"Das ist einfach nur deppert"

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"Wenn Mateschitz etwas will, erreicht er das auch"

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In einem langen Facebook-Posting verabschiedete sich Stefan Ilsanker von seinen Fans bei RB Salzburg.

Nach drei erfolgreichen Jahren bricht der Local Hero seine Zelte in seiner Heimatstadt ab und übersiedelt konzernintern nach Leipzig.

„Es ist ein kleines Abenteuer für mich. Natürlich haben wir in Leipzig riesengroße Ziele und ich möchte unbedingt einen großen Teil dazu beitragen, dass wir die auch erreichen“, will Ilsanker über den Zwischenstopp in der 2. Liga seinen Traum von der deutschen Bundesliga verwirklichen.

Vor gut einem Jahr hatte der defensive Mittelfeldspieler seinen Vertrag in Salzburg um vier Jahre verlängert. Damals befanden sich die Mozartstädter gerade mitten im Europa-League-Erfolgslauf und somit quasi am Höhepunkt der Ära von Roger Schmidt.

„Es hat durchaus andere Gedankengänge gegeben“

„Unter Schmidt habe ich einen komplett anderen Fußball kennengelernt, der einfach perfekt zu mir gepasst hat“, meint Ilsanker, der jedoch schon damals den Sprung über die Landesgrenzen hinaus im Auge hatte:

„Ich habe bei meiner Vertragsverlängerung gesagt, dass ich trotzdem noch das Ziel habe, einmal ins Ausland zu gehen. Herr Rangnick und die sportlichen Leiter in Salzburg sind sich dessen auch bewusst, dass ein relativ junger Spieler nicht ewig in Österreich spielen will. Von dem her war das von beiden Seiten okay.“

 

Liebe Freunde, liebe Fans,Ich würde mich gerne persönlich bei Euch verabschieden und mich für die geile Zeit in...

Posted by Stefan Ilsanker on Freitag, 5. Juni 2015

Die restlichen drei Jahre seines Kontrakts dient „Ilse“ nun also in Leipzig ab. Ein logischer Schritt, wenngleich der ÖFB-Teamspieler betont, dass der Wechsel innerhalb der Red-Bull-Familie nicht seine einzige Option gewesen sei:

„Es hat durchaus andere Gedankengänge gegeben, aber für mich persönlich ist es das beste Gesamtpaket. Leipzig ist jetzt zwar in der zweiten Liga, aber das Umfeld, die Stadt und die Fans sind bestens, die Möglichkeiten durch Red Bull riesig. Wenn Herr Mateschitz etwas will, erreicht er das auch.“

„Das sind ignorante, teilweise dumme Leute“

Und dies stößt bekanntlich nicht allerorts auf Gegenliebe. Wer in Österreich bei Salzburg gespielt hat, kennt das Feeling, das Feindbild der Liga zu sein, nur zu gut. In Deutschland ist das Leipziger Rasenball-Projekt jedoch gefühlt mit einem noch viel heftigeren Gegenwind konfrontiert.

Die Proteste gegnerischer Fan-Gruppierungen blieben dabei nicht immer friedlich. Vor dem Gastspiel in Karlsruhe wurde etwa das Mannschaftshotel der Sachsen von rund 20 Vermummten gestürmt.

Eine Eskalation, die im Fußball nichts verloren hat. Ilsanker findet für solche Anfeindungen klare Worte: „Das ist einfach nur deppert. Das sind ignorante, teilweise dumme Leute. Es gibt ja auch Plakate, die teilweise vor den Spielen aufgehängt wurden. Wenn ich das als Verein zulasse, muss man sich schon hinterfragen.“

Der 26-Jährige wird sich darauf einstellen müssen, in der kommenden Saison mit seinem neuen Arbeitgeber zu polarisieren. Die Vorfreude auf die neue Liga trübt dies jedoch keineswegs: „Das wird nächstes Jahr eine unglaublich geile zweite Liga mit wunderschönen Stadien, Traditionsvereinen und einem Zuschauerschnitt, der weit über dem in Österreich liegt.“

Gemeinsame Zukunft mit Sabitzer?

Die mangelnde Attraktivität des heimischen Fußball-Oberhauses hat durchaus mit dem Transfer-Wunsch Ilsankers zu tun.

Ilsanker bei seinem ÖFB-Medientermin in der Generali Arena

Eine Personalentscheidung, die erst nach Ilsankers Zusage für Leipzig gefallen ist: „Das war bis vor kurzem nicht klar. Ich glaube, er war sehr intensiv auf der Suche nach einem geeigneten Mann, aber der hat sich in der Kürze der Zeit nicht gefunden.“

Auf den ersten Blick scheint Leipzig gut aufgestellt für den Kampf um den Aufstieg in die deutsche Bundesliga. Als „Muss“ will er diesen jedoch nicht bezeichnen: „Ich nehme das Wort ungern in den Mund. Ich will unbedingt aufsteigen und werde alles dafür geben.“

Hoffnung auf Rolle als Alaba-Ersatz

Bevor sich Ilsanker ins Abenteuer in Deutschland stürzt, steht noch jenes in Moskau auf dem Programm: „Darauf freue ich mich schon sehr, ich war noch nie in Russland.“

Wenn er an Russland denkt, werden Erinnerungen an eines seiner bislang größten Karriere-Highlights wach. Vergangenen November beim 1:0-Sieg gegen die „Sbornaja“ im Happel-Stadion sprang er kurz vor Spielbeginn für Julian Baumgartlinger ein.

Wie schon in Wien fehlt auch diesmal David Alaba. Ilsanker ist einer der Top-Kandidaten auf den dadurch vakanten Platz in der Startelf.

„Ich hätte Salzburg nicht verlassen, wenn wir in einer anderen Liga gespielt hätten“, stellt er klar und weist auf die offenkundigen Defizite der Bundesliga hin: „Es ist nicht so attraktiv für die Fans, wenn du in einer Zehnerliga vier Mal gegen jeden Gegner und teilweise in keinen schönen Stadien vor wenigen Leuten spielst. Aber das Umfeld in Salzburg ist perfekt.“

Einige ehemalige Salzburger kennen inzwischen auch das Leipziger Umfeld bestens, dazu gesellen sich nun neben Ilsanker auch Peter Gulacsi, Nils Quaschner und – möglicherweise – Marcel Sabitzer.

Der Angreifer hatte zwar klargestellt, dass Leipzig in seinen Plänen keine große Rolle spielen würde, Ilsanker würde diese Worte jedoch nicht auf die Waagschale legen:

„Das war ein Interview, und das hat er in einer Zeit gegeben, als noch nicht klar war, wer dort Trainer ist, wie die Mannschaft ausschauen wird. Außerdem war es unmittelbar nach einem Spiel, in dem man 90 Minuten Vollgas gegeben hat. Also sollte man das nicht so ernst nehmen.“

„Nehme das Wort ungern in den Mund“

Die Defensivkraft geht jedenfalls davon aus, auch in der kommenden Saison Seite an Seite mit Sabitzer zu spielen. Noch dazu, wo mit Rangnick eine vertraute Person das Traineramt bekleiden wird.

„Ich haue mich im Training voll rein. Ich habe beim letzten Ausfall von David für ihn einspringen dürfen. Ich denke, ich habe meine Sache in zwei sehr schweren Partien gut gemacht. Ich hoffe, ich kriege wieder meine Chance und werde natürlich alles dafür geben“, erklärt der siebenfache Teamspieler.

„Haben so einen geilen Spirit, dass wir dort bestehen können“

Neben dem Russland-Spiel durfte er damals auch im Test gegen Brasilien über 90 Minuten ran: „Das war eine unglaublich geile Woche. Wir haben den ersten Tabellenplatz abgesichert und hatten eine geile kämpferische Partie gegen eine super Mannschaft und danach noch das Spiel gegen Brasilien.“

Nachdem er das Cupfinale aufgrund muskulärer Probleme verpasst hatte, kann der Double-Gewinner inzwischen wieder voll trainieren. Einem Einsatz in Russland stünde nichts im Wege.

Auf die ÖFB-Elf wartet eine große Bewährungsprobe, die Ilsanker jedoch optimistisch in Angriff nimmt: „Auswärts ist es immer ein anderes Spiel als daheim, wo du von einem vollen Stadion gepusht wirst. In Moskau wird das ganze Stadion gegen uns sein. Aber wir sind so ein verschworener Haufen und haben so einen geilen Spirit, dass wir auch dort bestehen können.“


Peter Altmann

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