nationalteam haben eigentlich einige Dinge gemeinsam. Und das abgesehen von Zlatko Junuzovic als Spieler in den Reihen beider Mannschaften.

Beide gehören nicht zur Spitze, beide wollen sich dieser aber sukzessive annähern, beide haben Potenzial – und beide müssen noch viel dazulernen.

So findet sich Junuzovic, der 25-Jährige wechselte vor einem Jahr von der Austria nach Bremen, in einem stetigen Lernprozess wieder. Geht es bei Werder oft darum Kontinuität ins Spiel zu bringen, ist beim ÖFB das große, aktuelle Thema die Auswärtsschwäche – und wie man diese beheben kann.

Im LAOLA1-Interview spricht die Nummer 10 des ÖFB-Teams über den Auftakt des so wichtigen Länderspieljahres 2013, das Auftreten auf anderen Plätzen, Werders Start und Nacer Barazite.

LAOLA1: 2012 endete das Länderspieljahr für das ÖFB-Team mit dem 0:3 gegen die Elfenbeinküste nicht so gut, folglich müsstet ihr erpicht sein, ins neue besonders gut zu starten, oder?

Zlatko Junuzovic: Natürlich wollen wir alles dran setzen, dass wir mit einem positiven Resultat beginnen, schließlich ist es ein sehr gutes Testspiel für uns. Für uns ist es auch wichtig, dass wir auswärts unsere Leistungen bringen – vor allem im Hinblick auf die WM-Qualifikation. Es geht um ein positives Ergebnis, eine gute Leistung und einfach darum, die Vorgaben des Teamchefs und unsere persönlichen auf den Platz zu bringen. Das wird wichtig sein, das alles umzusetzen.

LAOLA1: Mit welchen Worten hat euch der Teamchef diesbezüglich im neuen Jahr empfangen?

Junuzovic: Wir haben uns natürlich zusammengesetzt und eine Besprechung gehabt. Wir haben das Spiel gegen die Elfenbeinküste (0:3) noch einmal analysiert, aber gleich dann auch die Ziele für dieses Jahr angesprochen. Das ist natürlich die Qualifikation für die Weltmeisterschaft, da müssen wir schauen, zumindest Zweiter zu werden. Dafür braucht es Resultate, ganz klar.

LAOLA1: Vor zwei Jahren hat man die EM-Qualifikation im März vor allem mit der Heimniederlage gegen Belgien vergeigt. Wie wichtig sind dieses Jahr die März-Länderspiele, allen voran das Gastspiel in Irland, um zu wissen, wohin der Weg des Nationalteams geht?

Junuzovic: Sehr wichtig. Und dafür ist dieses Test-Länderspiel auch sehr wichtig, eben besonders für die Partie in Irland. Da ist es ausschlaggebend, dass wir sehen, wo wir stehen. Deswegen wollen wir uns hier gut präsentieren und unsere Ziele verfolgen. Vor den extrem wichtigen März-Partien haben wir dann auch ein paar Tage länger Zeit und wir müssen jeden Tag gut nutzen, um uns gut einzuspielen. Die Richtung stimmt, das haben wir vergangenes Jahr bis auf das letzte Spiel auch beweisen.

LAOLA1: Warum hat Österreich in den vergangenen 20 Auswärtsspielen nur zwei Mal gewonnen?

Junuzovic: Wir haben teilweise nicht gut gespielt und die Harmonie sowie die Stimmung, finde ich, war nicht so gut wie jetzt. Wir sind jetzt eine eingeschweißte Truppe. Das merkt man auch, wenn wir uns sehen. Jeder versteht sich wirklich gut mit dem anderen, wir haben Spaß miteinander und das ist ganz ganz wichtig für eine Mannschaft. Nichtsdestoweniger müssen wir das auf dem Platz zeigen, es bringt nichts, wenn wir das nur abseits tun. Wir müssen es am Platz beweisen.

LAOLA1: Nun dient dieses Wales-Spiel eben als Test für Irland. Der Teamchef meinte, für euch Spieler wäre es wichtig, eine ähnliche Atmosphäre vorab einzuatmen. Hat er Recht?

Junuzovic: Ich denke schon, denn hier auf der Insel herrscht auch eine andere Atmosphäre. Es ist auch etwas besonderes, denn sie ist auch die Mutter des Fußballs. Von dem her ist es cool, hier zu spielen. Auf der anderen Seite haben wir aber eigentlich ohnehin immer Spiele, wo etwa viele Zuschauer kommen. Die Erfahrung auf der Insel mitzunehmen ist sicherlich gut, vor allem auch weil es sich auswärts immer etwas anders spielt als zu Hause. So können wir uns schon mal gut einstellen.

LAOLA1: Ist es auswärts auch eine Mentalitäts-Frage?

Junuzovic: Es sind sicher zwei verschiedene Welten, ob du zu Hause oder auswärts spielst. Es kommt auch immer auf den Spielverlauf an. Wenn dir ein schnelles Tor gelingt, dann tust du dir leichter. Bekommst du aber eines, dann ist es auswärts gleich um vieles schwieriger. Ich denke einfach, wir müssen wie zu Hause auftreten, den Schalter umlegen können, um auf jeden Platz gleich spielen zu können. Wenn das so weit ist, dann haben wir wieder einige Dinge sehr gut gemacht.

LAOLA1: Werder hat es zuletzt nicht unbedingt gut gemacht. 0:5 gegen Dortmund, 2:3 in Hamburg, 2:0 gegen Hannover. Fehlt euch weiterhin die Konstanz?

Junuzovic: Es ist sicherlich die fehlende Routine, wir haben einen niedrigen Altersdurchschnitt und das sieht man in den wellenförmigen Leistungen, die wir bringen. Im Herbst war es eben so, dass wir tatsächlich in jedem Spiel sehr viele Chancen vorgefunden haben und alle auch somit hätten gewinnen können. Damals haben wir sie aber nicht genutzt. Jetzt war es so, dass wir gegen Dortmund wirklich schlecht gespielt haben und zurecht 0:5 verloren haben. Das war bitter, ähnlich wie bei der knappen Niederlage in Hamburg. Und gegen Hannover haben wir dann wieder unsere Qualitäten gezeigt. Wir müssen das einmal über Wochen auf den Platz bringen, dann haben wir auch mehr Punkte. Wir haben das Zeug dazu, aber wir müssen noch dazulernen.

LAOLA1: Wie schwierig fällt dir immer die Umstellung von der Sechser-Position bei Werder auf die zentrale Offensiv-Position im Nationalteam oder bist du jemand, dem diese Abwechslung Spaß macht?

Junuzovic: Eigentlich ist es cool, dass ich mal weiter vorne spiele und mal weiter hinten. Mir ist nur wichtig, im Zentrum zu spielen, da fühle ich mich wohl. Aber wenn ich spiele, macht es mir immer Spaß.

LAOLA1: Zum Abschluss eine These: Nacer Barazite ist zurück und dein Ex-Klub Austria wird damit Meister.

Junuzovic (lacht): Ja, mal sehen. Ich muss sagen, ich war schon auch überrascht, dass er zurückgekehrt ist. Auf der anderen Seite ist es natürlich cool für die Austria. Ich wünsche ihm das Beste und dass er viel spielt, denn in Monaco hat es das vergangene Jahr nicht gut für ihn ausgeschaut. Es braucht wohl ein bisschen Spielpraxis, bis er wieder zu alter Stärke und Form kommt. Und zur Austria: Sieben Punkte sind schon ein gutes Polster, da denke ich schon, dass sie das durchbringen können.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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