"Mit ihm verlassen sich die Schweden mehr auf ihn"

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„Eine schwierige Frage“, muss Martin Harnik kurz überlegen.

Sie lautet: Macht es einen Unterschied aus, ob Zlatan Ibrahimovic spielt oder nicht?

Auf den ersten Blick ist die Antwort einfach: Ja, natürlich.

Der bald 34-Jährige ist einer der besten seines Fachs, im Weltfußball eine Marke wie nur wenige andere.

„Ohne ihn wäre es unberechenbarer“

Sollte so ein Kapazunder das EM-Qualifikations-Spiel gegen Österreich am Dienstag in Stockholm verletzungsbedingt verpassen, wäre dies ein schwerer Schlag für Schweden und ein Vorteil für Österreich.

Aus rot-weiß-roter Sicht kann man auf den zweiten Blick durchaus unterschiedlicher Meinung sein.

Das Resultat von Harniks Überlegungen: „Ich hoffe eigentlich beinahe, dass er spielt, weil sich die Schweden dann sicherlich um einiges mehr auf ihn verlassen, als wenn er nicht auf dem Platz steht. Aber wir können das sowieso nicht beeinflussen.“

„Wenn er spielt, weißt du ganz einfach, dass er der Zielspieler ist und sie die Angriffe auf ihn ausrichten. Er hat immer wieder unberechenbare Szenen, wo man aufpassen muss. Aber ohne ihn wäre es vielleicht ein bisschen unberechenbarer“, glaubt auch Kapitän Christian Fuchs.

„Kein Nachteil, wenn er nicht spielt“

Marc Janko wiederum könnte es verschmerzen, wenn ein erneutes Duell mit dem PSG-Star ins Wasser fallen würde:

„Er ist ein Weltstar, der den Unterschied ausmachen kann. Bei unserer letzten Partie in Schweden hat er kurz vor Schluss mit einer Einzelaktion das entscheidende Tor gemacht. Dazu sind solche Weltstars jederzeit imstande. Deshalb ist es auf jeden Fall kein Nachteil, wenn er nicht spielt.“

Leichtere Ausrechenbarkeit mit „Ibra“ oder geringere Gefahr eines Geniestreichs ohne ihn? Es gibt wohl nachvollziehbare Argumente für beide Positionen.

Die Einigung ist indessen eine leichte: Das ÖFB-Team muss es ohnehin so nehmen, wie es kommt. Für Teamchef Marcel Koller macht „es keinen großen Unterschied“, ob Ibrahimovic nach seiner gegen Russland wieder akut gewordenen Einblutung im Bauchmuskelbereich rechtzeitig fit wird oder passen muss.

Kein Einfluss auf Kollers Konzept

„Wenn er spielt, nehmen wir das so mit. Wenn nicht, stellen wir uns auf die anderen ein. Das hat in dem Sinn keinen Einfluss auf unser Konzept, sodass wir alles auf den Kopf stellen würden“, erklärte der Schweizer in seiner Nachbetrachtung des Moldawien-Spiels.

Gleichzeitig wies der 54-Jährige darauf hin, dass der Ausnahmekönner in den vergangenen drei Duellen gegen Österreich immer wieder bei schwedischen Toren seine Beine im Spiel hatte. In besonders unliebsamer Erinnerung ist natürlich sein Siegtreffer beim 2:1-Erfolg im Oktober 2013, der Österreichs WM-Traum platzen ließ.

„Natürlich ist er eine Gallionsfigur in dieser Truppe, das steht fest. Aber sie haben auch andere gute Spieler, die uns auf jeden Fall Probleme bereiten können. Sie haben vorne gute Spieler drinnen, die ebenfalls Spiele entscheiden können. Wir müssen auf jeden Fall auf der Hut sein“, warnt Janko.

„Haben vor jedem Spieler Respekt“

Ähnlich sieht es Aleksandar Dragovic: „Ola Toivonen ist auch ein großer, kopfballstarker Spieler wie Ibrahimovic. Von dem her ist es egal. Wir haben vor jedem Spieler Respekt.“

Der ist auch angebracht. Schwedens Medien gingen nach dem 0:1 in Moskau mit ihrer Mannschaft zwar hart ins Gericht, wiesen jedoch auch darauf hin, dass Teamchef Erik Hamren und seine Truppe „am besten sind, wenn sie unter Druck stehen“, wie „Dagens Nyheter“ schrieb.

Dort hieß es weiter: „Wenn jegliche Taktik gescheitert ist und die Skizzen in Rauch aufgegangen sind, dann kann seine Mannschaft kämpfen, kratzen und beißen und die meisten Gegner erschüttern.“

Zumindest dass die Skandinavier ohne ihr Aushängeschild noch mehr über das Kollektiv kommen würden, lässt sich mit großer Wahrscheinlichkeit voraussagen.

Peter Altmann

Andererseits hat das ÖFB-Team auch schon bewiesen, dass man Ibrahimovic über weite Strecken im Griff haben kann.

„Wir haben in den WM-Quali-Spielen auch nicht unbedingt Manndeckung gegen Ibrahimovic gespielt. Wir haben versucht, wenn er in den Raum unserer Spieler kommt, eng an ihm dran zu sein. Aber ganz verhindern wird man es ohnehin nicht können“, erklärt Robert Almer.

„Sie haben auch andere gute Spieler“

Eine Offensivkraft dieser Güteklasse benötigt, auch wenn sie sonst weitestgehend kontrolliert wird, eben nicht allzu viele Gelegenheiten, um entscheidend in ein Spiel einzugreifen.

Das weiß auch der Goalie: „Das Spiel der Schweden läuft über ihn. Er braucht zwei, drei Aktionen im Spiel, da ist er brandgefährlich.“

Eine definitive Entscheidung über einen Einsatz von Ibrahimovic könnte sich bis zum Matchtag hinauszögern. "Die Hoffnung lebt, aber ich kann nicht abschätzen, ob es sich ausgeht", erklärt Schwedens Teamchef Erik Hamren.

Auch im Falle eines Fehlens gilt es jedoch den Konzentrations-Level hoch zu halten. Das ist den ÖFB-Kickern bewusst.

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